LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Der gefragte Fälscher

Markus Häggberg ein Corona-Tagebuch. Foto: Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um Rummenigge und einen gekonnten Fälscher.

„Liebes Corona-Tagebuch, ich hatte mal einen Klassenkameraden namens Andreas, den ich gar nicht so toll fand. Was ich an ihm aber toll fand, war seine Schreibfertigkeit.

Kleiner, aber florierender Handel

Er konnte wie kein anderer Unterschriften von Karl-Heinz Rummenigge fälschen und betrieb damit einen zwar kleinen, aber florierenden Handel auf dem Schulhof und im Schulgang hinten rechts bei den Kleiderhaken.

Karl-Heinz Rummenigge war damals mein Idol und ich fand ihn großartig, weil er der beste Stürmer der Welt war. Damals gab es ja mit der Bravo oder dem Kicker schon bedeutende Magazine, die die wirklich wichtigen Dinge des Lebens thematisierten und unter anderem eben auch Autogrammkarten von Rummenigge enthielten, mit dessen aufgedruckter Signatur.

Um ihr etwas mehr Authentizität zu verleihen, ließen wir unseren Klassenkameraden noch mal „drübersignieren“ und hielten bald eine Illusion in Händen, die einen über den Tag brachte. Oder zumindest durch die Geographiestunde, die unser Lehrer immer auf seinem Schreibtisch sitzend (!) abhielt.

Weil er noch in der Zweiten Handball-Bundesliga spielte, war er kein besonders engagierter Lehrer und ließ uns den Stoff hauptsächlich abschreiben.

Die Sisalplantage in Tansania

Von „Sisalplantage in Tansania“ bis zu „Hackbauern im tropischen Regenwald“ konkurrierten wir Jungs unter unseren Pulten darin miteinander, wer Rummenigges Unterschrift am besten fälschen konnte. Aber es lief doch immer wieder auf Andreas hinaus. Und jetzt sitze ich hier, halte dieses Autogramm aus längst vergangenen Tagen in Händen, weil ich es aus einer Kiste gekramt habe.

Ich hätte nicht in ihr gekramt, wenn ich nicht ein neues Regal gekauft hätte, um dort hinein endlich mal all die wichtigen Unterlagen zwischen Krankenversicherung, Kontoauszügen und Hausratversicherung zu stellen.

Andreas lebt nicht mehr und Karl-Heinz Rummenigge ist nicht mehr mein Idol. Aber die Autogrammkarte es ist eine schöne Erinnerung an eine schöne Zeit, und ich werde sie vielleicht in das Regal mit den wirklich wichtigen Unterlagen stellen.

Ich glaube, sie ist mir lieber geworden als jede echte Autogrammkarte.“

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