LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Die Sache mit der Schuld

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um die Schuld, auch wenn sie nur eine vermeintliche ist.

„Liebes Tagebuch, im Osten unseres Landkreises lebt ein Leser, der etwas mit sich herumträgt. Er ist schon über 45 und trägt darum auch etwas schwerer. Neulich telefonierten wir miteinander, und er erzählte mir von einem Vorfall in seinem Leben, der ihn bei manchen Menschen in ein schlechtes Licht gerückt hätte. Vielleicht meint der Mann nur, man würde sich in seinem Ort über ihn den Mund zerreißen. Vielleicht weiß er es aber auch. So oder so wäre es schlimm genug. Aber zu allem Überfluss hat sich der Mann ein Wort eingetrichtert, das in seinem Fall unstimmig ist.

Das Wort heißt Schuld und obgleich dieser Leser über reichlich Bildung verfügt (er kennt den eigentlichen Urheber eines mir lieben weithin unbekannten Zitats, das verbindet), hat sein gutes falsches, schlechtes Gewissen nicht mehr die Hürde dieses Wortes nehmen können. So etwas kann passieren, wenn mit einem Wort wie Schuld zu oft hantiert wird.

Mehr Gewicht als Sinn

Dann tritt der Effekt ein, dass ein Begriff mehr Gewicht als Sinn erhält. Doch die eigentliche Tragik besteht darin, dass der Mann sich etwas vorwirft, was im Grunde eine Lappalie war, und er die Augen davor verschließt, dass Schuld vielmehr an eine Absicht gebunden ist, etwas zu tun oder zu unterlassen. Aber der Mann war einst absichtslos gewesen.

Am Telefon hatte ich ganz schön Mühe, ihm seine Gewissensbisse auszureden. Ich glaube, es ist mir nicht gelungen. Weil dieser Leser aber ein Mann der Bücher ist, versuche ich es auf diesem gedruckten Weg. Immerhin heißt es auf dieser Seite ja OT verbindet. Verbindlichsten Gruß also von hier an Sie.

P.S: In der Stadt lebt man zu seiner Unterhaltung. Auf dem Lande zur Unterhaltung der anderen; dies ist äußerst lästig. (Oscar Wilde)“

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