LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Das Lächeln und die Vergesslichkeit

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um ein schönes und eine erleuchtendes Erlebnis in der Metzgerei.

„Liebes Corona-Tagebuch, neulich stand ich so beim Metzger und wartete darauf, bedient zu werden. Manchmal zieht sich die Zeit etwas und man kommt nicht sofort dran. In solchen Fällen empfiehlt sich eine Stepptanzeinlage oder alternativ auch das Belauschen fremder Gespräche.

Wie ich feststellen durfte, gehen Ehepaare jetzt mitunter schon gemeinsam in die Metzgereien, was früher anders war. Früher war es so, dass die Ehefrau an der Theke stand und ihr Mann draußen vor dem Laden entweder noch eine rauchte oder angeleint war. Nun aber stand vor mir ein wartendes Ehepaar, nicht mehr ganz jung, sondern mehr so passend zum Ort gut abgehangen.

Sie sagte zu ihrem Mann: ,Vielen Dank, dass du gestern die Küche aufgeräumt hast, hat mich sehr gefreut.' Er antwortete: ,Ich war das?' Darauf sie wieder: ,Wie, du warst das gar nicht? War ich es vielleicht doch selber?' Dann lächelten die Eheleute und statt sich im Klein-Klein der Frage nach dem Urheber der sauberen Küche zu verlieren, nahmen sie die saubere Küche lieber als unergründliches Geschenk hin und lächelten selig.

Liebes Corona-Tagebuch, wenig später umfing auch mich der Zauber der Vergesslichkeit, denn als ich endlich an der Reihe war und mit der Frage ,Was darf's denn sein?', konfrontiert wurde, da hatte ich absolut keine Ahnung mehr, was ich eigentlich einkaufen wollte. Ich glaube, so ein Einkaufszettel ist ne prima Sache.“