LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Der Milchreis ist an allem Schuld

Markus Häggberg. Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um Milchreis – und warum er echt gefährlich ist.

„Liebes Corona-Tagebuch, alles hätte so schön sein können, wenn der verdammte Milchreis nicht gewesen wäre. Mit dem Milchreis fing ja überhaupt erst alles an. Obwohl, so ganz stimmt das auch nicht, denn es begann im Grunde schon am Vortag. Eigentlich wollte Steffi nämlich mit ihrem Süßen einen Ausflug machen. Nach vielen Wochen Arbeit ohne freien Tag einfach mal einen Tag lang wegbleiben von Telefon und E-Mail und Arbeit.

Sie ist selbstständig und arbeitet auch am Wochenende. Da wird es irgendwann mal nötig, einen Tag für sich einzulegen. Man kam überein, sich Nürnberg anschauen zu wollen, den dortigen berühmten Saal 600 des Justizpalastes, das Bahnmuseum, und dann wollte man bummeln, frei und lachend und mal hierhin und mal dorthin.

Shopping? Logisch! Aber Steffis Süßer wurde krank, in der Nacht kam die Erkältung zu ihm und so wurde nix draus. Dafür kann keiner was, also überlegte man sich einen Plan B. Der bestand darin, gemeinsam einen Tag ohne Telefon und E-Mails und Arbeit im Bett und im Schlafanzug zu verbringen, sich Griesbrei zu kochen (mit Sauerkirschen) und Comics zu lesen.

Es gibt noch jede Menge Asterix', Duftkerzen und ein paar ungelesene Bücher im Haus. Asterix und Bücher passen gut zu Griesbrei – und dazu passt wiederum abwechselnd ein guter Tee und ein Glas Rotwein. Wenn schon nicht Nürnberg, dann eben Kuschligkeit. Aber es war kein Griesbrei im Haus und so holte Steffi welchen aus dem Laden.

Von wegen Griesbrei

Daheim bemerkte sie, dass es gar kein Griesbrei war, sondern Milchreis. Die Packungen waren einander so ähnlich, dass sie diesem Missgriff tat. Also noch mal los in den Laden und nun Griesbrei gekauft. Bald darauf traf sie an der Kasse Jochen, der da mal eine Frage hatte. Jochen hat es nicht so mit Formularen und amtlichen Schreiben, und jetzt stapelt sich bei ihm daheim die Post.

Weil Jochen ihr auch mal einen Gefallen getan hatte, ließ sich Steffi darauf ein, und es sollte ja alles nur ganz fix gehen. Ein paar Kreuze hier und da, dann Jochens Unterschrift und schon wäre der behördliche Antrag ausgefüllt. Bei Jochen merkte Steffi aber, dass der Antrag doch recht knifflig und von Amtsdeutsch durchdrungen ist. Da gab es Begriffe, die wollten erst mal verstanden sein. Das kostete Zeit, aber schon nach zwei Stunden war es geschafft und so lud Jochen Steffi auf ein Samstagmittagfeierabendbier ein.

So eines hat er immer im Kühlschrank und weil Steffi ihm das nicht ausschlagen konnte, trank sie eines mit. Aus dem einen Bier wurde ein zweites und nun konnte sie aber nicht mehr Auto fahren. Also galt es jetzt, etwas Zeit abzuwarten. Wie gut, dass jetzt schon die Bundesliga-Vorberichterstattung (Fußball) auf dem Privatsender lief. Jochen mag Fußball wahnsinnig gerne, aber Steffi mag Fußball nicht so. Deswegen wartete sie nicht bis zum Anstoß um 15.30 Uhr ab, sondern ging schon eine Stunde früher. Sie kam gerade rechtzeitig heim, um an der Tür ihrer Mutter zu begegnen, die darum bat, dass man ihr beim Grabschmuck einer Tante behilflich sei.

Endlich wieder zur Arbeit zurück

Als Steffi auch damit fertig war, freute sie sich darauf, am nächsten Tag wieder ganz normal ihrer Arbeit nachgehen zu können, und nur noch berufliche E-Mails und Telefonate führen zu brauchen.

Liebes Corona-Tagebuch, ich frage mich die ganze Zeit schon, welche Moral dieser Eintrag haben soll. Was lernt ein Mensch nur aus alledem? Steffi konnte mir auch nur sagen, dass sie Milchreis eigentlich nie besonders mochte. Nun aber misstraut sie ihm sogar und wird sich vor näherem Kontakt hüten.“

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