LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Die freundliche ältere Dame

Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um ein tiefgreifendes Gespräch.

„Liebes Corona-Tagebuch, neulich geriet ich an einen wirklich lieben und netten Menschen. Wie sich herausstellen sollte, handelte es sich dabei um eine wirklich sehr umfassend gebildete ältere Dame. Sie erzählte mir davon, dass sie als Kind mit einem Flüchtlingszug nach Lichtenfels kam und eine ziemlich freie und wilde Kindheit hatte. Die Kinder heute, so erzählte mir die Dame, kennen solche Kindheiten vor lauter Handy und Internet ja gar nicht mehr. Aber ach, die Dame erzählte mir auch davon, wie sie eigentlich habe studieren wollen und nichts daraus wurde. Psychologie, so sagte sie, hätte sie sehr interessiert. Doch obwohl sie nicht studieren konnte und das Leben andere Wege für sie bereithielt, war sie bezüglich Freud und Adler und Jung ganz schön auf dem Laufenden. ,Ich habe halt immer viel gelesen und manchmal auch gut verständliche Fachmagazine', erklärte sie mir. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie gelang es uns, auf den Ukraine-Krieg sprechen zu kommen. Sehr plausibel legte mir die Dame auseinander, wie Russland und die Ukraine historisch miteinander verwoben seien.

Sehr beschlagen zeigte sie sich auf dem Gebiet der Industrialisierung der Sowjetunion und insbesondere was die Städte Dnipro, Donezk und Charkow angeht. Hier Chemie, dort Kohlebergbau und dort Flugzeuge. Außerdem wurden dort Universitäten gegründet und eine entfernte Cousine habe dort studiert. Die durfte studieren, da hatte das Leben nichts dagegen. Naja, man steckt halt nicht drin. Dann kam das Thema irgendwie auf den Korbmarkt und darauf, dass der ja viele Gäste von außerhalb anzieht. Womit wir bei den romanischen Sprachen landeten und wie sich zeigte, sprach die Dame sehr gut französisch und besaß profunde Einblicke ins Spanische und Italienische. Von da aus war es nur noch ein Katzensprung bis zu den Bleikammern von Venedig.

Wir gingen gedanklich miteinander über die Seufzerbrücke, den Gang, den auch Casanova nahm, um aus den Bleikammern auszubrechen. Wie mir die Dame erzählte, soll er ja der erste Mensch gewesen sein, dem das gelungen ist. Tja, und dann war es schon wieder Zeit, den Plausch zu beenden, denn es war schon etwas spät geworden und sowohl die Dame wie auch ich hatten noch andere Dinge zu tun.

Ich entschuldigte mich tausendmal dafür, dass ich mich bei ihr verwählt hatte, und sie meinte, dass wir insgesamt gesehen doch Glück miteinander hatten, denn heute hätte ihr Hörgerät mal wieder funktioniert. Liebes Corona-Tagebuch, ich habe keine Ahnung, wer die Frau war. Es war eine einmalige Sache zwischen uns.“

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