LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Blanke Nerven und Drecks-Mund-Nasen-Maske

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Um was es heute geht? Um Nerven, die so richtig blank liegen. Und den Corona-Dreck insgesamt.

„Ja leck' mich fett, was kann mein Bekannter fluchen! Manchmal wird er richtig ordinär. Kruzifix aber auch, ihm geht die Drecks-Nasen-Mund-Maske dermaßen aufs Getriebe, weil er leicht asthmatisch ist und so langsam die Geduld mit Corona verliert.

Was ihn am meisten ankotzt, ist, dass ihm ständig seine verfluchte Drecksbrille beschlägt. Er kann sich dann immer furchtbar aufregen. Aber ich sag' ihm immer, er solle erst mal wieder runterkommen. Hilft ja nix. Aber neulich war's halt wieder soweit. Wir wackeln nebeneinander her, und er erklärt mir einen sehr komplexen Sachzusammenhang. Bei der Gelegenheit frage ich ihn, ob er gegen das Nuscheln nicht vielleicht etwas unternehmen könnte – beispielsweise die Maske abnehmen.

Verdamm mich noch mal – hat der getobt. Also der ist richtig ausfällig geworden. Und das nur, weil er vergessen hatte, dieses Mist-Drecks-Hundsfott-Bitch-Brillengestell auf der Straße mal abzunehmen. Ich möchte hier an dieser Stelle gar nicht wiederholen, was er so alles gesagt hat. Es war echt nicht feierlich. Aber der Knaller sollte erst noch kommen. Wir gingen auf einen Drink zu ihm und setzten uns auf den Balkon. Männergespräche.

Die Rotzgöre aus der Nachbarschaft

Dabei lief ihm Hintergrund was aus den 1970-ern von Tom Waits, etwas von großer Melodiösität und wundersamer Melancholie.

Kurz und gut: Es war schön. Aber dann kam es zum Eklat. Irgend so eine Rotzgöre aus der Nachbarschaft – das muss man sich mal vorstellen - rief zu uns herauf, ob wir die Musik nicht vielleicht etwas leiser machen könnten, weil sie schlafen müsse.

Dem Kumpel platzt der Kragen

Dann platzte meinem Kumpel der Kragen, aber so richtig. Er sagte, und ich übertreibe nicht: „Liebes Kind, sei froh, dass ich nicht selber singe.“ Wahnsinn, oder?

Ich hätte nicht gedacht, dass mein Kumpel zum Äußersten fähig ist. Aber es zeigt halt nur, wie sehr in diesen Corona-Zeiten auch bei ihm die Nerven blank liegen.“

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