Pro und Contra: Ist Lichtenfels eine Hochschulstadt?

Soll künftig Hochschulstadt Lichtenfels auf den Ortseingangsschildern stehen? Daran scheiden sich die Geister im Stadtrat – und sicher auch in der Bevölkerung. Foto: Steffen Huber/Fotomontage: Markus Drossel
Soll künftig Hochschulstadt Lichtenfels auf den Ortseingangsschildern stehen? Daran scheiden sich die Geister im Stadtra... Foto: Steffen Huber/Fotomontage: Markus Drossel

Contra: Lichtenfels ist keine Hochschulstadt

Von Steffen Huber (steffen.huber@obermain.de)

Der Lichtenfelser Stadtrat hat in seiner Sitzung am Montag beschlossen, den Antrag beim Landratsamt zu stellen, sich künftig Hochschulstadt nennen zu dürfen. Die Grünen lehnten den Antrag ab mit der von ihrer Fraktionsvorsitzenden Dr. Susann Freiburg vorgetragenen Begründung, dass Lichtenfels keine Hochschule hat. Stimmt das?

Contra: Lichtenfels ist keine Hochschulstadt

Eine Hochschule besteht aus Fakultäten und Fachbereichen, die jeweils von einem Dekan geleitet werden. Der Hochschule selbst steht ein Rektorat vor und meistens ein Kanzler. Es gibt eine Hochschulverwaltung, einen Senat, eine Hochschulbibliothek, Studienberatung, Studentenwohnheime, eine Studentenvertretung, jede Menge Hörsäle, Seminarräume und Labore, meist in einem Campus vereint, und einiges mehr. In der die Hochschule beheimatenden Stadt gibt es dazu Universitätsbuchhandlungen, Studentenkneipen oder auch Studentenverbindungen.

Im Oktober startet nun der drei Semester dauernde Masterstudiengang „Additive Manufactoring & Lightweight Design“ der Hochschule Coburg, die über 5000 Studierende zählt. Diese hat acht Fakultäten, eine davon ist die Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik. Hier gibt es derzeit sechs Bachelor- und drei Master-Studiengänge, darunter auch „Additive Manufacturing and Lightweight Design“. Davon wird in Lichtenfels im Bereich 3D-Druck gelehrt und geforscht, vorerst im zweiten Stock der ehemaligen Buchhandlung H.O. Schulze in der Laurenzistraße, dem sogenannten Machbar des FADZ. Der Bereich Leichtbau wird in Coburg am Campus angeboten.

Geplant ist, mit 15 Studierenden ins erste Semester zu starten, es gibt eine Professur, und zwei Dozenten verwenden 90 Prozent ihrer Stelle für den Studiengang. Alles in allem werden die Studenten pro Semester etwa die Hälfte der Vorlesungszeit in Lichtenfels studieren, die andere Hälfte in Coburg.

Reicht das aus, um aus Lichtenfels eine Hochschulstadt zu machen? Bei allem Respekt für den riesigen Einsatz von Bürgermeister und Stadtrat, der FADZ-Verantwortlichen, der Hochschule Coburg und allen sonstigen Beteiligten, die die Hälfte dieses Studiengangs in die Korbstadt gebracht haben. Aber eine Hochschule mit all ihren oben genannten Institutionen und Begleiterscheinungen gibt es hier vorerst nicht, auch wenn sich Lichtenfels demnächst vielleicht Hochschulstadt nennen darf. 

 

Pro: Lichtenfels ist Hochschulstadt
Von Markus Drossel
(markus.drossel@obermain.de)
Dass das FADZ in Lichtenfels entwickelt wird, ist ein Geniestreich: Ein Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien ist wie ein Adelstitel für die Kreisstadt, hat Ausstrahlungswirkung weit über den Landkreis hinaus. Maßgeblich zu verdanken ist das Frank Herzog, dem Vater von Concept Laser, Visionär und Pionier des 3D-Drucks, der in Bürgermeister Andreas Hügerich und Landrat Christian Meißner begeisterte Unterstützer seiner Ideen fand, eine Außenstelle der Hochschule Coburg nach Lichtenfels zu holen.

Auch etliche Wirtschaftsunternehmen sind ihnen mittlerweile beiseite gesprungen, ebenso gibt es viele Unterstützer aus anderen Bereichen, beispielsweise den FADZ-Förderverein Machbar e. V.. Der Masterstudiengang „Additive Manufacturing and Lightweight Design“ an der Hochschule Coburg soll bereits zum Wintersemester starten. Das ist großartig! Freilich, zu Beginn an wird alles sehr überschaubar sein, die Kirschbaummühle ist noch lange nicht umgebaut und bereitet derzeit noch viel Kopfzerbrechen, aus verschiedensten Gründen. Dennoch: Selbst wenn in Lichtenfels nur ein Teilbereich einer Fakultät beheimatet sein mag: Die digitale Zukunftswerkstatt macht Lichtenfels zum Hochschulstandort – und zur Hochschulstadt.
All diese Bemühungen öffentlich auf den Ortseingangsschildern dazustellen, indem man als Lichtenfels Hochschulstadt ausweist, ist folgerichtig und wäre eine große Wertschätzung gegenüber aller Beteiligten. Ehre, wem Ehre gebührt. Die Kosten für die Herstellung neuer Schilder (rund 200 Euro pro Stück) halten sich in Grenzen, sind im Vergleich zu den Millionen Euro, die das Projekt FADZ kostet, absolut zu vernachlässigen. 
Kulmbach, Bamberg oder Bayreuth haben Universitätstadt beziehungsweise Universitatsstandort auf den Ortseingangsschildern stehen. Coburg wiederum Hochschulstadt. Alles legitim, absolut nachvollziehbar und völlig richtig. Warum also nicht Lichtenfels? Auch Kronach, Heimat des Lucas-Cranach-Campus und Bayerns jüngster Hochschulstandort, hat die Ortseingangsschilder getauscht und nennt sich Hochschulstadt. Vorher stand hier Kreisstadt drauf. Deshalb: Lichtenfels hat hart an sich und für sich gearbeitet und hat sich diesen Schriftzug auf den Ortseingangsschildern verdient.

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