LICHTENFELS

Beim Korbmarkt Polizisten beleidigt, bedroht und bespuckt

Ausraster mit zwei Promille

Wegen des Vorwurfs des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte musste sich ein 31-jähriger Lichtenfelser Facharbeiter vor dem Amtsgericht verantworten. Beim Korbmarkt war er in eine Schlägerei verwickelt und soll Polizeibeamte nicht nur beleidigt, sondern auch bedroht haben.

Als der Lichtenfelser um 1.55 Uhr eine Kneipe in der Innenstadt besuchte, dauert es keine zehn Minuten bis er in einen Streit verwickelt wurde, der die Polizei auf den Plan rief. Als die Polizisten seinen Ausweis kontrollieren wollten, habe er sie angepöbelt. „Was willst du, verpiss' dich!“, habe er einen Beamten angeherrscht.

„Nachdem ich zehn, zwanzig Sekunden seinen Pass in Händen hatte, sagte er: 'Gib mir meinen Ausweis wieder, du Wichser, oder kannst du nicht lesen'“, sagte ein anderer Polizist aus. Er habe sich nicht anders zu helfen gewusst, als den aggressiven Gast in den Schwitzkasten zu nehmen. Auch weitere herbeieilende Beamte habe der Angeklagte lautstark beleidigt.

Vor allem Polizistinnen hätten sich ordinärste Herabwürdigungen anhören müssen. Die Ausfälle seien mit der Drohung „Ich kaufe mir eine Waffe im Darknet und bring' euch alle um!“ eskaliert. Als er auf die Wache gebracht werden sollte, habe der Angeklagte sich steif gemacht. Nachdem die Beamten ihn mit vereinten Kräften in den Streifenwagen gebracht hatten, habe er sie angespuckt. Und in der Wache habe er mit einer Decke die Toilette der Ausnücherungszelle verstopft, gespült und damit alles unter Wasser gesetzt.

„Ich kaufe mir eine Waffe im Darknet und bring' euch alle um!“
Drohung des Angeklagten im Rausch

„Ich schäme mich für die ganzen Sachen, die ich da losgelassen habe“, entschuldigte sich der Mann kleinlaut. „Als ich die Anklage las, konnte ich es selbst nicht fassen.“ Er sich bei den Beamten dafür bereits mit einem Brief entschuldigt.

Ursache der Ausfälle war wohl der Alkohol. „Drei Gläser Bowle, so 0,3 Liter, dann zweimal Bier … und zu dritt circa 20 Gurkenschnäpse“, habe er konsumiert. Eigentlich sei er in der Kneipe mit einem anderen Gast ins Gehege gekommen. Das habe die Polizei dann unterbunden. Dieser Gast konnte sich an den Vorfall allerdings kaum erinnern. „Wie' s halt so is, a bissla wird getrunken, da hat sich wohl was aufgeschaukelt und mehr weiß ich auch nimmer“, meinte er.

Zweifel hatte Staatsanwalt Daniel Killinger, ob eine Bewährungsstrafe in Frage komme, weil der junge Mann schon mehrfach mit dem Gesetz in Berührung gekommen war und auch eine Haftstrafe verbüßt hatte. Zu seinen Gunsten sprach seine damals schwierige Situation, weil sein Vater schwer erkrankt war, seine Lebensgefährtin ihm das Kind entzogen habe und er unter psychischen Problemen gelitten habe.

Der Angeklagte brauche eine Begutachtung statt einer Haftstrafe, plädierte Rechtsanwalt Roland Kestel. „Ich habe auch erst gedacht, wie ich die Akten zu ihm bekommen habe: 'Das ist doch ein Rindvieh!' Aber mittlerweile muss ich sagen: Das ist ein feiner Kerl“, meinte er. So habe sein Mandant seine Betäubungsmittelsucht überwunden und sich vom Alkohol abgewandt, obwohl er keinen Platz in einer Therapieeinrichtung bekam. Sogar eine Freundin habe er gefunden. Allerdings habe er wegen der Schlägerei einen Rückfall erlitten und den Arbeitsplatz verloren. Ohne Alkohol gebe es auch keinen Anlass, kommende Ausraster zu befürchten, so der Anwalt. Weil eine Haftstrafe ohne Bewährung ihn völlig entwurzeln könnte, sprach er sich dafür aus, den Vorwurf der Bedrohung aus der Anklage zu streichen. Das sei möglicherweise missverständlich geäußert und verstanden worden.

Ist Bewährungbei solchen Taten und Vorstrafen vermittelbar?

„So leid es mir auch tut, ich darf hier nicht emotional werden“, , erklärte der sichtlich mit sich ringende Staatsanwalt. „Es ist schlichtweg unmöglich, einem rechtstreuen Bürger ein Urteil mit Bewährung zu erklären.“ Killinger forderte daher eine Haftstrafe von 21 Monaten ohne Bewährung. Für 18 Monate zur Bewährung und mit allerlei Auflagen plädierte der Verteidiger.

Richterin Daniela Jensch verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von 21 Monaten, allerdings zur Bewährung. Vier Jahre dauert die Bewährungszeit unter Aufsicht und der Angeklagte muss außereine Geldauflage von 1000 Euro zahlen.

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