LICHTENFELS

Blasmusiker Horst Sünkel hofft auf ein Ende der Stille

Jedes Jahr gibt das Jugendblasorchesters Mistelfeld ein Weihnachtskonzert für „Helfen macht Spaß” (Archivbild). Bis Corona kam. Die Blasmusiker am Obermain wollen der Pandemie endlich den Marsch blasen. Foto: Till Mayer

Für Horst Sünkel ist die Blasmusik ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. So engagiert er sich unter anderem als Kreisvorsitzender des Norbayerischen Musikbunds.

„Für unsere Musikvereine und Blaskapelle, für jede einzelne Musikerin und für jeden einzelnen Musiker ist diese Pandemie eine Katastrophe, ja sogar ein Drama. Auch für mich als Kreisvorsitzender ist die Zwangspause eine Zeit, die ich nie mehr erleben will! Beim Hören von Blasmusik bei ,Alexa' oder Blasmusiksendern konnte ich mich im Traum im Festzelt sehen und vor Rührung, vielleicht auch wegen der Traurigkeit, stand mir das Wasser in den Augen. Es wurde uns eine lebenswerte und lebendige Zeit genommen. Mit der anfänglich ruhigeren Zeit zu Beginn der Pandemie, die man durchaus genossen hat, war es ganz schnell wieder gut, und man sehnte sich ins alte Leben zurück und vermisste schon bald die vielen Feste, Feiern und Zusammenkünfte.

Keine Feste, keine Jubiläumsfeierlichkeiten

Keine Musikfeste und andere Jubiläumsfeste, keine persönlichen Gespräche, keine Stimmung im Festzelt, keine qualitativ hochwertigen Konzerte, keine Würdigung und Ehrungen von verdienten Musikerinnen und Musikern – und nicht auf der Bühne sitzen und Musik für die vielen Gäste und Zuhörer machen können. All das, was zu einem lebenswerten Musikerleben dazu gehört, wurde uns rigoros durch diesen Virus genommen.

Der Musikverein Uetzing-Serkendorf, der Musikverein Altenkunstadt und der Musikverein Burgkunstadt planten für ihr jeweiliges Jubiläumsfest zum 50. Geburtstag. Die Verantwortlichen haben erstklassige Programme, die jedes Fest zum Erfolg geführt hätten, zusammengestellt. Dann macht ein Virus alles zu Nichte, und alles wurde erst mal verschoben und letztendlich leider komplett abgesagt.

Ich habe dies sehr bedauert. Da tut einem das Musikerherz verdammt weh! Ich bin ein Mensch und Musiker, der gerne feiert und der sich auf diese und auch auf andere Musikfeste und auf viele, viele Begegnungen mit vielen Menschen wahnsinnig gefreut hat. Gerne hätte ich mich mit jedem Jubelverein und auch Musikvereinen über die gut organisierten und erfolgreichen Jubiläums- und Musikfeste gefreut.

Die Vereine sind auch auf solche Erfolge, was auch das Finanzielle betrifft, angewiesen. Dadurch wird unter anderem die Ausbildung des Nachwuchses finanziert und auch Instrumente angeschafft. Da dies weggefallen ist, sind die Vereine jetzt auf Spenden angewiesen. Denn die Ausbildung ist meist virtuell, um auch den Nachwuchs zu halten, weitergelaufen und es sind Kosten entstanden.

Konzerte für YouTube aufgenommen

Die Blaskapelle Schwürbitz hat mit enormem Aufwand, den überwiegend der Dirigent Michael Stettner zu tragen hatte, virtuelle musikalische Weihnachtsgrüße und sogar sein traditionelles Osterkonzert auf YouTube präsentiert. Die Vereine haben eine musikalische und auch eine gesellschaftliche Aufgabe und haben gerade in diesen besonderen Zeiten mit verschiedenen Aktivitäten den Menschen, wenn auch nur digital, eine Freude gemacht und für Abwechslung in den eintönigen Alltag gebracht. Die Bindung an den Verein stand natürlich auch im Vordergrund.

Bei der Aktion „Musik aus dem Fenster“ hat man zu Beginn der Pandemie und auch zur Weihnachtszeit rege teilgenommen. Doch bei der erst wieder kürzlich angelaufenen Aktion hat den Musikanten die Lust verlassen. Ich selbst muss gestehen, hatte auch nicht mehr diesen Antrieb etwas zu organisieren, was nicht in Präsenz stattfinden konnte. Zoom-Meetings, welcher Anlass auch immer, ist eben nicht mein Ding, und da stehe ich bestimmt nicht alleine da.

Jetzt heißt es, dem Instrument die Treue halten

Die Devise ,Wir lassen uns durch Corona nicht unterkriegen' stand zwar immer bei den Vereinen im Vordergrund. Jedoch muss man mal sehen, wer jetzt noch seinem Instrument und seinem Verein die Treue hält und, nachdem es anscheinend wieder anläuft, noch aktiv dabei ist. Wir brauchen jede Musikerin und jeden Musiker! Die ersten Musikproben fanden bereits im Freien, unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben, wieder statt.

Während der Pandemie wurden Online-Proben, die anfänglich guten Zuspruch fanden, durchgeführt. Ich selbst habe bei einer virtuellen Probe beim Musikverein Uetzing-Serkendorf teilgenommen. Es ist sicherlich eine Möglichkeit in Kontakt zu bleiben, aber der persönliche Kontakt fehlt einfach. Bei den Online-Proben, die vom Dirigenten Petr Horejsi mit enormen Aufwand installiert wurden, erreichte man gerade mal die Hälfte der aktiven Musiker, die leider dann von Probe zu Probe immer weniger wurden.

Die virtuellen Proben und auch die Online-Sitzungen sind in keinster Weise ein Ersatz gegenüber unserer gewohnten Gemeinschafts- und Registerproben sowie Sitzungen und Versammlungen in Präsenz.

Kurz vor dem geplanten Beginn musste der D1-Kurs im Oktober, der zur Erlangung zum Musikerleistungsabzeichen führen soll, eingestampft werden. Jetzt, auf Grund von niedrigen Inzidenzwerten, holen wir den Kurs nach. Man muss die Gelegenheit beim Schopfe packen, wenn auch recht kurzfristig. Die Unsicherheit, wann wird es wieder schlimmer, schwebt hier über einem.

Jetzt die Kurse endlich nachholen

Bewegende Diskussions- und Kritikpunkte bei den virtuellen Vorstands- und Dirigentensitzungen waren immer wieder die mangelnde Unterstützung der heimischen Politik. Hier hätte man sich mehr gewünscht. Wenigstens die eine oder andere Nachfrage von der Bürgermeisterin und Bürgermeistern hätten/haben die Vereinsvorstände hier erwartet. In den Reden unserer Politiker werden unsere Vereine und auch unser Kreisverband als Kulturträger gelobt und jegliche Unterstützung zugesichert, die man brauche und ohne die unsere kulturelle Landschaft und unser gesell-schaftliche Leben viel ärmer wäre.

Nach den immer wiederkehrenden aufmunterten Worten, die man immer wieder bei vielen Veranstaltungen gehört hat, hätte man sich hier Taten gewünscht. Sicherlich sind auch unseren Politikern die Hände gebunden und man kann sich nicht über die gesetzlichen Vorgaben hinwegsetzen. Einfache Nachfragen wie zum Beispiel „Wie geht es bei euch im Verein“ und „Was kann ich für euch tun?“, hätte sich so manche Vorsitzende beziehungsweise Vorsitzender als moralische Unterstützung gewünscht. Es hätte einfach gut getan.

Virtuelle Treffen der örtlichen Vereine zusammen mit dem heimischen Bürgermeister, wie es die Stadt Wallenfels gemacht hat, hätten hier bestimmt so manchen Verantwortlichen etwas aus dem Tief heraus geholt.

Das gemeinsame Proben beginnt wieder

Alle Musikerinnen und Musiker haben sehnsüchtig auf die aktuellen Lockerungen, um wieder ihrem Hobby, unsere Blasmusik, wieder nachgehen zu können, gewartet. Das gemeinsame Proben läuft so langsam wieder an.

Die erste CD des Kreisorchesters kann sich hören lassen. Aber wegen der Pandemie fallen die Konzerte aus, wo sie Abnehme... Foto: Till Mayer

Ein halbes Jahr vor der Pandemie konnten die Aufnahmen und die Produktion der ersten CD unseres Kreisorchesters abgeschlossen werden. Die Probenarbeit, die Aufnahmen, all diese positiven Erlebnisse, die man da erlebt hat, müssen bald wieder möglich sein. Unser Kreisdirigent Christian Stenglein „brennt“ schon wieder für sein Kreisorchester und hätte lieber gestern als heute mit dem Proben angefangen. Der kurz angelaufene Verkauf der CD kam durch die Pandemie zum Erliegen. Der CD-Verkauf bei Konzerten und bei Jubiläumsfesten war fest eingeplant. Es ist eine CD entstanden, die zeitlos ist. Mit dem Kauf der CD unterstützt man die Leseraktion „Helfen macht Spaß“, den Lions-Club Lichtenfels und auch den Kreisverband Lichtenfels des Nordbayerischen Musikbundes. Die CD „Wir spielen für dich“, des Kreisorchesters Lichtenfels gibt es Online bei horst.suenkel@nbmb-online.de.

Die Planungen laufen an

Auch im Kreisvorstand hat man die Hände nicht in den Schoß gelegt und man hatte geplant und organisiert. Die Hoffnung, es kommen bald wieder gute Zeiten und die Proben für die nächsten Projekte können beginnen, wurden leider durch schlechte Inzidenzwerte zu Nichte gemacht. Eigentlich hätten bereits im April Probenwochenenden und auch Probentage mit dem Kreisorchester stattfinden sollen. Auch Konzerte sowie eine mehrtägige Reise sind für 2021 und 2022 bereits wieder geplant.

Ich hoffe und ich wünsche mir, dass wir, also die Musikvereine und Blaskapellen, auf ihre Musikerinnen und Musiker zählen können und die Bevölkerung bald wieder mit der kulturellen Grundversorgung, mit unserer Blasmusik, beschenken können.“

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