LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Die Natur und das Butterbrot

Markus Häggberg schreibt ein Corona-Tagebuch. Foto: Till Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd sein Corona-Tagebuch. heute geht es um den vernünftigsten Nachmittag seit langem. Selbstverständlich gibt es dazu hartes Brot mit viel Butter.

„Liebes Corona-Tagebuch, man soll sich ja seinen Gefühlen stellen und nicht vor ihnen weglaufen. Mein Gefühl gab mir gestern ein, dass die (ich gebe zu, dass „die“ reichlich ungenau adressiert war) mich alle mal kreuzweise können, dass man doch eh nicht wissen kann, ob man seine Rente erleben wird. Oder ob dann die Höhe der Bezüge nicht das geringste der eigenen Probleme sein wird.

Kurz und gut: Der Mensch lebt nicht vom Geld allein, und es gibt noch mehr als Arbeit und das selbst am helllichten Tag. Doch was tun? Die Cafés haben geschlossen, Opern gibt es keine in Lichtenfels. Unter Theater versteht man hier was anderes, und ansonsten herrscht ja sowieso Corona. Doch ich wollte gehen, Strecke machen, für mich sein, Abstand bekommen, so etwas wie ein Ausbüxen fühlen.

Ich holte mir ein Bier aus dem Kühlschrank, obwohl ich eigentlich kein allzu großer Biertrinker bin. Es ging mir vielmehr darum, mir Brote zu schmieren und dazu eben ein Bier zu haben.

Durch das Köstner Gründla gestreift

Es sollten Butterbrote sein, mit Salz. Ich hatte noch älteres Brot im Haus, jenes, das schon etwas härter geworden war. Das schmierte ich mir, packte es mitsamt dem Bier in einen Rucksack und verschwand.

Wenig später streifte ich durch das Köstner Gründla, streifte entlang eines Bachlaufs, hörte seinem Plätschern zu, betrachtete das Wurzelwerk der Bäume, genoss die Abgeschiedenheit und begann, die Menschen, die hier wohnen, so ein ganz klein bisschen zu beneiden. Vor allem jene, die bei dem Fischweiher wohnen mögen.

Er ist derzeit abgelassen, und auch das ist irgendwie ein Schauspiel. Ich ging so vor mich hin und atmete tief ein. Irgendwann setzte ich mich auf einen Baumstumpf und begann das Brot aus dem Rucksack zu holen.

Ja, es war hart, aber es war mit dick Butter und etwas Salz drauf, und jetzt schmeckte mir sogar das Bier. Inmitten der Natur gewann das Einfache an Reiz und diesen Moment galt es auszukosten.

Die Heimat hat viel zu bieten

Liebes Corona-Tagebuch, die Heimat hat viel zu bieten und vor allem auch Urlaube für Zwischendurch und auf eine gute Stunde. Oder zwei oder drei. Aber das Ausbüxen will auch gelernt sein. Den Rest des Tages konnten ,die' mich immer noch kreuzweise, aber ich hatte nicht das leiseste schlechte Gewissen für das Verbummeln eines ganzen Nachmittags. Es war der vernünftigste Nachmittag seit langem. Sehr zu empfehlen.“

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