LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Auf der Suche nach der Pointe

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute berichtet er von einem Gespräch, das er im Supermarkt belauschte. Nach der Pointe sucht er allerdings noch.

„Liebes Corona-Tagebuch, aus Ermangelung an geöffneten Cafés und Kneipen ist es gar nicht mehr so leicht, dem Volk aufs Maul schauen. Gemüseabteilungen in Supermärkten eignen sich allerdings nach wie vor dazu, denn dort stehen Menschen beisammen, die sich noch in Gespräche begeben.

Auch wenn man sich nicht immer einen Reim aus all dem Gesagten machen kann, mindert das nicht den Unterhaltungswert. Und wer von uns zählt nicht auch diesen einen Film zu seinen Lieblingsfilmen, bei dem man sich nicht sicher ist, wie man zu seinem Ausgang stehen soll und ob das jetzt ein Happy-Ending war oder nicht.

Wie dem auch sei, ich schob so maskiert den Wagen vor mich hin und geriet versehentlich in die Nähe von Vitaminen. Ich glaube, es war irgendwo bei den Endivien, als ich aufschnappte, wie eine Frau zur anderen sagte, dass ihre Eltern nächste Woche ihren 50. Hochzeitstag begehen würden, man aber wegen Corona leider nicht gemeinsam feiern dürfe. Der Tenor des Gesprächs schien ein allgemein ein heiterer zu sein, und das blieb er auch, als die eine Dame zur anderen sagte, dass es schon selten ist, dass Ehen so lange halten.

„Sie mussten ja heiraten, weil ich unterwegs war“, erklärte darauf die andere Dame, lachte herzhaft und zeigte ihre wirklich schönen Zähne. „Und, haben sich deine Eltern schon bei dir bedankt?“, erwiderte jetzt die andere Dame ebenfalls herzlich lachend, aber mit nicht ganz so schönen Zähnen (der seitliche Schneidezahn, ich glaube, es war der Zwölfer, lag etwas schräg, das dafür aber blitzblank).

An dieser Stelle schien alles anders, und ich konnte es durch die Paprikas hindurch genau sehen. Die Gefragte ließ den Kopf hängen, blieb eine Antwort schuldig und verabschiedete sich aus dem Gespräch.

Liebes Corona-Tagebuch, ich weiß, dass das in diesem Augenblick ein besonderer Moment war, und ich komme jetzt nicht auf seine Pointe. Aber ich weiß, dass es da irgendwo eine geben muss. Na ja, vielleicht versteh' ich es ja irgendwann mal von hinter den Schalotten.

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