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Corona-Tagebuch: Der ganz alltägliche Wahnsinn und Punkt 5

Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um den ganz alltäglichen Wahnsinn.

„Liebes Corona-Tagebuch, eigentlich dachte ich immer, der Fortschritt diene dazu, die Dinge weniger kompliziert werden zu lassen. Aber seit vorhin bin ich mir da nicht mehr so sicher. Es begann mit dem Ablesen des Stromzählers und damit, dass ich noch eine Frage hatte. Also rief ich bei dem Stromanbieter an und stieß auf eine Frauenstimme, bei der selbst ich gleich begriff, dass sie eine Computerstimme war.

Aber wie echte Frauen, so ließ auch die mich nicht ausreden, und so hatte ich abzuwarten, bis sie alle vier Punkte aufgezählt hatte, für die sie zuständig ist. Mein Punkt war allerdings Punkt Nummer 5. Sie hatte also keine Zuständigkeit, und deshalb rief ich unter anderer Nummer bei dem Stromanbieter an.

Dort nahm mich eine Computerstimme in Empfang, und auch sie war weiblich. Ich kam wieder nicht zu Wort. Als ich dann doch zu Wort kam, beschied mir die Stimme, dass sie mich nicht verstanden habe und ich mein Anliegen wiederholen solle. Als mir das gelang, brach das Internet zusammen und mein Router zeigte mir an, dass die Verbindung wieder aufgebaut würde.

Als die Verbindung stand, war die Leitung des Stromanbieters besetzt, und so nutzte ich die Zeit, ein paar berufliche Recherchen anzustellen. Ich bin da in einem Projekt drin, welches sich um die Erforschung eines Reformpädagogen bemüht, und darum hatte ich ein Schrifttum dieses Menschen zu besorgen. Die Schrift heißt „Die Bedeutung der Jugendliteratur für den erziehenden Unterricht“. Und da ja oft die Rede davon ist, dass man auf gewissen Einkaufs-Webseiten zu solcherlei Dingen schnell fündig wird, gab ich den Titel und den Autoren ein.

Ich war richtig gut darin, denn ich berücksichtigte sogar die Rubrik, in welcher die Suchmaschine des Computers zu kramen hatte. Prompt erhielt ich zu dem eingegebenen Buchtitel seitenweise Vorschläge. Hier meine Lieblingsvorschläge. Platz 7: Rohrreinigungsmaschine Ranzix (400 Watt). Platz 6: Handelsgesetzbuch mit Seehandelsrecht. Platz 5: Eine Leseliste zum Freirubbeln – 99 Bücher, die man gelesen haben muss. Platz 4: Bücherregal Vicco. Platz 3: Das schamanische Seelen-Orakel (Spielkarten). Platz 2: ein Babysocken-Befestiger (nur 6,95 Euro und versandkostenfrei). Platz 1: eine Endoskopkamera.

Zwar konnte ich mit nichts etwas anfangen, aber dafür war die Leitung zum Stromanbieter nun endlich frei und ich wählte die Nummer neuerlich an. Wie ich von der Computerstimme zu hören bekam, rief ich nun außerhalb der Geschäftszeiten an und möge es doch morgen erneut versuchen.

Liebes Corona-Tagebuch, auch morgen wird der Punkt, der mir wichtig ist und an dem so viel hängt, der Punkt Nummer 5 sein.“

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