LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Alles in Butter bei Dieters Mutter

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um müttliche Ratschläge.

„Liebes Corona Tagebuch, Dieters Mutti ist schon okay. So alles in allem. Aber manchmal, da möchte Dieter sie auf den Mond schießen. Oder auf die Küpser Linde, wahlweise hinter die Eierberge oder wenigstens in Nachbars Garten. Dort stehen nämlich Zwerge, kleinkarierte. Ihre Gesellschaft findet der Dieter für Mutter manchmal als passendste.

Obwohl er jetzt schon 52 ist, erklärt sie ihm immer noch die Welt – und was in ihr wirklich zählt. Aber sie erzählt ihm nicht etwa, warum der Tango traurig ist, oder wie er auch in seinem Alter noch seine Vorhand beim Tennis verbessern könnte. Er wäre ihr ja schon dankbar, wenn sie ihm wenigstens einen Hinweis dazu geben könnte, wie sich wegen dieser Sekretärin die Sache mit seiner Frau wieder einrenken könnte. Aber nein, Mutti hält ganz andere Ratschläge für ihn bereit. Einer lautet, er solle sein Auto immer wöchentlich putzen, weil seine Nachbarn sonst schlecht über ihn reden könnten. Und er soll nicht immer Jeans tragen, weil er jetzt wirklich alt genug für Manchester wäre. Die sähen ja so schön aus, und die wären übrigens auch wieder modern.

Sie könnte ihm welche besorgen, und im Keller hätte sie auch noch welche vom Vati. Abgesehen davon muss er nicht immer in diesen Supermarkt gehen, weil jener andere viel günstiger sei. Irgendwann in den letzten Tagen ist Dieter der Kragen geplatzt, und er hat seiner Mutti ein Donnerwetter gemacht, dass die Heide wackelte. Er hat ihr gesagt, wie sehr ihm ihre Ratschläge auf die Nerven gehen, und dass er sich ein für alle mal verbittet, von ihr wie ein Zwölfjähriger behandelt zu werden.

Dieters Mutti gelobte Besserung. Dann bestand sie darauf, dass er noch einen Teller isst, weil sie zu viel gekocht hatte, und es aufgewärmt nicht mehr so gut schmeckt. Im Anschluss bat sie ihn, ihr doch bitte schnell bei den Wocheneinkäufen behilflich zu sein. So fuhren sie los, und als Dieter, weil er einen beruflichen Termin im Nacken hatte, eine Abkürzung fahren wollte, da bestand sie darauf, dass er unter keinen Umständen durch diese eine Straße fahren wird. Natürlich interessierte den eiligen Dieter das Warum dazu. Er bekam von seiner Mutti zu hören, dass in dieser Straße ihre Schwester („Das weißt du doch!“) wohnt, und von ihr hat sie sich noch im Oktober den Rasenmäher ausgeliehen und noch nicht zurückgebracht.

„Wenn sie jetzt gerade auf der Straße ist und mit ihrem Hund Gassi geht, dann sieht sie uns vielleicht und dann hält sie uns vielleicht noch an.“ Auf Dieters Einwand, dass er ihr vor Wochen schon anbot, den Rasenmäher zurückzubringen, reagierte seine Mutti nicht. Auf seine Absicht, doch durch diese Straße zu fahren, dafür umso mehr. Man könnte sagen, sie blieb beharrlich. Also fuhr Dieter den längeren Weg, von dem seine Mutti meinte, dass er nicht so viel länger sei. Wenn überhaupt.

Liebes Corona-Tagebuch, es ist nicht einfach, nach einer Zurechtweisung sofort Einsicht zu zeigen und sein Leben zu verändern. Deshalb bedankte sich Dieters Mutti nach erfolgten Wocheneinkäufen auch artig mit dem gut gemeinten Rat, dass gerade sein Auto der Pflege bedürfe. Weil man auf hellem Blech Schmutz halt sofort sehen kann.“

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