LICHTENFELS

Christian Krappmann setzt ein Zeichen der Solidarität

Als am Donnerstag um 10.30 Uhr das Telefon im Büro klingelt, läuft gerade der alte Welthit „Maniac“ im Radio. Celine Wuttke nimmt das Gespräch entgegen, setzt den Hörer ans Ohr und sagt: „Ich kann Ihnen Freitag um 15 Uhr anbieten.“ Auch das ist ein bisschen „maniac“, verrückt also. Denn eigentlich liegt das Geschäftsfeld der in Oberwallenstadt ansässigen Firma „CK MontageTEAM“ in Lagerung, Küchenplanung und Montage, aber gewiss nicht in der Unterstützung des Friseurhandwerks.

Als die Assistentin der Geschäftsleitung auflegt, wird sie aber den sechzehnten Übergabetermin mit einem Anrufer aus dieser Branche vereinbart haben. Noch bis vergangenen Samstag stellte die Firma kostenlos FFP2-Masken zur Verfügung. Denn man will dem Berufsstand helfen, der durch Corona finanziell besonders gebeutelt wird.

Das Haus ist hoch, der Eingang ist hell und das Büro hier auf Höhe Schwabenstraße/Ruhsteinweg ist freundlich. In der Mitte des Raumes bildet eine Art plüschiges Sitzmöbel die Form eines C und eines K, und so ist man versucht, an Calvin Klein zu denken. Doch die Initialen stehen für Christian Krappmann, seines Zeichens Geschäftsführer.

Der Startschuss fällt aus Facebook

Anfang der Woche lancierte er auf Facebook eine deutliche Botschaft: „Wir unterstützen euch“ hieß es und zur Begründung führte Krappmann an: „Zum 1. März 2021 dürfen unsere Friseure im Landkreis endlich wieder öffnen und Geld verdienen, aber unter strengen Hygieneauflagen. (...) Seit Beginn des Lockdowns habt ihr kein Geld verdient und jetzt müssen noch zahlreiche Masken angeschafft werden ...“ Die Reaktionen darauf seien „unterschiedlich“ ausgefallen, der überwiegende Teil der Kommentare sei aber ein begrüßender gewesen.

Zu denen, welche die Aktion absolut begrüßenswert finden, zählte just am Donnerstag um 10.30 Uhr auch Silke Müller – Lichtenfelserin, Friseurin, Selbständige mit Salon im Klinikum. Auch sie hatte einen Termin ausgemacht, damit man nicht zur selben Zeit mit anderen Interessenten beisammen steht.

Was sie obligat im Gepäck haben musste, waren ihr Gewerbeschein und ihr Personalausweis, denn Krappmann wollte ausschließen, dass sich irgendwer „von einem Freund den Gewerbeschein ausleiht“ und absahnt. Silke Müller jedenfalls kam nicht unvorbereitet, sie brachte zum Dank ein Dankeschön mit – Merci-Schokolade. „Ich war erfreut, 10.30 Uhr war für mich der wichtigste Termin des Tages.“ Dass die Meldung über Facebook ein gelungener Coup war, zeigt sich auch an der Erfahrung, welche die Frau gemacht hat. „Mich haben ganz viele Kunden angeschrieben und gesagt: 'Silke, es gibt Masken'.“ 75 dieser Masken sind für sie abgefallen, und sie bilden einen Wert von rund 90 Euro.

„Ein Haufen Geld, deshalb war das heute der wichtigste Termin.“ Am 1. März um 6.30 Uhr wird sie ihre erste Kundin haben, das weiß sie ganz genau. Und wie sie das sagt, klingt es nach Vorfreude. Für das Haare schneiden, so klärt die Frau auf, würden medizinische Schutzmasken durchaus genügen, aber sobald es an die Bartschur oder ans Augenbrauenzupfen geht, werden FFP2-Masken verbindlich.

Den Maskenverbrauch vorgerechnet

Christian Krappmann lächelt. Er kalkuliert auch. Wie er so vorrechnet, was ein Salon bei vier bis fünf Angestellten für einen Maskenverbrauch hat, werden Dimensionen deutlich. Da geht etwas ins Geld. Die Masken, die er zur Verfügung stellt, die „sind aus eigenem Bestand“. Schon einmal, für den Gefahrenschutzzug der Feuerwehr, habe man Masken gespendet und auch an Bedürftige seien Masken gegangen.

Im Haus selbst, so der Unternehmer, lägen wohl eine Million Masken auf Lager. „Weil ich sie verkaufe“, wie Krappmann sagt. Doch jetzt will er insgesamt 2625 Masken nicht verkaufen, sondern verschenken. Jeder Frisör, der bis Samstag kam, erhielt das Maskenpaket zu 75 Stück. „Die Masken sollen zu 100 Prozent bei Friseuren im Landkreis ankommen.“ Schon am Donnerstagmittag hatten sich 16 Interessenten gemeldet.

Die Idee kam im Schlaf

Die Idee dazu, so sagt er, sei ihm mehr oder weniger „im Schlaf gekommen“. Eine Frage habe ihn dabei besonders beschäftigt: „Warum müssen die Leute, die eh schon bestraft sind, weil sie auch eine Unmenge für ein Hygienekonzept ausgeben mussten, auch noch mit den Kosten für Masken belastet werden?“