LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Bier und andere Chancen im Leben

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es, darum, das Bier im Leben echte Chancen eröffnen kann.

„Liebes Corona Tagebuch, ich lernte ihn neulich beim Bier kennen, und er stellte sich als Kollege heraus. Okay, zugegeben, hätte die Brauerei nicht diesen Termin ausgerichtet, dann wäre er nicht aus dem Süden angereist. Dann wäre mir überhaupt eine Geschichte flöten gegangen, die das Leben auch bei Bewölkung in freundlichem Lichte zeigt.

Also, der Knabe heißt Fridtjof und an dieser Stelle, das ist mir völlig klar, habe ich ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem. Wer, liebes Tagebuch, glaubt mir schon ernstlich, dass die Hauptfigur dieses Eintrags tatsächlich Fridtjof heißen soll. Siehste, das dachte ich mir auch und so vergewisserte ich mich bei ihm: ,Fridtjof so wie Nansen?' Und Fridtjof bestätigte: ,So wie Nansen!' Wir hoben zum Trunk an und Fridtjof plauschte los. Er ist für eine Zeitung tätig, für ein richtig gutes Magazin mit Schwerpunkt Bier.

Und das, obwohl er Hut buchstabieren kann, richtig studiert hat und nicht vorbestraft ist.

Aber alles wäre gar nicht erst so weit gekommen, wenn sein Kumpel nicht vor vielen Jahren aus seiner Bude geschmissen worden wäre. Also gab ihm Fridtjof Asyl und so landete der Kumpel eben auf Fridtjofs Couch.

Der Kumpel auf der Couch

,Aber ohne Therapie, hä?', witzelte ich noch und Fridtjof tat so, als hätte er das überhört. Na egal. Jedenfalls erzählte er davon, wie sein Kumpel keine Miete zahlen konnte. Aber dafür war er dem Bier zugeneigt und schleppte seinem Herbergsvater täglich neue Sorten heran, zu denen sich fröhlich philosophieren ließ. Nach ein paar Monaten war es dann soweit, und Fridtjof hatte Geschmack und Einblick gefunden.

Und einen neuen Berufswunsch, mehr so in Richtung Bierreporter. Liebes Corona-Tagebuch, wenn man solche Geschichten mitbekommt, dann möchte man dem Leben glatt zugute halten, dass es voller Chancen steckt, im Grunde freundlich ist und man sich ihm glatt anvertrauen könnte. In aller Offenheit. Ohne Wenn und Aber. Oder wenigstens so ein bisschen. Im Grunde am besten gar nicht.“

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