LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Abschied vom Peeling in Südpolynesien

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um die neue Bescheidenheit zu Zeiten der Pandemie.

„Corona macht bescheiden. Einigermaßen zumindest. Das fängt damit an, dass man Abschied von manchen Träumen nimmt. Beispielsweise Abschied davon, Urlaub auf Fuerteventura zu machen. Und Abschied davon, sich noch rechtzeitig zum Peeling in Südpolynesien einzufinden.

Geheiratet wird dann auch nicht auf Gran Canaria, sondern beim Schwanenwirt in Kleindingsbach. Aus Ermangelung an Exotischem beginnt man eben in der Heimat rumzustrolchen und lässt sich kleine Orte des leisen Glücks auffallen. Wenn das erste derartige Erlebnis an einem Mittwochnachmittag stattfindet, kann es sein, dass man das schon am Dienstagmorgen der kommenden Woche kultiviert hat. Dann kann man sogar Kumpels an diese Entdeckerorte führen und darf sich dabei wie ein kleiner Columbus oder Livingstone fühlen.

Einer dieser Orte liegt direkt an der Straße, die zur Friedenslinde führt. Hinter einem gibt es einen nicht weiter erwähnenswerten Parkplatz, aber in der Senke vor einem liegen ein paar Tennissandplätze. Gut, es ist nicht das Stade Roland Garros in Paris, aber es hat Charme hier zu sitzen und den Ballwechseln zuzusehen.

Irgendwer hat nämlich dafür gesorgt, dass ein paar Paletten zu Bänken verschraubt und angestrichen wurden. Das Sitzen hier geht so in Richtung eines angenehmen Lümmelns. Und in dieser Position darf man das einen umgebende Ensemble auf sich wirken lassen. Da wäre also der weite Himmel über einem, in dem Stromleitungen Linien ziehen.

Da wäre auch der Wald links von einem und die B 173 rechts von einem. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass der Verkehrslärm etwas störend ist, aber das Stadion des FC Bayern liegt ja auch an einer Magistrale.

In nordwestlicher Richtung thront Banz über dem Tal und direkt vor der eigenen Nase wächst eine Sonnenblume in die Höhe. Man muss zugeben, dass hier ein gewisser Schauwert gegeben ist. Also wie gesagt, es ist nicht Roland Garros, aber dafür muss man für die vor der Nase abgelieferten Ballwechsel auch nichts bezahlen.

Und wenn die Spieler am Ende die Linien abfegen und die durchs Spiel entstandenen Unebenheiten auf dem Platz mit Schleppnetz egalisieren, dann darf man auch dieses Bild noch meditieren. Ich zum Beispiel greife dann zum mitgebrachten Bierchen und nehme mir ganz fest vor, meine Küche gleich morgen früh aufzuräumen. Oder hierher zu kommen.“

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