BURGKUNSTADT

Ausstellung „erschüttert“ am Gymnasium Burgkunstadt

Rund 60 Schülerinnen und Schüler des Gymnasium setzten sich mit der Ausstellung „erschüttert“ und dem Vortrag von Autor Till Mayer auseinander. Der OT-Redakteur wurde auch zum „Schule ohne Rassismus-Paten“ des Gymnasiums ernannt. Foto: Gabriele Görlich

Die Ausstellung „erschüttert“ der Hilfsorganisation „Handicap International“ war gut drei Wochen im Gymnasium Burgkunstadt zu sehen. Erzählt werden mit Fotos und Features die Geschichten von Menschen, die den Folgen des Kriegs die Stirn bieten. Vor allem die Schülerinnen und Schüler der Q11 setzten sich intensiv mit der Ausstellung auseinander. So hielt der Ausstellungsautor Till Mayer einen Vortrag vor rund 60 Jugendlichen. Im Anschluss wurde der OT-Redakteur zum Paten des Projekts „Schule ohne Rassimus, Schule mit Courage“ ernannt. Vier Schülerinnen berichten, ob und wie der Vortrag und die Ausstellung sie erschüttert haben.

Inspirierend: In eigener Not noch anderen helfen

„Die Geschichten der einzelnen Personen zu hören und mithilfe der Bilder diese auch hautnah erleben zu können, war sehr ergreifend. Sie haben einem vor Augen geführt, wie trivial unsere Sorgen des Alltags im Vergleich zu denen anderer Jugendlicher in Krisengebieten auf der ganzen Welt sind, die täglich um ihr Leben und Wohlergehen fürchten müssen.

Nach dem Vortrag weiß man seine eigene Lebenssituation zu schätzen, vor allem erkennt man, wie privilegiert man ist, wenn man in einem Land lebt, in dem kein Krieg herrscht.

Inspirierend war auch, als Till Mayer von einigen Personen erzählte, die nun anderen Menschen in einer ähnlichen Situation helfen. Ein Beispiel dafür ist der 34-jährige Osama, welcher aktuell im Libanon lebt. Aufgrund eines Raketenanschlags in Syrien hat er eine Querschnittslähmung erlitten und hilft nun anderen Flüchtlingen mit Behinderungen.

Zum Schluss hatten wir die Möglichkeit unsere Ansichten und Emotionen zu äußern und offene Fragen mit Herrn Mayer zu besprechen.“

Celina Schnapp und Elena Eichner

Ein Vortrag, der so ganz anders ist

„Als wir erfahren haben, dass wir am Montagmorgen einen Vortrag zur Ausstellung ,erschüttert' von Till Mayer hören werden, dachte ich, das wird bestimmt ähnlich wie manch andere Vorträge.

Doch als Till Mayer dann zu erzählen anfing und einige seiner Bilder zeigte, merkte ich, dass dieser nicht ansatzweise so wie andere Vorträge sein würde. Till Mayer berichtete, dass es momentan rund 30 Kriege und bewaffnete Konflikte auf der Welt gibt. Das ist eine sehr hohe Anzahl, vor allem, weil man nur von circa zwei bis drei Kriegen durch die Medien weiß. Als er erzählte, dass manche Soldaten sogar in unserem Alter seien und kämpfen müssen, war ich ganz schön erschrocken.

Allein die Vorstellung, mit einer Waffe zu schießen und dann eventuell auch noch auf andere Menschen zu zielen, ist absolut erschreckend.

Für mich ist das unvorstellbar, doch für all die jungen Männer und Frauen ist das die Realität.

Als ich das realisiert habe, ging es mir ganz schön unter die Haut. Und als Till Mayer dann die Geschichte von Shahed, einem irakischen Mädchen, erzählte, lief mir ein Schauer über den Rücken. Sie hat bei dem Fluchtversuch ihrer Familie ein Bein verloren und dabei ihre Mutter und ihren Bruder verloren.

Eine Sprengfallen-Explosion war für ihren Tod verantwortlich.Es muss sehr schwer für die Familie sein, in einem Kriegsgebiet zu leben und mit dem Verlust umzugehen.

Die Ausstellung von Till Mayer zeigt die Geschichten vieler verschiedener Menschen, die im Krieg leben und Schlimmes erlebt haben.

Beim Lesen wird man wirklich traurig, und ich hoffe für all diese Menschen, dass es ihnen gut geht und der Krieg bald aufhört.

Till Mayers Ausstellung zeigt uns, wie das Leben in Kriegsgebieten sein kann und lehrt uns, wie gut wir es doch haben in einem friedlichen Land zu leben.“

Katharina Rühr

Vom Krieg berichten, damit sich etwas ändert

„In ungefähr zwei Jahren bin ich mit der Schule fertig. Was ich danach tun will? Keine Ahnung. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass ich bis dorthin noch am Leben bin. Dass das für viele Menschen nicht selbstverständlich ist, ist mir durch diesen Vortrag bewusst geworden. Planen, was man nach dem Kriegsdienst machen will, das passiert nicht so häufig.

Denn wenn man direkt an der Front kämpft, kommt es vor, dass man einen Arm oder ein Bein verliert oder gar stirbt. Und das schon als junger Mensch. Doch Herr Mayer hat uns von einer freiwilligen 19-jährigen Soldatin erzählt, die tatsächlich schon wusste, was sie nach ihrem Dienst machen will. Ich hoffte sofort, dass sie ihre Zukunft so leben kann, wie sie es sich gewünscht hat, aber dann habe ich erfahren, dass die Soldatin bald nach dem Interview mit Herrn Mayer bei einem Granateinschlag starb.

Die vier Gymnasiastinnen Celina Schnapp, Elena Eichner, Katharina Rühr und Letizia Reuther beschreiben, wie die Ausstell... Foto: Till Mayer

Solche sehr emotionalen Berichte waren Teil des Vortrags und haben mich dann auch echt traurig gestimmt. Denn dass eine Familie zur Hälfte in die Luft gesprengt wird, nur weil sie vor grausamen IS-Kämpfern fliehen will, finde ich echt brutal. Dass es so etwas heutzutage noch relativ häufig gibt, war mir nicht bewusst. Durch den Vortrag wurde uns sehr nahegebracht, was so ein Unfall für Folgen haben kann, zum Beispiel, dass eine Jugendliche mit nur noch einem Bein plötzlich die Mutterrolle übernehmen und sich dadurch schon in ihrem jungen Alter wie eine Erwachsene verhalten muss. Und so geht es leider sehr vielen Menschen auf dieser Welt, das ist mir Dank dieses Vortrags bewusst geworden. Wir können hier alle ein sehr privilegiertes Leben führen, und daher finde ich es besonders wichtig, dass man sich trotzdem mit diesen schwierigen Themen auseinandersetzt. Und genau das hat der Vortrag bei mir bewirkt.

Anschließend habe ich mir dann noch die Plakate zu den Geschichten der Personen angeschaut, in denen noch einmal detailliert stand, was diese Menschen erlebt haben. Durch die Bilder konnte man deren Realität in den eigenen Raum holen und nachempfinden, wie die Personen sich in diesem Moment gefühlt haben mussten. Je mehr Menschen auf dieses Thema aufmerksam gemacht werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass etwas dagegen unternommen wird. Denn jeder von uns findet bestimmt etwas, durch das er/sie zumindest einen kleinen Beitrag zur Verbesserung solcher Situationen leisten kann.“

Letizia Reuther

Zur Ausstellung

Die Protagonisten der Ausstellung „erschüttert“ von Till Mayer und Handicap International haben eines gemeinsam, ihre Leben wurden durch den Krieg erschüttert. Da ist der Bauer aus dem Kongo, der bei der Explosion einer Granate ein Bein verliert. Die alte Frau aus dem Dorf nahe der Frontlinie in der Ostukraine, in dem fast nur noch Greise geblieben sind. Oder das Mädchen im Irak, das ein Bein, den Bruder, die Mutter verliert, weil Kämpfer ihre Heimat Mossul mit Sprengsätzen verseucht haben. Die Ausstellung kann von Schulen, Verbänden, Ämtern und Organisationen unter www.erschuettert.org ausgeliehen werden. Sie wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert.

Handicap International (HI) ist eine gemeinnützige Hilfsorganisation, die in rund 60 Ländern aktiv ist. Vor allem Menschen mit Behinderung werden weltweit unterstützt, oft in Kriegs- und Krisengebieten. Die Organisation kämpft für eine Welt ohne Minen und Streubomben sowie gegen Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung. HI ist Co-Preisträgerin des Friedensnobelpreises von 1997.

Till Mayer setzt sich als (Foto-)Journalist mit den Langzeitfolgen von Kriegen auseinander. Für sein Engagement wurde der OT-Redakteur mehrfach ausgezeichnet. Bei den BRK-Kreisverbänden Lichtenfels und Bamberg engagiert er sich als Konventionsbeauftragter.

Im Internet: www.erschuettert.org, www.handicap-interantional.de sowie www.tillmayer.de.

 

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