COBURG

Bilanzpressekonferenz von Regiomed

Bilanzpressekonferenz von Regiomed
Unter dem Strich zog die Regiomed-Geschäftsführung eine positive Bilanz des laufenden Konsolidierungsprozesses (v. li.): Geschäftsführer Regiomed in Bayern Robert Wieland, Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke, der Coburger Landrat Sebatian Straubel und Michael Musick, Geschäf... Foto: Mathias Mathes

Den finanziell angeschlagenen fränkisch-thüringischen Krankenhausverbund Regiomed sieht Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke auf dem Weg der Konsolidierung. Schulden könnten kontinuierlich abgebaut werden und 2022 womöglich „annähernd eine schwarze Null“ in der Bilanz stehen.

Bei der Bilanzpressekonferenz von Regiomed am Mittwoch im Verwaltungsgebäude des Klinikums Coburg verglich Schmidtke die Sanierung des kommunalen Krankenhauskonzerns mit einer Bergtour. „Es ist ein langer und steiniger Weg.“ Ziel, also der Gipfel, sei ein Verbund, der wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehe und auf einer soliden finanziellen Basis selbst in die eigene Zukunft investieren könne.

„Bis zum Ende des Jahrzehnts droht ein Personalnotstand.“
Alexander Schmidtke, Hauptgeschäftsführer

Wann dieser Gipfel erreicht ist, lasse sich jedoch seriös nicht mit Sicherheit sagen, so der Hauptgeschäftsführer. Angepeilt seien die Jahre 2024 oder 2025. Doch gebe es eine Menge Unwägbarkeiten. Beispielsweise sei völlig offen, wie sich eine neue Bundesregierung die Zukunft der Krankenhäuser vorstellt. „Ich wünsche mir mehr Regionalisierung anstatt Zentralisierung“, sagte Schmidtke. Bislang sei dieser Wunsch jedenfalls nicht in Erfüllung gegangen.

Ein Dauerthema im Gesundheitswesen sei und bleibe der Fachkräftemangel. Werde da nicht gegengesteuert, könne das gravierende Folgen haben. „Bis zum Ende des Jahrzehnts droht ein Personalnotstand.“ Dazu kommt die Pandemie mit dem Pflegeaufwand für Covid-Patienten, während auf der anderen Seite aus Furcht vor Ansteckung so mancher eine stationäre Behandlung nach Möglichkeit vermied.

Positive Prognose für den Krankenhauskonzern

In diesem Spannungsfeld zu sanieren, mache die Sache nicht einfacher, so der Hauptgeschäftsführer. Immerhin: bislang ist es gelungen, die roten Zahlen zu verkleinern. Machte Regiomed im Jahr 2018 noch einen Verlust von rund 25 Millionen Euro, waren es im vergangenen Jahre noch 6,7 Millionen Euro „Miese“. Für das laufende Jahr rechnet Schmidtke mit einem Minus von rund vier Millionen Euro, ein Verlust, der „sehr stark Corona-bedingt“ sei. „Der Sanierungsprozess trägt weiterhin Früchte“, so Schmidtkes Fazit.

Der Klinikverbund lässt den Konsolidierungsprozess von einem Gutachten begleiten. Das gibt nach den Worten des Hauptgeschäftsführers eine positive Prognose. Der Konzern habe das Potenzial, weiter zu gesunden. Bis 2025 könnten „Maßnahmen über alle Bereiche und Einrichtungen“ Einsparungen in Höhe von rund 28 Millionen Euro erbringen.

Gezielt Einsparmöglichkeiten durch Optimierungen schaffen

Bilanzpressekonferenz von Regiomed
Nicht zuletzt die großen Häuser im Regiomed-Verbund, hier das Klinikum Coburg, bieten nach Auffassung der Geschäftsführu... Foto: Mathias Mathes

Ohne Kredite gehe es nach wie vor nicht, erklärte der Hauptgeschäftsführer. Um das Vertrauen der Banken nicht zu verlieren, sei die Begleitung durch ein fortlaufendes Gutachten „unerlässlich“. Die Kassenkredite nannte Schmidtke „das Sicherungsseil bei der Bergbesteigung“.

Einsparpotenziale möchte Regiomed mit einer neu aufgestellten Geschäftsleitung noch gezielter ausfindig machen. So ist Robert Wieland jetzt für die Einrichtungen auf bayerischer und Michael Musick für Regiomed in Südthüringen zuständig. Nach deren Bekunden geht es nicht etwa um Personalabbau, sondern vielmehr um Optimierungen.

Auch in Lichtenfels Abläufe weiter verbessern

Handlungsfelder mit großem Potenzial seien die strategische Ausrichtung des medizinischen Angebots, der zentrale Einkauf sowie die Servicegesellschaft für die Bereiche Logistik, Küche und Reinigung, so Wieland. Nicht zuletzt seien in den großen Krankenhäusern in Coburg und Lichtenfels weitere Verbesserungen in den Abläufen möglich.

Neue Konzepte wie der Ausbau der onkologischen Versorgung im gesamten Verbund oder die Einrichtung eines Zentrums für Endokrinologie in Lichtenfels zeigten Wirkung, ebenso wie die Stärkung der kleinen Standorte Neustadt bei Coburg und Hildburghausen, so Musick. Auch das Krankenhaus in Neuhaus am Rennweg soll gestärkt werden. Geplant sei ein „Gesundheitspark“ mit Klinik, Arztpraxen und medizinischen Dienstleistern. Die Reha-Klinik in Masserberg, 2019 von Regiomed übernommen, sei inzwischen „wirtschaftlich sehr gut unterwegs“.

Struktur

Aktuell ist der Coburger Landrat Sebastian Straubel, CSU, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung von Regiomed. „Wir stehen hinter der kommunalen Struktur und den rund 5500 Beschäftigten von Regiomed“, betonte er. Der Verbund betreibt Krankenhäuser in Coburg, Lichtenfels und Neustadt bei Coburg sowie in Südthüringen in Sonneberg, Hildburghausen und Neuhaus am Rennweg. Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke bekannte sich zur weiteren Angleichung der Vergütungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Wir sind an einem gerechten Vergütungssystem im Konzern interessiert“, erklärte er. Hier seien bereits Schritte erfolgt, weitere hingen aber auch von der laufenden Konsolidierung ab.

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