LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Die Nöte eines Hundsmiserablen

M. Häggberg. Foto: Till Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht's um einen Bekannten, der mit der Küche und dem Kochenauf Kriegsfuß steht.

„Liebes Corona-Tagebuch,

Feiertage stellen einen immer ein bisschen vor das Problem, dass sie die Chancen erhöhen, es mit der eigenen Verwandtschaft zu tun bekommen. Das weiß auch der Silvio. Was der Silvio aber auch weiß und mir erzählt hat, ist, dass er selbst ein hundsmiserabler Koch ist. Darüber hinaus ist er auch ein hundsmiserabler Hausmann. Nicht in jedem Raum, aber in der Küche schon. Vor wenigen Tagen hat er mir sehr plausibel erklärt, dass das Selberkochen für ihn aus zwei Gründen nachteilig ist. Zum einen kann er nicht kochen und so schmeckt es auch, und zum anderen besteht der Preis dafür, dass er Essen ohne jeden Pfiff kocht auch noch darin, dass die Küche hinterher aussieht „wie Sau“.

Unterm Strich ist er ein doppelter Verlierer und deshalb freut er sich mitunter auf so Gelegenheiten, die eigene Verwandtschaft unter dem Deckmäntelchen von Traditionen besuchen zu können: Zu Weihnachten, Geburtstagen und Ostern und so. Erfahrungsgemäß fällt für ihn auch immer etwas zu essen ab und regelmäßig wird ihm noch etwas für daheim eingepackt.

Man kennt ihn als Junggesellen und als solcher genießt er an diesen gewissen Tagen ein bisschen die bedauernde Fürsorge der Verwandtschaft. Wäre er in festen Händen, würde er nichts für daheim mitbekommen. Was Silvios Verwandtschaft an diesem Ostern nicht wusste, ist, dass er gerade seit wenigen Tagen wieder eine Freundin hat. Aber das zu erwähnen, hätte die Mitnahmewaren womöglich in Gefahr gebracht. Er wird seine Freundin nach Ostern vorstellen, hat er mir erklärt. Jetzt aber freut er sich erst mal über Bienenstich mit Kieler Sprotten, Klöße mit Schweinsbraten und Blaukraut sowie all die Nachspeisen, derentwegen er die Themen der Verwandtschaft in Kauf nimmt und toleriert.

Liebes Corona-Tagebuch, mit der Verwandtschaft hat offenbar jeder so seine Befindlichkeiten. Und auf meine Nachfrage, wie er den aus der Verwandtschaft kommenden interessierten Fragen nach dem Wann des Kennenlernens begegnen wolle, erklärte er mir, die Formulierung „so um Ostern herum“ nutzen zu wollen. Er persönlich glaube nämlich nicht, dass dann noch jemand genau wissen wollte, ob vor oder nach Ostern.“

 

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