PASSEND ZUR BUNDESTAGSWAHL STELLEN DIE BLOGGERINNEN VON KINDERBUCHSTABENSUPPE BÜCHER VOR, DIE KINDERN UND JUGENDLICHE SPIELERISCH IN DIE POLITIK EINFÜHREN. DABEI GEHT'S AUCH UM FRAGEN VON KIDS.

Bücher, die spielerisch in die Politik einführen

Politik, Gesellschaft und Weltgeschehen für verschiedene Altersstufen bieten diese Neuerscheinungen. Foto: Stefanie Fischer

Am 26. September ist Bundestagswahl. Das ist Anlass genug, die Themen Politik, Gesellschaft und Weltgeschehen in den Mittelpunkt zu rücken. Damals als Kinder fragten wir uns selbst, warum die Eltern in kleine, abgetrennte Kabinen gingen, um dort zu malen, aber nicht etwa, um sich darin neu einzukleiden? Und warum blickten sie am Abend so gespannt in den Röhrenfernseher, auf dem große bunte Balken zu sehen waren? Wir hoffen daher, dass die folgenden von uns ausgewählten Buchempfehlungen Ihren Kindern und Enkelkindern ein ganzes Stück vermitteln können, warum wir Erwachsenen (an)gespannt auf die Nachrichten blicken und warum überall so große Fotos von Menschen aufgehängt wurden. Wahlplakate? Laut Kindermund handelt es sich bei manchen verschandelten Modellen mittlerweile eher um „Mal“plakate.

Den Anfang macht das Kinderbuch „Wählt Wolf!“, das 2021 im Picus Verlag erschien. Es versetzt uns beim Lesen auf einen Bauernhof. Dort erleben wir mit, wie sich die Tiere vor der Wahl ihres nächsten Chefs ziemlich unschlüssig sind. Fritz Ferkel? Henriette Huhn? Oder doch die Brüder Maus? Wenn da nicht noch der sympathische Willi Wolf wäre, der wirklich gute Dinge verspricht wie zum Beispiel „Ich werde euer Freund sein!“ Zugegeben, das klingt doch ziemlich gut und genau dieses emotionale Hin und Her aus Vertrauen, Misstrauen, Überzeugung und Ablehnung können bereits Vorschulkinder gut nachvollziehen.

Was es bedeutet, seine Stimme abzugeben und falsch zu liegen

Diese Fabel fördert die Empathie, denn durch die ausdrucksstarken Illustrationen von Magalie Clavelet und entlang der comicartigen Dialoge von Davide Cali erleben die kleinen Zuhörerinnen und Zuhörer, was es bedeutet seine Stimme abzugeben, falsch zu liegen und dann gemeinsam für diesen schicksalhaften Fehler einzustehen. Warum Fehler? Nun ja, die Wahl von Willi Wolf könnte schon irgendwie mit dem Verschwinden von einem Huhn und drei Mäusen so kurz nach seiner Wahl zusammenhängen? Dieser Fall wird sofort untersucht und dabei tritt eine unschöne Wahrheit ans Tageslicht. Ein schonungsloser, aber zugleich humorvoller Blick auf die Thematik Wahlen, was dieses Bilderbuch zu unserem Favoriten für das Vorlesen ab fünf bis sechs Jahren macht.

„Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“ Diese Worte stammen von der jüngsten Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten – der heute mittlerweile 24jährigen Malala Yousafzai, einer pakistanischen Kinderrechtsaktivistin. Im Bilderbuch „Malalas magischer Stift“ (2018 NordSüd Verlag), das wir ab einem Vorlesealter von sechs bis sieben Jahren empfehlen, erzählen und illustrieren das Künstlerehepaar Sébastien Cosset und Marie Pommepuy Malalas Geschichte.

„Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“
Malala Yousafzai, KinderrechtsaktivistinT
Auch grafisch ansprechend: das Bilderbuch „Wählt Wolf!“ aus dem Picus Verlag. Foto: Iris Birger

Die Erzählung beginnt damit, dass sich das Schulkind – inspiriert durch eine TV-Sendung – einen „magischen Stift“ wünscht, mit dem man viele Situationen verzaubern kann, um eine Verbesserung herbeizuführen. Leider verschlechtert sich die Situation in Malalas Land zunehmend: Mädchen sollen nicht mehr zur Schule gehen dürfen, so die Anordnung der dunklen Herrscher. Malala liebt die Schule. Sie greift zum Stift und schreibt ihre Gefühle und Forderungen auf, um öffentlich für das Recht einzutreten, dass jedes Kind, egal ob Junge oder Mädchen, die Schule besuchen darf, um zu lernen.

2012 wurde sie zur Zielscheibe der Taliban und fiel einem Attentat zum Opfer. Wie durch ein Wunder überlebte Malala und tritt weiterhin für die Kinderrechte ein. Seit 2017 ist sie Friedensbotschafterin der UNO. Das „KIMI-Siegel für Vielfalt“ bringt es auf den Punkt: „Sie beweist, dass Widerstand gegen Ungerechtigkeit möglich ist. Dieses Buch macht Mut, sich einzusetzen für eine gerechtere Welt, im Großen und im Kleinen.”

„Wenn ich Kanzler(in) von Deutschland wäre, würde ich...“

Was hilft, wenn ein Thema wie Politik so abstrakt und komplex ist, dass es mit einfach Worten nicht mal eben so im Alltag erklärt ist? Das erfrischende Kindersachbuch „Wie geht Politik? Spannende Antworten auf echte Kinderfragen“, 2021 erschienen im Gabriel Verlag, nimmt Kinder ab neun Jahren mit auf eine Reise quer durch Politik und Demokratie, die Europäische Union und Parteienlandschaft Deutschlands, liefert Erklärungen rund um das Thema Wahl und wie Kinder politisch mitbestimmen können. Alle Fragen, auf die Lisa Duhm kindgerechte und verständliche Antworten parat hält, stammen von Kindern selber, ebenso die cleveren Antworten im Abschnitt „Wenn ich Kanzler(in) von Deutschland wäre, würde ich...“

Ein Buch also, das nicht nur für Kinder gemacht ist, sondern auch von Kindern. Und das wird auch bei den Illustrationen deutlich: Auf spielerisch wirkenden Fotomontagen des Fotografen Jan von Holleben werden Kinder und bunte Requisiten mit einem Bezug zur Frage gekonnt in Szene gesetzt, was sehr ansprechend wirkt und den Text wiederum auflockert. Hier wird erfolgreich Interesse für Politik, Verständnis für demokratische Prozesse und die Beteiligung daran geweckt.

Erinnerung an ein Verbrechen uner der Nazi-Diktatur

Und was hilft gegen das Vergessen, gegen das Verharmlosen einer Zeit voller menschenverachtender Verbrechen? Das Geschehene von damals in Worten festzuhalten, darüber zu sprechen und somit die Taten der Vergangenheit anzuprangern und an die Opfer zu erinnern. Und dies gelingt Kirsten Boie in ihrer Novelle „Dunkelnacht“ (2021 erschienen im Oetinger Verlag, ab 15 Jahren) auf eine beeindruckende Weise: Die auf der wahren Begebenheit der kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges verübten Penzberger Morde beruhende Geschichte der drei fiktiven Hauptfiguren verwebt die persönlichen Perspektiven, Gedanken und Gefühle der Täter und Opfer in der Erzählung auf düstere Weise mit den historischen Fakten. Die in kurzen Szenen und knappen Worten beschriebene Handlung drückt in der verdichteten, einer Dokumentation ähnlichen Erzählweise besonders eindringlich die Dramatik der Geschehnisse aus.

„Sechzehn Ermordete und kein einziger Mörder. Das soll man verstehen“, schreibt Boie im Nachwort. Der Kinder- und Jugendbuchautorin gelingt in diesem Buch das Unvorstellbare in Worte zu fassen und auf einen Abschnitt deutscher Geschichte zu erinnern, der so niemals wieder passieren darf.

Die Bundestagswahl 2021: In ein paar Tagen ist es also wieder soweit. Die Kreuzchen werden gesetzt. Manche haben vielleicht schon per Briefwahl abgestimmt und die Stimmzettel abgeschickt. Dann packen Sie sich doch den ein oder anderen Buchtipp nun auf ihren Wunschzettel. Ihre lokale Buchhandlung oder Bücherei wird sich über Ihren Besuch sehr freuen.

Kinderbuchstabensuppe

Blog, Podcast und Kinderredaktion für Familien, Pädagoginnen und Pädagogen von Iris Birger und Stefanie Fischer. Neugierig? Hier gibt es mehr Infos: Website: www.kinderbuchstabensuppe.de Instagram: www.instagram.com Facebook: www.facebook.com Spotify: open.spotify.com Email: post@kinderbuchstabensuppe.de.
 

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