LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Bodenloser Käsekuchen

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um einen Käsekuchen und eine schwindende Feierlaune.

„Liebes Corona-Tagebuch, niemals hätte ich für möglich gehalten, dass eine Feierstimmung durch Käsekuchen so getrübt werden kann. Wie es dazu kam? Man kennt das ja, da passt man mal kurz nicht auf und – schwupps! - laden einen die Menschen zu sich und einer Feier ein. Man geht natürlich hin, weil es ja schließlich höflich ist.

Und weil es was zum Essen gibt. Über das Essen wird bei solchen Gelegenheiten überhaupt viel gesprochen, und plötzlich stand da dieser Käsekuchen auf dem Tisch. Ein schöner Käsekuchen mit einer ganz tollen Farbe.

Ein Detail, das wichtig ist

Optisch war er wirklich okay. Aber es gab da ein Detail, das mir etwas aufstieß. Der Käsekuchen war nämlich insofern gewöhnlich, als dass er einen Teigboden hatte. Käsekuchen mit Boden sind nicht mein Fall. So begann ich davon zu schwärmen, dass meine Oma es doch tatsächlich hinkriegte, einen Käsekuchen ohne Boden zu backen. Er war quarkig und saftig und gleichzeitig fest, und er schmeckte fabelhaft.

Eine Anwesende wiederum, eine im Psychologischen und Therapeutischen beheimatete Frau, fragte mich, ob da kein Zweifel bestünde, und meine Oma nicht vielleicht doch einen Teigboden im Käsekuchen hatte. Dann kam die Theorie auf, dass meine Oma den Boden – nur um mir einen Gefallen zu tun – vom Kuchen abgeschabt haben könnte.

Ich entgegnete, dass ich als Kind live dabei war, wie der Kuchen ohne Boden aus dem Ofen kam. Die Psychofreundin hielt es für möglich, dass mir meine Erinnerung einen Streich spielt.

Schönen all die Jahre die Erinnerung?

Es liegen ja nun doch schon 30, 40 Jahre zwischen dem Kuchen und dem Heute, da idealisiere man schon mal. So langsam begann ich zu verstehen und es für möglich zu halten, dass meine Oma mich hintergangen hatte und den Boden vom restlichen Teig abschabte oder abraspelte oder sonst eine Technik benutzte. Diese Technik interessierte mich jetzt auch, und so griff ich zum Kuchen und begann, an ihm herumzuschaben. Ich kann dir sagen, liebes Corona-Tagebuch, es ist eine ganz schöne Sauerei und Arbeit, von einem ganzen runden Käsekuchen den Boden zu entfernen. Aber glaubst du, dass mir nur einer der Gäste dabei etwa geholfen hätte? Pustekuchen! Na ja, wie auch immer, jedenfalls sah der Kuchen doch etwas in Mitleidenschaft gezogen aus. Dass ein Käsekuchen in meiner Kindheit jemals so schlimm beieinander gewesen wäre, daran kann ich mich nicht erinnern. Ehrlich gesagt, war es auch eine ziemliche Sauerei bei Tisch. Ich konnte mir nicht helfen, aber irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die Stimmung flöten war. Also bin ich gegangen.

Liebes Corona-Tagebuch, als guter Gast muss man auch wissen, wann es Zeit ist zu gehen.“

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