LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Alles eine Frage der Perspektive

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um die Liebe. Die geht oft recht eigensinnige Wege. Oder kommt gar nicht vorbei. Vielleicht doch?

„Liebes Corona-Tagebuch, Andrea ist ein herzensguter Mensch. Herzensgut. Sie ist klug, lebenstauglich und humorvoll. Und den Humor braucht sie auch, denn in der Liebe hat sie nicht oft Glück. Zumindest selten. Eigentlich nie.

Auf zur Wahrsagerin

Der erste Freund war gar keiner, der zweite hatte was mit ihrer Freundin, und der dritte zog ins Badische. So blieb ihr nur der Job. Den mochte sie, der erfüllte sie sogar, und ihn ihm bekam sie den Zuspruch, der ihr guttat. Aber dann begann das Mobbing. Erst langsam, dann immer mehr. Irgendwann schrieb Andrea mal eine Bewerbung nach anderswo, die aber unbeantwortet blieb. Jedenfalls war Andrea bald soweit, sich zu fragen, was das Leben ihr eigentlich bietet.

Da erinnerte sie sich einer Telefonnummer, die ihr eine Freundin mal zusteckte. Die Nummer gehört einer Wahrsagerin und Esoterikerin. Aus einer Laune heraus wollte sie die Frau mal zu sich befragen. Eigentlich glaubt Andrea ja nicht an Wahrsagerei und esoterisches Zeug, aber sie war auch neugierig, und etwas zu verlieren hatte sie auch nicht. ,Die Liebe wird sich dir in kürzester Zeit zuwenden, und es wird schön werden‘, erfuhr sie bei der bald stattfindenden Sitzung und freute sich sehr.

Endlich also wird er kommen, der Mann ihrer Träume. Endlich wird da jemand sein, mit dem sie ihr Leben teilen wird. Hach ja. Aber es passierte nix. Dann kam ein Anruf, und der Unternehmer, bei dem sie sich beworben hatte, fragte nach, ob sie noch an der Stelle interessiert sei. Eine Mitarbeiterin sei schwanger geworden, habe geheiratet, und darum also wurde die Stelle frei. Andrea freute sich, sagte zu und arbeitet jetzt in einem viel besseren betrieblichen Klima.

Wo bleibt der Traumann?

Aber den Mann ihrer Wünsche hatte sie immer noch nicht, und so stellte sie die Wahrsagerin zur Rede. Die Frau hörte ihr zu, lächelte und sprach: ,Die Liebe hat sich dir sehr wohl zugewendet, und du profitierst davon. Denn wenn die ehemalige Mitarbeiterin nicht so einen netten Mann gefunden hätte, wäre sie jetzt nicht schwanger und verheiratet. Und du hättest den Job nicht.‘

Liebes Corona-Tagebuch, mittlerweile kann Andrea darüber lachen und es so annehmen. Es ist eben alles eine Frage des Blickwinkels.“

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