LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Der Kumpel, ein messerscharfer Analyst

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um ein Gespräch bei Bier und Martini.

„Liebes Corona-Tagebuch, nach langer Zeit saßen Thomas und ich mal wieder abendlich bei Bier und Martini auf seiner Treppe. Er Bier und ich Martini, damit man uns auseinanderhalten konnte. Das haben wir früher öfter mal gemacht, aber dann schlief es ein.

Der Grund war: Er hatte eine Freundin, ich hatte eine Freundin und die Freundinnen mochten einander nicht. Tja, so werden Keile zwischen Männerfreundschaften getrieben. Jetzt, weil das Leben durch Corona so entschleunigt ist, fanden wir aber wieder auf seiner Treppe zueinander. Denn er hat seine Freundin nicht mehr, ich habe meine Freundin nicht mehr – der Weg war frei. Es war schön zu erfahren, dass Thomas auch ein Buch geschrieben hat, wenngleich sein Pseudonym eher auf einen ghanaischen Stürmerstar als auf einen Schriftsteller schließen lassen könnte. In seinem Buch dreht sich vieles um Menschliches und Allzumenschliches, vor allem aber um Beziehungen, und was sie fördert oder behindert. Aber immer vor dem Hintergrund des Tragikomischen. Wenn Thomas über solche Dinge spricht, dann klingt das immer sehr klug und mit dem Ansatz zum Heilsamen. An ihm ist wirklich ein Therapeut verloren gegangen, und ich glaube, er liest auch sehr viel psychologisches Zeug.

Tatsächlich wirkt er auf mich immer wie ein messerscharfer Analyst, und es ist erstaunlich, wie schnell er zum Kern einer Herzensangelegenheit kommt. Besonders gut kann er einem Schuldgefühle ausreden, selbst wenn sie berechtigt sind. Als er mit meinen fertig war, die ich wegen meiner letzten Freundin habe, begann ich damit, auch Interesse an seinem Privatleben zu heucheln und so fragte ich ihn, ob er denn derzeit eine Freundin habe.

,Das weiß ich nicht', so seine etwas kryptisch wirkende Antwort. Okay, zugegeben, vielleicht wird Thomas in Herzensangelegenheiten und Psychologie auch etwas überschätzt, und ich kann mich eigentlich nicht daran erinnern, dass es eine Frau jemals einfach mit ihm hatte. Darum wechselte ich das Thema, und wir sprachen über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens – Fußball und Rockmusik. Liebes Corona-Tagebuch, die Zeiten mögen ja hart sein, aber man findet endlich mal wieder Zeit für gute Gespräche.“

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