COBURG

Ausstellung in Coburg: Grenzgänger in Glas

Das Gewölbe unter dem Herzoginbau präsentiert sich als Labor für junge Glaskünstlerinnen und -künstler. Foto: Kunstsammmlungen der Veste Coburg

Die Ausstellung „Glass Works“ folgt Glasmachern und Künstlern kreuz und quer durch Europa und zeigt, wie sich ein spannendes Kulturerbe in die Zukunft führen lässt. Nun ist die spannende Exposition in der Coburger Veste zu sehen.

Prag, Brünn, Nürnberg, Breslau – dies sind nur einige Stationen, an denen Conradus Glaser seine leuchtend-bunten Kirchenfenster verwirklichte.

Von der Waldglashütte und internationalen Auftraggebern

Dazu musste er nicht nur mit dem künstlerischen Zeitgeist der europäischen Gotik vertraut sein und sein Handwerk beherrschen. Gut vernetzt zu sein mit heimischen Waldglashütten und internationalen Auftraggebern, mit Produktionsstätten und Märkten war für einen böhmischen Glasmaler des 14. Jahrhunderts ebenso wichtig wie zum Beispiel für die französische Glasmacherfamilie Greiner oder den österreichisch-slowenischen Glasgraveur Franz Welser auf ihren Arbeitswegen nach Italien, Ostdeutschland oder in die Steiermark.

Dasselbe gilt für die russische Künstlerin Maria Koshenkova, die in Dänemark zuhause und in Europa und Übersee für ihre gläsernen Werke unterwegs ist. Glas ist global und lebt aus dem Miteinander von Kunst, Handwerk und dem alten Können der Glashütten. Und wer hätte gedacht, dass es der Glasmacher Karl Paternoster aus dem ostbayerischen Glasmacherort Frauenau war, der 1965, zusammen mit dem Künstler Erwin Eisch, den Pionieren der Internationalen Studioglasbewegung in einer Garage im US-amerikanischen Wisconsin das Glasmachen beibrachte?

Diese und andere Weggeschichten von Grenzgängerinnen und Grenzgängern im Glas stehen im Zentrum der Wanderausstellung „Glass Works. European Glass Lives in Craft, Art and Industry“, die ab sofort im LABOR auf der Veste Coburg zu sehen ist.

Daneben werden fünf europäische Glasregionen mit ihren ganz unterschiedlichen Traditionen, vor allem aber ihren Beziehungen und Zukunftspotentialen portraitiert: Ostbayern, Tschechien, Elsass-Lothringen, Dänemark und die Steiermark. Entstanden ist die Schau im Rahmen des europäischen Partnerprojekts „Glass Works. Taking Roots through Training and Networking“, das maßgeblich von der Europäischen Union und dem Bayerischen Heimatministerium gefördert wird.

Von 2019 bis 2022 geht es dabei jedoch nicht nur um die Dokumentation des immer schon grenzüberschreitenden und „traditionell innovativen“ Kulturerbes der künstlerisch-handwerklichen Glasgestaltung. So werden neben zukunftsweisenden Manufaktur-, Design- und Handwerksprodukten der fünf Glasregionen auch Kunstobjekte von neun jungen Glasschaffenden aus verschiedenen Ländern und Glasszenen präsentiert. Als Stipendiatinnen und Stipendiaten haben sie von Oktober 2020 bis März dieses Jahres ein Start-up-Training in den Werkstätten des Bild-Werk Frauenau absolviert, einer weltweit vernetzten Einrichtung, die vor allem durch ihre internationale Sommerakademie für Glas und Kunst bekannt ist.

Angeleitet und betreut vor Ort, sowie in Online-Vorträgen und Workshops haben sie an ihrer ganz eigenen gläsernen Handschrift gearbeitet und sich von erfahrenen Glas-Protagonisten ebenso inspirieren lassen wie von tschechischen und skandinavischen Modellprojekten. Passend dazu haben sie ihre ganz unterschiedlichen Geschäftsideen und Karriereentwürfe entwickelt: So etwa der Glasmacher und Kunsthandwerker mit dem Traum vom eigenen Glasofen, die Designerin, die ihre keramischen Wurzeln ins Glas hinüberwachsen lässt, oder die Konzeptkünstlerin, die sich die Ausdrucksvielfalt von Glas in der Zusammenarbeit mit Handwerkern zunutze macht.

Können und Traditionen ausgetauscht

Die wichtigste Erfahrung, die die jungen Leute aus dem Corona-Winter im Bayerischen Wald mitgenommen haben, war es zu erleben, wie sie als vielsprachige Gruppe zusammengewachsen sind. Sie haben gelernt, sich mit ihrem Können und ihren verschiedenen Glastraditionen auszutauschen und zu unterstützen - und damit ihren Weg auf den Spuren der Glasleute in Europa machen. Damit sprechen sie den Initiatoren des Pilotprojekts „Glass Works“ aus der Seele. Immerhin sollen am ostbayerischen Standort Frauenau auch langfristig die Voraussetzungen geschaffen werden, dass Glasleute gemeinsam lernen, sich international vernetzen und vermarkten. Darüber hinaus setzt man darauf, dass die traditionellen Glasregionen sich auf ihre Stärken und Synergien in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit besinnen.

Yann Grienenberger, Geschäftsführer des Internationalen Glaskunstzentrums Meisenthal im französischen Lothringen, einer Region, die in der Ausstellung vorgestellt wird, betont, dass eine Glastradition täglich mit den Augen eines zeitgenössischen Schöpfers, Designers und Künstlers neu gesehen werden müsse, um nicht einzuschlafen und zu sterben. Historiker, Designtheoretiker, Glasmacher, Politiker – all diese Welten müssen zusammenkommen und kreuz und querdenken. Innovation kommt aus der Fähigkeit, grenzüberschreitend zu arbeiten.

Frisch aus Dänemark eingetroffen

Die Wanderausstellung „Glass Works. European Glass Lives in Craft, Art and Industry“ wurde am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Graz in Zusammenarbeit mit dem Bild-Werk Frauenau und der Königlich Dänischen Kunstakademie Kopenhagen konzipiert. Von der dänischen Glasinsel Bornholm kommend, wird die Ausstellung bis 12. September 2021 im LABOR auf der Veste Coburg zu sehen sein. Anschließend wandert sie über die Handwerkskammer München weiter nach Graz und von dort ins Glasmuseum Frauenau.

Die Autorin: Prof. Dr. Katharina Eisch-Angus ist Leiterin des Instituts für Kulturanthropologie & Europäische Ethnologie der Karl-Franzens-Universität Graz, Vorstand im Bild-Werk Frauenau und Mitorganisatorin des Projekts Glass Works.

Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten sind täglich von 9.30 bis 17 Uhr. Besucherinnen und Besucher können sich unter Tel. (09561) 87933 anmelden beziehungsweise müssen sich vor Ort registrieren. Die Wiederaufnahme von Vermittlungsveranstaltungen (Rundgänge im Außenbereich, nach Voranmeldung) ist ab Samstag, 12. Juni, geplant.

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