LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Die Wahrheit und ungerade Tage

Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um die Wahrheit, ungerade Tage und das Rasieren. Am Ende steht aber immer ein leckeres Eis, oder so ähnlich.

„Liebes Corona-Tagebuch, Paul ist ein verständiger Mensch und immer gut rasiert. Einer, der bedachtsam Worte findet und darum zumeist keinen Anstoß erregt. An geraden Tagen.

Diplomatisches Geschick in 35 Ehejahren geformt

Es gibt auch andere Tage, aber die sind selten, denn Pauls diplomatisches Geschick ist durch 35 Jahre Ehe geformt worden. Doch an einem ungeraden Tag blickte seine Frau in den Spiegel. Sie blickte aber nicht nur in den Spiegel, sondern in einen Vergrößerungsspiegel und stellte bei dieser Gelegenheit etwas an sich fest, was ihr so noch nie auffiel. Da waren so drei, vier, fünf dünne Härchen, die vielleicht nicht mehr blond und auf halbem Weg zum Schwarz waren. Also braun. Seine Frau erschrak und malte sich sofort aus, wie es künftig mit ihr weitergehen wird. Das Alter klopfte also an, die Vergänglichkeit, das Unentrinnbare, der Verfall, der Niedergang und all das.

Kurz und gut: Sie war bedient. Darum suchte sie Trost und ging zu ihrem Paul. ,Ich werde mich bald rasieren müssen', sagte sie zu ihm.

Chaplin und der Tramp

Und er, er hatte gerade seinen seltenen ungeraden Tag, aber sich immerhin noch so weit im Griff, dass er sich ein ,Hallo Chaplin, na, heute wieder ein Tramp?' verkniff.

Aber was er sagte, war auch nicht viel besser. Er sagte: ,Schatz, wenn du gegen den Strich rasierst, brauchst du dich nur alle drei, vier Tage rasieren. Es ist doch alles halb so schlimm.'

Hand in Hand flanierend

Wie gesagt, liebes Corona-Tagebuch, es war einer jener ungeraden Tage im Leben. Aber gegen Abend sah man ihn und seine Frau wieder miteinander Händchen haltend und flanierend ein Eis essen.“

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