LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Die Wahrheit über Männergespräche

Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um die reine Wahrheit über Männergespräche.

„Liebes Corona-Tagebuch, heute möchte ich dir ein Geheimnis anvertrauen. Wie du sicher schon mitbekommen hast, gibt es auf der Welt hauptsächlich zwei Arten von Menschen: Männer und Frauen. Doch während das Wesen der Frau allerorts besprochen wird, bleibt der Mann das eigentlich unbekannte Wesen.

Schlimmer noch: Wir haben mit Vorurteilen zu kämpfen. Eines davon lautet, dass wir, so wir unter uns sind, nix Besseres zu tun hätten, als Zoten zu reißen und über Frauen zu reden. Das Gegenteil ist der Fall und oft kommen Frauen thematisch überhaupt nicht vor. Aber wir Männer wollen Frauen auch nicht enttäuschen und lassen sie gerne in dem Glauben, dass wir primitiv sind.

Ein Beispiel: Neulich kam Kumpel 1 zu mir in einer dringlichen Angelegenheit zu Meissner Porzellan. Wie wir so über die Bezüge August des Starken zum Porzellan sprachen, da kamen wir auch schnell auf Barockmusik zu sprechen und von dort war es nicht weit bis zum Orgelbau des frühen 18. Jahrhunderts. Es gibt ja so schöne Pfeifen.

Dann läutete Kumpel 2 an der Tür und wir gratulierten ihm zu seiner neuen Frisur, und Kumpel 1 zog einen Vergleich zu Felix Krull. So landeten wir bei Bier und Schnittchen und bei Thomas Mann. Kumpel 2 verstrickte uns in ein anregendes Gespräch darüber, dass ja eigentlich Heinrich Mann der begabtere der beiden Brüder gewesen sei. Im Fernsehen lief nebenbei Fußball und wir bestaunten, wie gepflegt manche Rasen doch sind.

Speiseeis und Gartenarchitektur

Kumpel 1 wurde darauf sehr traurig und äußerte sein Bedauern darüber, dass ein Fürst Pückler nur für Speiseeis statt für seine Verdienste um Gartenarchitektur bekannt ist. Das brachte Kumpel 2 auf diesen Traktor, der zur Grünpflege in Diensten der Stadt steht und aus dem Hause Lamborghini stammt. Lamborghini ist ja auch leider weniger für Traktoren als nur für schnelle und hupende Autos bekannt. Allerdings gibt es auch sehr schöne Hupen.

Dann erfreute uns Kumpel 1 mit dem Apercus, wonach „hupen“ auf finnisch „tööttään“ heißt. Er weiß es darum, weil er mal am Finnischen Meerbusen Urlaub machte, damals, als er noch zu Sibelius forschte. Der Finnische Meerbusen ist wirklich ein sehr schöner. Dann mussten wir miterleben, wie die falsche Mannschaft ein Tor schoss. Wie gerne hätten wir geflucht, doch es wollten uns partout nicht die richtigen Worte einfallen.

Das Fußballspiel im Fernsehen war dann auch bald aus, das Bier war alle, die Häppchen aufgefuttert, und es war ohnehin alles zwischen uns gesagt. Als es an der Tür läutete, war es die Frau von Kumpel 2. Sie stieg die Treppen hoch, trat ins Zimmer und sagte: „Na Jungs, worüber hat ihr die ganze Zeit geredet.“ Wir wussten, was diese Frage zu bedeuten hatte, denn da war ein Mensch, der Bestätigung brauchte.

Den ganzen Mut zusammengenommen

Also nahmen wir unseren ganzen Mut zusammen und gaben der Frau eine Kurzfassung: „Ooch, über nix, nur über Pfeifen, Hupen, Fußball, Busen – das Übliche halt.“ Wir brachten es einfach nicht übers Herz, ihr die ganze Wahrheit zu sagen.

Ach liebes Corona-Tagebuch, es ist schon ein Elend auf dieser Welt.“

 

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