LICHTENFELS

Corona am Obermain: Gesichtsschutz aus dem 3D-Drucker

Seit Ostern laufen die Geräte im neuen Druck-Zentrum an der Staatlichen Berufsschule Lichtenfels heiß. Die Lehrkräfte (v. re.) Oliver Daum und Julian Fiedler haben sechs 3D-Drucker für die Produktion von Gesichtsschutz-Schildern „flott“ gemacht. Landrat Christian Meißner (2. v. l... Foto: Heidi Bauer/Landratsamt

Wo sonst junge Auszubildende umherwuseln und Stimmengewirr zu vernehmen ist, ist es in den vergangenen Wochen ziemlich ruhig geworden. Nur ein sonores Surren zerschneidet diese Stille in der Staatlichen Berufsschule: Im erst vor kurzem fertiggestellten 3D-Druck-Zentrum der Einrichtung rattern inzwischen sechs 3D-Drucker ununterbrochen und produzieren mit innovativer Technologie Gesichtsschilde, die in Zeiten der Covid-19-Pandemie zum Schutz von Pflegekräften und Ärzten dienen können.

„Eine geniale Erfindung, ein super Projekt. Es verdient höchste Anerkennung, dass die beiden Lehrkräfte die Schilder in Eigeninitiative produzieren“, lobte Landrat Christian Meißner bei seinem Besuch des Druckzentrums an der Berufsschule mit dem Schulleiter Hans-Jürgen Lichy und Studiendirektor Christian Neubauer von der Schulverwaltung den Innovationsgeist der beiden Initiatoren: Oberstudienrat Oliver Daum und Studienrat Julian Fiedler als „3D-Druck-Fachleute“ lehren beide im Bereich Technisches Produktdesign/Metalltechnik und setzten die Idee in ein Projekt um.

3D-Druck-Zentrum gleich „eingeweiht“

Das neue 3D-Druck-Zentrum der Schule wurde dadurch sozusagen gleich „eingeweiht“. Als Sachaufwandsträger hat der Landkreis Lichtenfels den Ausbau mit finanziert und unterstützt – die Handwerker des Kreises waren bei den Arbeiten mit im Einsatz.

Der Landrat zeigte sich sehr erfreut: „Hier werden mit hoher Druckerkapazität Schutzmaterial in hoher Qualität und wichtige Hilfsmittel für Kliniken und medizinische Berufe hergestellt. In einer konzertierten Aktion von Schulen, Unternehmen und Lehrkräften werden Geräte und Know-how nutzbringend für die Allgemeinheit eingesetzt.“

Die Mittel, die in den Ausbau der Schule flössen, seien somit gut investiertes Geld. Weiter betont Landrat Meißner: „Unser Landkreis steht in der Corona-Krise eng zusammen. Das zeigt sich an unzähligen Initiativen und am Innovationsgeist der Bürgerinnen und Bürger. Das Projekt der Staatlichen Berufsschule Lichtenfels ist ein weiteres leuchtendes Beispiel.“

Sechs 3D-Drucker im Einsatz

Wie Julian Fiedler und Oliver Daum erläutern, sind im Augenblick insgesamt sechs 3D-Drucker im Einsatz: Über einen verfügte die Schule bislang selbst, zwei stellte das Meranier-Gymnasium auf Anfrage zur Verfügung, zwei weitere die Firmen Hofmann aus ihrer Lehrwerkstatt. Ein sechster wurde neu über Fördermittel aus dem Digitalpakt angeschafft, informiert Schulleiter Hans-Jürgen Lichy.

Die ersten Prototypen der „Faceshields“ entstanden über das Osterwochenende, lässt Julian Fiedler wissen. Die Visiere gibt es in zwei verschiedenen Versionen: die eine mit Klemmbügel, die andere mit Gummiband. Zehn Stunden braucht ein Drucker für vier Visiere. Rund 250 Gesichtsschutzschilde wurden bis dato hergestellt. Zwei Mal 100 Stück produzierte die Schule bisher für den Landkreis Lichtenfels, der sie wiederum an die Intensivstation des Regiomed-Klinikums Lichtenfels und weitere medizinische Einrichtungen weitergab. Die Materialkosten dafür übernimmt der Landkreis.

Für die Herstellung der Kunststoffkomponenten nutzt die Berufsschule PLA Filament, das sich aufgrund seines geringen Gewichts und seiner Flexibilität besonders gut zur Herstellung der benötigen Bauteile eignet, erläutert Studiendirektor Christian Neubauer. Hinzu kommt, dass dieses Material aus nachwachsenden und natürlichen Rohstoffen gewonnen wird.

Konstruktionsdatei kommt aus Tschechien

Die dazu benötigte Konstruktionsdatei stammt von dem auf 3D-Druck-Verfahren spezialisierten Unternehmen Prusa Research in Tschechien, das diese speziell für die Bekämpfung der Corona-Pandemie zur Verfügung gestellt hat, lassen Oliver Daum und Julian Fischer wissen. Sie beide waren begeistert von der Idee, sich mit vereinten Kräften über Landesgrenzen hinweg der Pandemie entgegenzustemmen.

„Wir freuen uns sehr, dieses tolle Konzept unserer tschechischen Nachbarn mit unserem Know-How und unserer Erfahrung verknüpfen und damit diejenigen Menschen unterstützen zu können, die sich aktuell für unser aller Gesundheit bedingungslos einsetzen.“

Ein Beitrag zur Bewältigung der Krise

Auch Hans-Jürgen Lichy betont, die Schulleitung sei froh, dass die Schule auf diese Weise Hilfe, einen Beitrag zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie leisten könne. Der Landrat sagt den Lehrkräften Dank für ihren Einsatz und zeigt sich sehr erfreut über das Engagement für die Allgemeinheit. Zu überlegen sei auch, ob das neue 3D-Druck-Zentrum der Schule unter Einbindung der Stadt Lichtenfels und der Hochschule Coburg in der Übergangsphase bis zur Fertigstellung der Räumlichkeiten des Forschungs- und Anwendungszentrums für digitale Zukunftstechnologien (FADZ) mit genutzt werden könne, regte Meißner an.

 

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