LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Der Tod und der Sinn des Lebens

Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um den Sinn des Lebens. Um Arbeit, Nippes und den Tod.

„Liebes Corona-Tagebuch, neulich ist er gestorben. Nach einem Leben voller Arbeit. Voller Arbeit. Der alte Mann selbst hat das mit der Arbeit immer betont, und es klang aus seinem Mund wie ein Lebenszweck. Die Mitglieder seiner Familie hielten es eher für Fantasielosigkeit, denn ihr Vater und Opa hatte während seines Lebens nie eine zweite Leidenschaft entwickelt.

Im Grunde war der Mann Kapitalist, vielleicht nicht durch und durch, aber eben vor allem. Seine Frau kaufte Dinge und stellte sie in den Schrank. Sie kaufte viel von dem, was er Nippes nannte, und auch Nippes war. Aber weshalb sie so viel davon kaufte, das brachte sie nie zur Sprache. Und er wagte nicht, es zu ergründen. Er ging lieber in die Werkstatt oder sah nach den Verträgen, nach den Konten, Pfandbriefen und Sicherheiten. Denn er war ein Kriegskind und geboren in unsicheren Zeiten.

Als seine Frau starb, saß er in seinem Haus, das wie ein überfrachtetes Museum eines verpassten Lebens wirkte. Hier Hummelfiguren, dort bestickte Bilderrahmen mit Motiven von Pferden, die man nie gekannt hat, hier eine Legion an Kristallgläsern, aber keine guten Portweine im Haus.

Das Haus, das dem beständig arbeitenden Mann Ankerplatz und Sicherheit bot, war ein Mahnmal für das Verlorengehen im Lebendigen geworden. So arbeitete er auch bis zu seinem Tod mit 83 Jahren noch weiter, sich seinen Tag mit Sinn füllend, weil ihm noch vor dem Leben die Arbeit das Leben bedeutete. Irgendwie, so hieß es, krankte er wohl am Leben. Aber er war kein schlechter Mensch und gewiss nicht so eindimensional wie beschrieben.

Der Tod heilt jede Krankheit, heißt es unter Ärzten. Doch denke ich an ihn, dann höre ich leise, ganz leise, liebes Corona-Tagebuch, einen weit entfernten Chor singen: .Wer ewig strebend sich verglüht, den können wir erlösen.'“

 

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