Corona-Tagebuch: Das große Schnattern

LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Das große Schnattern

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um ein eigenartiges Rechtsverständnis.

„Liebes Corona-Tagebuch, der Mann kam nicht. Er kam einfach nicht. Er fand sogar, dass er doch einen wirklich guten Grund hatte, nicht zu kommen. So ist es an Gerichten seit geraumen Zeiten dann und wann: Menschen kommen nicht, weil sie der Ansicht sind, dass sie selbst zu entscheiden hätten, ob ihre Zeugenaussage wichtig ist oder nicht.

Und bitteschön, wer ist denn schon dieser Staat oder dieses Rechtssystem, da kämen wir ja sonst wohin, wenn wir auf solche Dinge Rücksicht nehmen und Folge leisten müssten. Der Staat tut ja gerade so, als stünde er über einem, also wirklich - dz, dz, dz.

Liebes Corona-Tagebuch, der wichtige Zeuge kam nicht, weil er arbeiten musste. Nicht weil er krank oder auf Weltreise war, sondern weil er lieber arbeiten ging. Er hat ja vermutlich auch ein Haus zu bezahlen. Und die neue Auspuffanlage seines Autos, vielleicht auch eine neue X-Box oder einen HD-Fernseher, Dinge, von denen so ein Gericht und Rechtsstaat ja keine Ahnung hat. Und außerdem ist der gezahlte Verdienstausfall wohl geringer als sein Lohn.

Liebes Corona-Tagebuch, manchmal beschleicht mich die leise Ahnung, wonach so eine Gesellschaft nicht nur wegen Corona an Corona scheitern könnte.“