LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Da hätte selbst Kafka gestaunt

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um den Wahnsinn des Lebens. Zumindest einen Teil davon.

„Liebes Tagebuch, es gibt Tage, da scheint es unsinnig, dich zu irgendwas in Kenntnis zu setzen. Weder kannst du einem helfen, noch weiß man sich selbst einen Rat. Stattdessen kommt man sich vor, als ob man angeschickt durch eine Geschichte von Franz Kafka latscht.

Ich schreibe das deshalb, weil es die Gegenposition zu dem ist, was ein guter Freund von mir immer predigt. Der meint nämlich, alles hänge mit allem zusammen, alles ergebe einen Sinn oder folge einem Plan. Nehmen wir nur mal den vergangenen Mittwoch. Ich erfuhr davon, dass Nürnberg ein Volksfest feiert, aufgeteilt auf drei Standorte in der Altstadt. Tatsächlich war dem so. Und da fragt man sich, warum sich große Städte herausnehmen, was sich kleine Städte wie Lichtenfels versagen. Aber in Kafkas Geschichten kann man sich auch nicht immer alles erklären, warum soll es im wirklichen Leben anders sein.

Bei der Marine im Mittelgebirge

Ich hakte das also ab und freute mich auf die für den Nachmittag anberaumte Begegnung mit einem Bekannten. Und der verblüffte mich damit, dass er seine Militärzeit bei der Marine verbrachte. In Ebern. Wohlgemerkt, Ebern ist nicht direkt Küste und liegt auf 240 Metern Höhe und gleich bei uns um die Ecke. Ein Ort auf halbem Weg zum Mittelgebirge, und das Gelände dort taugt nur bedingt für U-Boote und Korvetten.

Aber mein Bekannter marschierte in Marinefummel mit, weil er irgendwie fürs Funkgerät zuständig war. Bei unserem Treffen bat ich ihn um bildlichen Beleg, und den konnte er tatsächlich liefern. Ebenso eine obskure Sonderregelung für seinen ziemlich marinierten Fall. Doch damit nicht genug. Denn als wir uns trennten, blieb ich mir selbst überlassen und steuerte ein Lokal an.

Genauer gesagt: die dortige Theke. Dort lief auch alles ganz gut, das Bier kam aus dem Hahn und Tom Waits aus dem Lautsprecher. Doch dann begann der Typ neben mir zu quatschen, und so kamen wir auf Frauen zu sprechen. Er sprach von seiner Freundin und ich von meiner Ex (die Brünette). Als wir das Pflichtprogramm abgehakt hatten, wurde es intimer, und wir sprachen über Berufliches.

Der Beifahrer ohne Führerschein

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hat er zwar keinen Führerschein, ist aber Beifahrer für eine Spedition. Das aber nicht immer, sondern nur dann, wenn Blumen spendiert werden müssen. „Ich mag halt Blumen“, sagte der Typ. Und ich mag Tom Waits. Und während man die Sache mit Corona ja noch so einigermaßen versteht, bleibt das Leben dahinter selbst im Suff noch verschlüsselt.“

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