LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Den Abschied etwas leichter gemacht

Markus Häggberg. Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Dieser Tage stammen seine Zeilen aus Polen. Doch jetzt heißt es, Abschied zu nehmen...

„Liebes Corona-Tagebuch, noch einmal aufwachen und dann geht es heim nach Lichtenfels. Noch aber gilt es etwas zu tun, noch ist nicht aller Morgen Frühe. Mein Onkel kocht heute nämlich und ich werde es essen dürfen.

Das mit dem Kochen ist in unserer Familie so eine Sache - ich selbst kann nicht kochen und die Männer, die in meiner Familie kochen konnten, sind entweder tot oder verstorben. Der Rest bringt es fertig, undefinierbaren Pframpf mittels Hebelwirkung aus Pfannen zu brechen.

Mein Onkel, der ein nicht sehr gläubiger Mensch ist, scheint kurioserweise außerdem mit übernatürlichen Mächten im Bunde. Vor ein paar Tagen nämlich gelang es ihm, in einer Pfanne Kartoffeln zu erhitzen, wobei die zu ihnen in Nachbarschaft liegenden Bohnen eisekalt blieben. Das Ganze nannte er dann „Middach“ und garnierte es noch mit zwei kalten, aber biegsamen Steaks in Schuhgröße 41 und 42. Wobei 42 dummerweise auf meinem Teller landete.

Wäre mein Onkel ein spiritueller Mensch, wäre ihm mein wundersames Überleben aufgefallen. Aber ich will nicht unken, denn auch ich geriet in meiner eigenen Küche mal in einen Schaffensrausch. Der Not wird ja nachgesagt, dass sie erfinderisch mache, und ich fand in meiner Not (die Läden waren zu) Fisch, Klöße und Spinat auf ein und demselben Teller für vertretbar. Farblich der Knaller, aber geschmacklich comme ci, comme ça.

Liebes Corona-Tagebuch, alle Cousinen, Großcousinen, Tanten und sonstige Frauen sind gerade nicht im Haus und mein Onkel wird uns servieren, was von gestern übrig blieb. Es wird Wurst mit Fleisch in Speck geben und dann schlägt er gewiss noch ein Ei drüber. Ich beginne mich auf mein Lichtenfels zu freuen.

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