LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Ein gefiederter Feinschmecker

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt ausgenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um einen gefiederten Feinschmecker.

„Liebes Corona-Tagebuch, neulich flog mir eine Geschichte zu, von der es heißt, sie sei wahr. Es geht dabei um eine ältere Dame aus der Schney, die sich nicht träumen ließ, noch mal im Leben einen Luftikus zum Freund zu bekommen. Sie stand so morgens auf ihrem Balkon und aß eine Bratwurst. Plötzlich war er da und beäugte sie.

Er war ein Rabe, der den Kopf zur Seite legte und abwechselnd die Bratwurst und dann sie betrachtete. Es war eine gute Bratwurst aus der Lieblingsmetzgerei der älteren Dame, und erst zögerte sie, dann aber schnitt sie doch ein Scheibchen von ihr ab und legte es in die Nähe des Vogels. Dabei verwickelte sie den Raben in ein Gespräch, man hat ja schließlich Anstand auch.

Der Rabe schien pickte sich die Bratwurst, krächzte noch etwas und flog davon. Was der älteren Dame an diesem Tag noch so geschah, ist unbekannt. Am Folgetag stand sie wieder früh auf ihrem Balkon und hatte noch etwas Bratwurst übrig. Da war er wieder, der Rabe. Er kam herbei, setzte sich in gebührendem Abstand nieder und beäugte erst die Frau und dann die Wurst. Sollte er tatsächlich darauf spekuliert haben, der älteren Dame hier wieder in Geberlaune zu begegnen? Wieder begann die Dame mit ihm zu sprechen, und wieder hörte er ihr aufmerksam zu. Dann erhielt er erneut ein Stückchen Bratwurst zugeteilt. Er betrachtete es, pickte es auf und flog unter Krächzen davon. Mehr ist von diesem Tag nicht bekannt.

Am dritten Tag hatte die ältere Dame den Verdacht, dass womöglich eine Tradition begründet worden sein mochte. Diese wollte sie nicht durch eine andere Wurstsorte gefährden und stand morgens mit einer Bratwurst auf ihrem Balkon. Es kam, wie zuvor kam. Man grüßte, sprach, pickte, krächzte und flog davon beziehungsweise blieb auf dem Balkon zurück. So war es am vierten und fünften Tag. Dann aber war etwas anders. Wieder war der Rabe morgendlich zu Gast und wieder bekam er ein Stück Bratwurst. Doch er pickte nicht. Etwas hielt ihn ab und offensichtlich war es von Bedeutung. Was mochte es sein? Da fiel der älteren Dame ein, dass diese Bratwurst nicht aus ihrer Lieblingsmetzgerei war, sondern aus dem Supermarkt.

Der Rabe nahm ihre gute Absicht zur Kenntnis, spreizte die Flügel und flog ohne sein Bratwurststückchen davon. Doch er kam am anderen Morgen wieder und diesmal pickte er wieder. Die ältere Dame hatte sich Bratwurst aus ihrer Lieblingsmetzgerei geholt und diese legte sie dem Raben vor. Dann pickte er zu und flog davon. Seitdem weiß die Dame, dass sie dieselbe Lieblingsmetzgerei haben. Aber alles hat einmal ein Ende und diese Geschichte mit der Bratwurst und dem Raben auch. Eines Tages kam er nämlich nicht mehr für sein Bratwurststückchen eingeflogen. Er kommt jetzt wegen der Wienerchen. Hauptsache, sie sind nicht vom Supermarkt.“

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