LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Der Kaffeedurst und die Folgen

Markus Häggberg Foto: Red

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute ist es ein selbstkritischer Beitrag über seine technischen und mentalen Fähigkeiten. Außerdem geht es um Durst:

„Liebes Corona-Tagebuch,

wenn man sowohl technisch unbegabt als auch sonst nicht der hellste ist, dann könnte es sich dabei um mich handeln. Keine Ahnung, ob dieser Satz grammatikalisch so gänzlich stimmig ist, inhaltlich dürfte er hinhauen.

Also das war so: Es war 14 Uhr und plötzlich war er da, der Kaffeedurst. Plötzlich war aber auch der Kumpel da und bei ihm weiß man ja nie, wann er unangemeldet an der Haustür klingelt. Da also nun der Durst und der Kumpel da waren, fiel die Entscheidung dafür, die Bude zu verlassen und ein Päuschen einzulegen, ziemlich leicht. Man könnte fast sagen, dass ich ein leicht abzulenkender Faulenzer bin, aber wie mir mein Kumpel erklärte, handelte es sich lediglich um eine Kreativpause zur Sammlung meiner Gedanken.

Jedenfalls saßen er und ich bald an diesem Ort, wo ein französischer Radiosender zu heißer Schokolade Serge Gainsbourgs Lieder durch den Lautsprecher schickt. Das Interessante an Gainsbourg ist ja, dass man bei ihm nie weiß, ob seine Lieder nicht doch Chansons sind, immerhin sind sie ziemlich oft von Edith Piaf so weit entfernt, wie Pu der Bär von Lummerland. Aber ich schweife ab.

Jedenfalls saßen wir so da und unterhielten uns über Gott, die Welt und darüber, dass Prostatauntersuchungen wohl auch nicht besser sind als Darmspiegelungen. Man könnte fast sagen, wir waren sortiert und gedanklich im Fokus. Als wir durch die Scheibe nach draußen blickten, sahen wir diese Regenfront auf die Stadt zukommen. Hui, das waren vielleicht dunkle Wolken, da reichte das Wort „grau“ schon nicht mehr aus.

Ich nippte an meiner heißen Schokolade und überschlug gedanklich, ob ich die Sitzkissen und Polsterauflagen vom Balkon in die Wohnung schaffen sollte und wie schnell ich spurten müsste, um meine Wohnung vor dem gleich beginnenden Guss zu erreichen. Aber dann kam ich mit mir überein, dass der Aufwand nicht lohne, weil in der Zwischenzeit meine heiße Schokolade kalt würde und Sitzkissen und Polsterauflagen ja auch schnell wieder trocken werden, wenn man ihnen die Feuchtigkeit erst mit dem Nudelholz ausrollt und sie dann (bei leichter Hitze) in den Backofen schiebt.

Nach dieser Überlegung war mir wohler und ich widmete mich ganz der heißen Schokolade und den Lebenstheorien meines Kumpels. Der Regen prasselte an die Scheibe, der Tag verdunkelte sich und draußen ging die Welt unter.

Als ich wieder nach Hause kam, stellte ich fest, dass es den Polstern und Sitzkissen einigermaßen gut ging. Nur mein Laptop, den ich auf ihnen vergessen hatte, machte mir Sorgen. Er war wie in Wasser eingelegt und an Arbeit war an diesem Tag nicht mehr zu denken. Gerne würde ich davon berichten, dass er es überlebt hat und er machte zunächst ja auch Anstalten, wider aller Umstände doch noch zu funktionieren. Aber ich glaube, das Nudelholz und der Backofen gaben ihm den Rest.“

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