LICHTENFELS

Bund Naturschutz warnt: Mähroboter gefährden Igelleben

Lebensgefährlich für Igel: Mähroboter. Foto: Martina Gehret

Igel sind wieder unterwegs. Um satt zu werden, müssen die Stachelritter manchmal mehrere Kilometer zurücklegen. Dabei begegnen ihnen viele Gefahren, warnt der Bund Naturschutz. Eine davon komme sehr leise daher, warnen die Mitglieder des heimischen Bund Naturschutzes: Mähroboter.

Die automatischen Gartenwerkzeuge seien eine Gefahr für Kleintiere im Garten, verhinderten die Entwicklung blühender Artenvielfalt und förderten den Ordnungswahn vieler Gartenbesitzer. Der BN bittet um mehr Mut zur Wildnis: Je vielfältiger der Garten gestaltet ist und je mehr insektenfreundliche Pflanzen darin wachsen, umso wohler fühlt sich der Igel. Wer bereits einen Mähroboter besitzt, sollte die Geräte nur tagsüber arbeiten lassen und längere Zeitintervalle für den Einsatz wählen.

Auf der Suche nach nachtaktiven Laufkäfern

Sobald es dämmert, sind Igel unterwegs. Am liebsten fressen sie nachtaktive Laufkäfer, doch die werden immer weniger. „Manchmal müssen Igel weit laufen, um satt zu werden. Da kommen pro Nacht schnell mal drei Kilometer und mehr zusammen“, sagt Günther Scheler vom Bund Naturschutz Lichtenfels. Der Igel gilt als Insektenfresser, frisst im Frühjahr und Spätherbst aber auch gerne Regenwürmer. Die unglaublich feine Igelnase findet jeden Leckerbissen, auch dort, wo man das Symboltier für naturnahe Gärten nicht vermuten würde, nämlich auf Rasenflächen, die von einem Mähroboter gepflegt werden.

Durchqueren Igel einen von Robotern gepflegten Rasen oder gehen dort auf Beutefang, kann das gefährlich werden. „Igel sind keine Fluchttiere. Nähert sich ein Mähroboter, harren sie aus und warten ab. Einige rollen sich zusammen, doch auch diese Strategie hilft nur großen kräftigen Tieren, die von den Sensoren der automatischen Mäher erkannt werden“, sagt BN-Schatzmeisterin Elfriede Fischer.

Kleinere Igel, Lurche und Reptilien werden nicht als Hindernis erkannt und deshalb überrollt, verletzt oder getötet. „Auch wenn viele Hersteller die Sicherheitsstandards ihrer Roboter-Modelle in den höchsten Tönen loben, bleiben die automatischen Mäher ein großes Risiko für unsere Wildtiere“, so Fischer. Die Naturschützer bitten alle Igelfreunde: Wer nicht auf den Mähroboter verzichten kann, sollte die Mähzeiten unbedingt auf den Tag verlegen und vorab gründlich kontrollieren, ob Tiere gefährdet sein könnten. Das gilt auch für den Einsatz anderer motorisierter Gartengeräte wie Fadenmäher oder Motorsensen in unübersichtlichen Ecken des Gartens.

Obwohl das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ deutlich gezeigt habe, dass sich die Gesellschaft mehr Artenvielfalt wünsche, seien Blumenwiesen in bayerischen Gärten eher die Ausnahme. Fast überall sehe man normale Rasenflächen.

Durch häufiges Mähen verschwinden Kräuter, Wildgräser oder Moose. Knospen werden weggemäht, bevor sie entstehen. Für viele kleine Lebewesen wie Bienen, Hummeln, Grillen oder Schmetterlinge bleibt der „Rasen“ eine grüne Wüste. „Insgesamt haben wir in Bayern eine Gartenfläche von 135 000 Hektar. Eine riesige Fläche, die wir als lebendigen attraktiven Lebensraum oder als langweilige Rasenfläche gestalten können“, , sagt BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt. „Es wäre so einfach ein paar Blumen im ansonsten satten Grün zuzulassen, und schon hätte man Futter für viele Insekten“.

Die beste Lösung wäre deshalb laut Reinhardt, Mut zu etwas mehr Wildnis im Garten zu haben und zunächst durch weniger Mähen der Artenvielfalt eine Chance zu geben. Es gebe immer Ecken im Garten, die man in ein Naturparadies verwandeln könne: Blühränder an den gemähten Rasenflächen, naturnahe heimische Heckenpflanzen, Trockenmauern, Teiche oder Totholzhaufen. „Ein igelfreundlicher Naturgarten mit heimischen Blühpflanzen, Laub- und Reisighaufen zum Verstecken ist ein Paradies – nicht nur für Igel, sondern auch für viele andere Arten. Besonders jetzt dient dichtes Altgras an und unter Sträuchern Igeln oft als Schlafstätte oder auch Jungvögeln als Versteck.“

Reinhardt: „Verzichten Sie auf Mähroboter! Mit Sense oder Spindelmäher verbrauchen Sie zudem keine Fremdenergie. Gestalten Sie den Rest des Gartens naturfreundlich!“

Tipps für naturgemäße Gartenarbeit gibt es hier. (red)

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