LICHTENFELS

Corona–Tagebuch: Das Wohnzimmer als Muckibude

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Dieses Mal geht es um Fitness zu Zeiten der Pandemie. Und um das Wohnzimmer.

„Mit Corona ist das so eine Sache. Bevor Corona da war, wünschte sich mancher, er könnte mal daheim bleiben und müsste für eine Weile nicht zur Arbeit. So geschah es für diesen oder jenen. Zu manchen gehörte auch Horst.

Wer ist eigentlich Horst?

Ich nenne den Mann Horst, damit der Leser keinen Rückschluss auf seine wahre Identität schließen kann, schließlich gibt es ja so etwas wie Informantenschutz. In Wirklichkeit heißt Horst nämlich Roland.

Nun aber, seit wenigen Tagen, muss Horst wieder zur Arbeit gehen, und somit freute er sich jetzt besonders auf das Nachhausekommen. Dummerweise aber sollte es vor wenigen Tagen zu einer Familienkonferenz kommen, die zum Thema Sport in Corona-Zeiten von Ehefrau und Tochter anberaumt wurde.

Da die Fitness-Studios ziemlich geschlossen haben und auch in Sportvereinen wenig Betrieb herrscht, kamen Frau und Tochter zu dem Schluss, dass man auch im heimischen Wohnzimmer konsequent fit werden könne. Weil Horst auf Arbeit war, wurde er zu dieser Frage in Abwesenheit überstimmt, beziehungsweise von der Abstimmung gar nicht erst in Kenntnis gesetzt. Nun steht ihm allabendlich neudeutsch ein ,Workout' bevor und hinterher isst man gemeinsam Salat, enthält sich des Alkohols und hält Diät.

Platz für das Workout schaffen

Um im Wohnzimmer Platz für das erste Workout zu schaffen, musste Horst die Couch, den Tisch, zwei kleine Schränkchen, eine Truhe und sämtliche Stühle auf den Balkon verbringen, damit Platz für Dehnübungen, Kniebeugen und Liegestütze ist. Aber es blieb nicht bei Dehnübungen, Kniebeugen und Liegestützen, denn es kamen noch Rumpfbeugen, Sit-ups und Klimmzügen am Türrahmen dazu. Und das alles in zwei Durchgängen.

Der Horst wird immer überstimmt

Dann musste das Wohnzimmer wieder hergerichtet werde, und Horst hatte die Stühle, den Tisch, die kleinen Schränkchen, die Truhe und sämtliche Stühle vom Balkon zu holen und zurückzustellen.

Im Anschluss beschloss man mit 2:1 Stimmen, dies fürderhin so beizubehalten. Horst geht jetzt wieder gerne auf die Arbeit. Aber er kommt nicht mehr so gerne heim.“

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