LICHTENFELS

Corona im Haus: Ein ganz und gar ungebetener Gast

Stefanie Fischer liest ihrem erkrankten Kind vor. Foto: Red

Unsere Autorin Stefanie Fischer hat es erwischt. Besser ihre ganze Familie: Corona. Ein Bericht über drei Wochen in Quarantäne und viele harte Tage.

„,Schatz, mein Test ist positiv'. Während ich an diesem Mittwochabend im Wohnzimmer mit einer Freundin sitze, bekomme ich von meinem Mann ein Stockwerk höher diese Nachricht. Und so beginnt mit einer SMS unsere ganz persönliche Coronageschichte.

Vor drei Tagen sind mein Mann und ich aus Berlin zurückgekommen. Die Abschlussveranstaltung einer langjährigen Weiterbildung meines Mannes wurde nach eineinhalb Jahren endlich nachgeholt – mitten in der vierten Welle, unter strengen Coronaauflagen. Doppelt geimpft waren wir grundsätzlich vorsichtig und achteten auch sehr auf die bekannten Regeln.

Aber wir wagten die Fahrt und genossen die kinderfreien Tage. „Hoffentlich stecken wir uns nicht an“, war trotzdem ein Gedanke, der mich die Tage über begleitete. Zurück zu Hause testeten wir uns täglich, so wie auch an diesem Morgen – beide Tests waren negativ. Als mein Mann sich an diesem dritten Abend nach der Rückkehr schlapp fühlt, macht er sicherheitshalber noch mal einen Test.

Positiv! Nachdem auch der zweite Selbsttest direkt anschlägt, schießt mir vieles gleichzeitig durch den Kopf: „Was heißt das nun für uns als Familie und welche Regeln gelten jetzt? Mit wem hatten wir Kontakt, wen müssen wir informieren? Was ist mit der Schule der Kinder? Hoffentlich hat mein Mann einen milden Verlauf! Und was ist, wenn nicht?

„Was heißt das nun für uns als Familie und welche Regeln gelten jetzt? Mit wem hatten wir Kontakt, wen müssen

wir informieren?“

Stefanie Fischer, Corona-Betroffene

Zuerst besprechen wir, beide mit Maske und mit mehr als zwei Meter Abstand bei geöffnetem Fenster, was jetzt getan werden muss: Isolation für meinen Mann, was zum Glück bei uns zu Hause möglich ist. PCR-Test am nächsten Tag. Info an den Arbeitgeber. Und ich schreibe an diesem Abend noch gefühlt 100 Emails, denn Schulen und der Kindergarten, Sportvereine und Musikgruppen der Kinder müssen informiert, sämtliche Termine abgesagt und mit den Klassenlehrkräften Kontakt aufgenommen werden, um Schulmaterial und -aufgaben für die nächsten Tage zu organisieren.

Gut bestückter Beistell-Tisch, wenn das Virus die Familie quält. Foto: s. Fischer

Unsere beiden Schulkinder sind am nächsten Morgen begeistert nicht in die Schule zu müssen. Unser Jüngster dagegen ist sehr enttäuscht, nicht in den Kindergarten zu können. Denn heute findet ein Kindergartenfest statt, an dem er nun nicht teilnehmen kann. Der positive Schnelltest vom Papa wird aber weniger ernst genommen.

Als das positive PCR-Testergebnis meines Mannes an diesem Tag noch ankommt, machen sich aber auch die Kinder Gedanken: ,Wird es Papa sehr schlecht gehen? Was ist, wenn er ins Krankenhaus muss? Was machen wir, wenn ihr beide krank seid? Ich will mich nicht anstecken! Kann der Hund Corona kriegen?'

An diesem 2. Tag der Quarantäne routiere ich zwischen Beruhigung und Beschäftigung der Kinder, der Organisation des Homeschooling, Desinfektion der Türklinken und Bäder (in der Hoffnung, weitere Ansteckung zu verhindern), meinen Mann mit allem Nötigen zu versorgen, einem Großeinkauf (denn ich könnte ja in ein paar Tagen auch positiv sein) und mit dem Hund rauszugehen. Ja, als geimpfte Person und ohne Symptome darf ich, da mein Mann nicht mit der Omikron-Variante infiziert ist, noch raus.

Nur mein Mann, coronapositiv, ist nach offizieller Bezeichnung ,in Isolation', die ungeimpften Kinder, nicht-positiv, in Quarantäne. Alle vier dürfen das Grundstück nicht mehr verlassen. Das verpasste Kindergartenfest feiern wir an diesem Tag noch bei uns zu Hause: Im Garten wird Feuer und Stockbrot gemacht und anschließend heißer Kakao getrunken. Ein wenig Schönes in einem ziemlichen Chaos.

Meinen Mann liegt einen Tag später ziemlich flach: Mit erhöhter Temperatur, Schnupfen, heftigen Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Husten verbringt er seinen Geburtstag im Bett. Nur zum Überreichen der Geschenke und Muffins, die ich am Vormittag noch schnell mit den Kindern gebacken habe, besuchen wir ihn kurz im Schlafzimmer. Und singen mit Maske und viel Abstand ,Happy Birthday'.

Die Vormittage verbringen wir mit Schulaufgaben, während der Jüngste den Kindergarten sehr vermisst. Die beiden Großen finden sich schnell wieder ins Homeschooling ein, auch wenn es an der Motivation zum Lernen alleine hapert. Als Mutter kann ich nur bedingt unterstützen – das Lernen in der Klassengemeinschaft, die Pause mit den Freunden, die Rückmeldung der Lehrkräfte fehlen einfach.

Nachmittags wird im Garten geklettert und Fußball gespielt, drinnen die Brettspiele rausgeholt, gelesen und Lego gebaut. Ich gebe zu, der Fernseher ist in dieser Zeit mein bester Freund. Quarantäne im Sommer wäre sicher angenehmer, aber zum Glück haben wir einen Garten, damit die Kinder raus gehen können. Mehrmals denke ich in dieser Zeit an Familien, die so eine Situation in beengten Wohnverhältnissen und ohne Garten meistern. Und bin mir der privilegierten Lage, in der wir uns befinden, sehr wohl bewusst.

Die Kinder und ich testen uns jetzt konsequent jeden Tag, bisher negativ. Aber an Tag 4 unserer Quarantäne ist der Test des Großen positiv. Und ich muss trösten, denn plötzlich selber positiv zu sein und die Sorge davor, im Zimmer isoliert oder schwer krank zu werden, machen auch einem Zehnjährigen Angst. Die Isolation im eigenen Zimmer ist nicht notwendig, nur bei den Bädern trennen wir zwischen coronapositiven und -negativen Personen im Haus.

Am darauffolgenden Tag fühle ich mich schlapp. Und noch bevor ich den Test mache, weiß ich, dass er positiv sein wird. Spätestens jetzt muss ich unser Netzwerk aktivieren, denn nun darf ich auch nicht mehr einkaufen oder mit dem Hund rausgehen, ebenso wenig wie mein Mann. Dem geht es zunehmend besser, aber gut fühlt er sich noch immer nicht.

„Am darauffolgenden Tag fühle ich mich schlapp. Und noch bevor ich den Test mache, weiß ich, dass er positiv sein wird.“
Stefanie Fischer über ihre Infizierung

Nachdem mit mir nun drei von fünf Familienmitglieder auch mit PCR-Test bestätigt coronapositiv sind, heben wir sämtliche hausinternen Einschränkungen auf – mein Mann kommt aus der Isolation im oberen Stockwerk, die Badezimmer sind für alle frei zugänglich, wir essen wieder gemeinsam am Tisch. Wohlwissend, dass die beiden Kleineren sich wahrscheinlich auch bald angesteckt haben werden.

Dabei kommt die Frage auf: Wer fährt eigentlich mit den beiden jüngeren Kindern zum PCR-Test, wenn wir sie Hause positiv testen? Mein Mann und ich sind beide in Quarantäne, die fast 70-jährigen Großeltern möchte ich ebenso wenig fragen wie unsere Freunde, da sie sich anstecken könnten. Die Corona-Hotline kann mir erstaunlicherweise auch nicht weiterhelfen, aber zum Glück entdecken wir auf der endlich zugesandten Anordnung des Gesundheitsamtes, dass zum Zweck eines PCR-Tests die Absonderung verlassen werden darf.

Am nächsten Tag wache ich mit heftigen Kopf- und Gliederschmerzen und einem merkwürdigen Schwindel auf. Ich gehe freiwillig ins Bett, während mein Mann, inzwischen wieder auf den Beinen, die Organisation zu Hause übernimmt. Meine Symptome verändern sich fast täglich: Nach den Kopf- und Gliederschmerzen kommen Schnupfen und Husten, die nach zwei Tagen wieder verschwunden sind.

Danach plagen mich Geschmacks- und Geruchsverlust, eine heftige Schlappheit und starkes Schwitzen. Ich möchte gar nicht wissen, wie es meinem Mann und mir ohne Impfung gegangen wäre. Drei Tage nach meinem positiven Test haben sich auch die beiden übrigen Familienmitglieder angesteckt. Die Reaktion von unserem Jüngsten, von dem ich sicherheitshalber Abstand gehalten habe: ,Endlich kann ich wieder mit Mama kuscheln'.

Nach drei Wochen Isolation alles durchgestanden

Nach drei Wochen in Isolation und der durchgestandenen Covid-Erkrankung von uns allen ist mein Fazit: Hunde kann man auch im Garten austoben, wenn es sein muss. Die Kinder haben erstaunlich viel mitangepackt und können jetzt nicht nur Pfannkuchen selber machen. Wir sind glücklich, dass wir niemand anderen angesteckt haben und keinen schweren Verlauf hatten. Und dankbar für unsere Wohnverhältnisse und die lieben Menschen, die uns während der Infektion unterstützt haben. Dennoch - auf diese Erfahrung hätten wir alle gerne verzichtet. Und sind noch vorsichtiger geworden, um uns und andere zu schützen. Alle bis auf den Hund – der sehr zufrieden war, dass die komplette Familie drei Wochen lang Zuhause war.“

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