LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Ein Fingerzeig des Schicksals

Markus Häggberg. Foto: red

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um einen Fingerzeig des Schicksal.

„Liebes Corona-Tagebuch, ich hätte ja nicht gedacht, von Peter G. so schnell wieder zu hören. Aber jetzt kann man von ihm sogar etwas sehen beziehungsweise nicht mehr sehen. Und das kam so: In seinem redlichen Bemühen, seinen Beitrag dazu zu leisten, die Familie über die Runden und über den Sonntag zu bringen, bediente er wohl eine Säge, war einen Moment lang nicht aufmerksam und behielt immerhin noch den Großteil seiner Hand bei sich.

Ich dachte ja immer, Fingerschmerzen gingen zu Herzen, aber in seinem Fall schlagen sie wohl noch nicht mal aufs Gemüt. Neulich traf ich ihn und er sprach mich an. Ich darf auch so über ihn schreiben, weil wir gemeinsam die Schulbank drückten. Ich drückte dann noch ein paar Jahre länger als er, aber gedrückt haben wir beide. Wie er so mit Fingerverband vor mir stand, war er bester Laune und erzählte mir davon, dass ihm jetzt das erste Glied seines linken Zeigefingers fehlt. Aber es sei alles geregelt und laut Gliedertaxe und Unfallversicherung dürfte nach Auszahlung einer Summe ein paar Mal Eisessen drin sein. Freilich tauchte jetzt aber die Frage auf, was mit den abgesägten Fingerglied geschehen solle.

Seine Frau (ich sah sie neulich in niegelnagelneuen weißen Schuhen im Supermarkt, ich glaube, sie wusste, dass die Versicherung bezahlen würde) mochte sich nicht so recht damit anfreunden, dass das abgesägte dritte Fingerglied als Schaustück im Regal unweit des Esstisches aufgehoben wurde. Eine Schwiegermutter, entweder die von Peter G. selbst oder die seines Sohnes, ich kann es nicht mehr genau sagen, warb für die Idee, es gemeinsam mit dem jüngst verstorbenen Hamster Sippi (er war voll in die Familie integriert) zu begraben, was aber auf Widerstand bei Peter stieß. Peter ließ sich darum das Gliedchen in Formaldehyd einlegen und verfrachtete es als Schaustück in den Hobby-Keller. Ab jetzt altert von ihnen beiden nur Peter, während sein Fingerglied 48 Jahre alt bleibt. Bis zu der Zeit, zu der Peter G. aus dieser Welt gehen wird.

Dann, so hat er mir erzählt, möchte er mit seinem dritten Fingerglied zusammen beerdigt werden. Sorry, Sippi, aber so schaut' s aus. Liebes Corona-Tagebuch, nicht jeder könnte über den Verlust eines dritten Fingergliedes so herzlich und frei lachen wie Peter G. aus Lichtenfels. Ich glaube, ich habe ein neues Vorbild.“

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