KRONACH/HOF

Autonomes Fahren bietet Potenzial in Oberfranken

In Kronach, Hof und Rehau werden autonom fahrende Busse getestet. Welche Chancen die Shuttle-Modellregion Oberfrankenbietet, diskutierte das Demographie-Kompetenzzentrum Oberfranken kürzlich online mit Akteuren aus Politik, Forschung und Wissenschaft.Fotos: Valeo Foto: Ayhan Tunali

In Oberfranken entwickelt sich ein neues, vielversprechendes Zukunftsfeld im Bereich der Mobilität: das autonome Fahren. Wissenschaft, Politik und Wirtschaft arbeiten eng verzahnt zusammen und schaffen gegenseitig Synergien, von denen langfristig nicht nur Oberfranken profitieren wird. Dies zeigte das kürzlich veranstaltete 12. Fachforum des Demographie-Kompetenzzentrums Oberfranken (Demko). An der Online-Podiumsdiskussion nahmen Akteure aus Politik, Forschung, Wissenschaft und Verwaltung teil. Mehr als 80 Zuschauer verfolgten die Diskussion per Livestream.

In Kronach werden bald autonom fahrende Shuttles unterwegs sein. Foto: Valeo

In Hof, Rehau und Kronach werden die Shuttles ohne Fahrer bereits im Rahmen der Shuttle-Modellregion Oberfranken getestet. Neue Studiengänge der Hochschulen und Universitäten der Region beschäftigen sich intensiv mit den neuen Technologien, am Lucas-Cranach-Campus in Kronach nimmt zudem der Studiengang „Autonomes Fahren“ ab dem Sommersemester 2021 den Lehrbetrieb auf.

Die Vorsitzende von Oberfranken Offensiv, Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, betonte: „Wir arbeiten als Region daran, das Gesamtpaket Oberfranken attraktiv zu gestalten. Dafür ist es wichtig, dass wir deutlich machen, dass auch in ländlichen Regionen und nicht nur in Ballungsräumen die Zukunft zu Hause ist. Deshalb ist es ein besonders wichtiges Signal, wenn ein Unternehmen wie Valeo seinen Forschungsstandort nach Oberfranken, in den Landkreis Kronach, verlegt.“

Valeo Standort Kronach
Jörg Schrepfer, Valeo. Foto: Katrin Denkewitz

Die Gründe dafür erklärte Jörg Schrepfer, Leiter der deutschlandweiten Fahrassistenzforschung von Valeo: „In Oberfranken haben wir eine ganz besondere Landschaft von Firmen, von vorhandenem Know-how und hervorragenden Hochschulen.“ Dies seien wichtige Voraussetzungen, um ein optimales Umfeld für Projekte dieser Art zu schaffen und Fachkräfte zu sich zu holen und zu halten. Diese Entwicklungen stärken den Innovationsstandort Oberfranken nachhaltig – eine Region, die, bezogen auf ihre Einwohnerzahl, die zweitstärkste Industriedichte Europas hat.

Vom Nutzen der neuen Technologie überzeugen

Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz. Foto: Red

Der Kronacher Landrat Klaus Löffler ergänzte: „Wir wollen die Zukunft gestalten. Und gemeinsam mit unseren Partnern können wir die Zukunft unserer Heimat gestalten.“ Im Rahmen der Diskussion ging der Blick auch außerhalb der Region. An dem Webinar nahm auch die Bürgermeisterin von Bad Birnbach, Dagmar Feicht, teil. In ihrer Gemeinde in Niederbayern ist der autonome Shuttle bereits seit drei Jahren im Einsatz und schließt damit eine Lücke im Öpnv zwischen Bahnhof und Ortskern. „Der Bus hat auch viel Mobilität gebracht. Und durch die Anbindung an den Bahnhof haben wir jetzt auch wirklich die letzte Meile geschlossen.“ Die Bürgermeisterin sprach auch über die anfängliche Skepsis in ihrer Region. „Es ist ganz wichtig, die Bevölkerung mit ins Boot zu holen und sie permanent zu informieren.“

Ein wichtiger Punkt, den auch Professor Joachim Riedl, Leiter der Forschungsgruppe Empirical Research & User Experience am Iisys – Institut für Informationssysteme der Hochschule Hof, in der Diskussion näher beleuchtete. Er setzt sich mit Interaktion zwischen Menschen und Maschinen auseinander. „Neue Technologien verkaufen sich nicht von selbst.“ Man müsse die Technologie so aufbereiten, dass die Menschen einen Nutzen darin sehen. „Es ist ein bisschen typisch deutsch, dass wir am Anfang vor allem die Probleme sehen, die eine neue Technologie mit sich bringt und dass die Technik uns erst überzeugen muss, damit wir am Ende erkennen, dass es doch geht.“ Dabei spielt die Sicherheit der Fahrzeuge eine wichtige Rolle.

Auch viele Zuschauerfragen beschäftigten sich mit diesem Thema. Dr. Thomas Huber, Leiter Innovative Verkehrskonzepte DB Regio Bus, Ingolstadt: „Ziel von uns allen ist, dass wir das autonome Fahren in sicheren und sinnvollen Schritten weiterentwickeln werden.“

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer auch in Bezug auf den Öpnv: Die Shuttles sollen diesen nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. Mit einem Standardlinienverkehr lassen sich Umwege oder individuelle Wünsche nicht realisieren. Dies könnte aber bei den autonomen Shuttles ein Vorteil sein. Professor Joachim Riedl: „Es steht außer Frage, dass das autonome Fahren die Zukunft ist.“

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