LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Ein Gebet kann Wunder wirken

Markus Häggberg. Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um Schlafprobleme und das Gebet.

„Liebes Corona-Tagebuch, Schlafprobleme sind eine lästige Angelegenheit. Nicht nur, dass man morgens wenig Interesse an Arbeit hat, man hat Abends auch mehr Appetit. So ging es einer Freundin von mir und sie war sehr verzweifelt. Ihre Schlaflosigkeit verursachte ihr mittlerweile sieben Kilo Übergewicht und eine neue Kleidergröße (sie war vor ihren Schlafproblemen an der Grenze zur nächst höheren Größe, trug ihre bisherige aber noch mit ausreichend Glaubwürdigkeit). Alles, aber auch wirklich alles habe sie schon probiert, erklärte sie mir und zu diesem allem zählten Schäfchenzählen, Yoga, Joghurt, Peter und Kurt, das Lösen von Sudokus, die Lektüre von Madame Bovary und an Samstagen sogar die Wiederholung des Aktuellen Sportstudios auf 3sat. Nichts half.

Da entsann ich mich eines Rats meiner einstigen Tante, die permanent betete. Sie betete des Morgens und des Abends, geriet dabei in Kurzatmigkeit und ins Schwitzen, und wenn sie mal nicht betete, dann hantierte sie mit Weihwasser, las Biografien stigmatisierter Menschen oder Berichte über Wunder.

Ich fand immer, dass sie schräg genug war, um in unsere Familie zu passen. Erst später fand ich heraus, dass sie keine echte Tante war und nicht zu unserer Familie gehörte, was allerdings auch schon wieder ein Wunder darstellte. Jedenfalls riet diese Tante meiner Oma immer, dass sie bei jedweder Schwierigkeit beten solle. Denn: ,Beten hilft immer!' Dabei empfahl sie das Vaterunser (in der Version des Evangeliums nach Matthäus) in Dauerschleife, nur unterbrochen von einem gelegentlich einzustreuenden Gegrüßet seist du Maria. Dieses Wissen reichte meine Oma wiederum auch an mich weiter und so riet ich meiner schlaflosen Bekannten, dass sie es doch mit dem Gebet versuchen möge.

Ich war auf das Kommende gespannt und schon anderntags sah sie frischer aus, was auch daran gelegen haben mochte, dass sie nur noch einen Augenring trug. „Du, nach dem vierten Vaterunser und dem zweiten Gegrüßet seiest du Maria hat' s mich zerbröselt und ich bin weggeknickt“, erzählte sie mir beim gemeinsamen Kaffee.

Liebes Corona-Tagebuch, beten hilft offenbar wirklich und meiner Bekannten war das eine willkommene Lehre. Dem Andenken meiner Tante, die keine Tante war, gelobte sie, fürderhin zu diesem exquisiten Schlafmittel zu greifen und dabei keine Experimente einzugehen. Weder durch das Zwischenschalten von Schlaftabletten oder – Gott bewahre! - durch eine verunreinigte Version des Vaterunsers aus dem Lukasevangelium. Gute Nacht!“

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