LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Das Diabolische und Kinderlieder

Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um den Hang zum Diabolischen und Kinderlieder.

„Liebes Corona-Tagebuch, es gibt Menschen, die einen Hang zum Diabolischen haben. Böse Menschen, die ihr perfides Handwerk verstehen. Sie wissen, wie man quält und Menschen zerrüttet. Und es ist ein Irrglaube, dass sie nur im KGB, in Nordkorea oder sonstwo vorkommen. Na-ha-hein! Sie sind mitten unter uns und manchmal rufen sie einen sogar an. So wie der Kerl, der mir alle paar Tage durch den Hörer ins Haus fällt. Der Mann hat zwei Gesichter und kann nett sein. Er kann aber auch anders. Ein Gespräch läuft dann meistens so ab, dass er sich nach meinem Befinden erkundigt, nur um mir von seinem zu erzählen. Sei' s drum. Aber neulich ging er zu weit, da raubt er mir nicht nur die Zeit, sondern zerrüttete auch mein Nervenkostüm. Er brachte es fertig, dass mein Abend nebst Folgetag nachhaltig beschädigt wurde. Und das kam daher, dass er mir mitten unterm Telefonat ein Kinderlied in die Muschel flötete.

Surrealismus und Kinderlieder

Seitdem tanze ich die Melodie und sage in unbeobachteten Momenten den Text auf. Er geht so: ,A ram tam-tam, a ram tam-tam, gulli gulli gulli ram tam-tam, a ram tam-tam, Arabia, Arabia, gulli gulli gulli ram tam-tam.' Soll noch mal wer sagen, Surrealismus und Kinderlieder passen nicht zusammen.

Wenn ich es recht verstanden habe, hat meinem Anrufer eine Pflegekraft dieses Lied ans Bett gebracht, und die wiederum hat es von ihrer Tochter, weil diese im Kindergarten gerade die Welt der diabolischen Musik erkundet. Im Grunde habe ich nichts gegen bestrickende, betörende Melodien und gegen all das diabolisch-hypnotisch wirkende Zeug zwischen Dur und Moll. Nichts anderes ist die Ouvertüre zu Richard Wagners ,Lohengrin' und nichts anderes ist der Rhythmus zu ,Sympathy for the devil' von den Rolling Stones. Doch während Mick Jagger für diesen Song eigens Bulgakows Klassiker ,Der Meister und Margarita' gelesen hat, ist mir nicht geheuer, was der Gulli-gulli-ram-tam-tam-Mann gelesen haben dürfte.

Aber die Wirkung auf mich ist verheerend, und dass dieses Lied diese Wirkung entfalten würde, das wusste mein Anrufer sehr wohl. Seit Tagen, so sagte er, spukt ihm dieses beknackte Lied im Kopf herum, und er wird es nur los, wenn er es mit jemandem teilen kann.

Und jetzt, liebes Corona-Tagebuch, muss ich es teilen. Mit dir und allen Lesern da draußen. A ram tam-tam, a ram tam-tam, gulli, gulli, gulli ram tam-tam, Arabia, Arabia, gulli, gulli, gulli, ram tam-tam.“

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