LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Brief einer älteren Dame

Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um einen Brief einen älteren Dame.

„Liebes Corona-Tagebuch, eine ältere Dame hat mir geschrieben und sie schrieb weitgehend höflich und in Sorge. Ich nehme ihr Schreiben ernst, denn wann macht sich schon mal jemand die Mühe und kommt auf einen persönlich zu. Die Dame ist nicht einverstanden mit all den Bestimmungen, die es seitens des Staates zu Corona so gibt, und ihre Sorge gehört vor allem auch den Kindern. Die nämlich, so sagt sie, gehörten auf den Spielplatz und nicht aus elterlicher Corona-Angst vor den Fernseher gesetzt und ruhiggestellt. Sie selbst, so die Dame, sei im Zweiten Weltkrieg aufgewachsen und habe Angst vor Bomben gehabt. Doch selbst damals habe es ,keine so unsinnigen Beschränkungen wie in den letzten zwei Jahren der sogenannten Pandemie gegeben' und darüber sollte ich mal schreiben. Werte Dame, ich kann Ihre Sicht der Dinge gut verstehen, und auch ich finde, dass Kinder auf Spielplätze gehören. Unbedingt sogar. Auch habe ich schon seit vielen, vielen Jahren kein Kind mehr auf einen Baum klettern sehen. Aber mir fällt auch auf, dass viele Eltern ihren Kindern Spielekonsolen und Smartphones kaufen, und dass Kinder auch dadurch und mehr und mehr und auch lange vor Corona ruhiggestellt oder dem Spielplatz abspenstig gemacht wurden. Früher, so sagte ein Kabarettist, musste man die Kinder vom Spielplatz heimprügeln, heute müsste man sie zum Spielplatz hinprügeln.

Liebes Corona-Tagebuch, ich kann der Dame nicht den Gefallen tun und so etwas aufgreifen, wie dass es zu ihrer Zeit keine solch unsinnigen Bestimmungen gegeben hätte. Aus einem ganz einfachen Grund: Ich war zu ihrer Zeit nicht dabei. Auch bin ich weder Arzt noch Virologe. Aber ich kenne ein zehnjähriges Mädchen, das wegen Corona seit ein paar Monaten keinen Geruchs- und Geschmackssinn mehr hat. Dem Mädchen schmecken noch nicht mal die Spaghetti-Bolognese, selbst dann nicht, wenn diese „von der besten Mama der Welt“ gekocht werden.

Und ich kenne einen lieben Kollegen, den es so gebeutelt hat, wie eine Grippe niemanden beutelt. Liebes Corona-Tagebuch, die ältere Dame wird dich vermutlich lesen, und sie soll verstehen, dass ich ihren Brief gelesen habe und ihre Sorgen teile.

Vielleicht in einem anderen Umfang und von einer anderen Perspektive aus, letztlich aber auch. Vor allem aber möchte ich ihr sagen, dass sich meine eigene Ratlosigkeit zu vielen Dingen auf dieser Welt bei ihrer Ratlosigkeit in guter Gesellschaft fühlt. Möge sie noch lange gesund und kritisch bleiben.“

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