LICHTENFELS

Aus dem Amtsgericht: „Aus Affekt“ Spendenboxen gestohlen

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Eine karitative Ader scheint der Mann nicht zu haben. Beginnend mit dem 3. Oktober und für die Dauer von knapp vier Wochen, sackte er im vergangenen Jahr an zumeist Lichtenfelser Tankstellen Spendenboxen mit Münzgeld für sich ein. Unbemerkt blieb das nicht, jede Menge Kameras überführten ihn des Diebstahls. Am Freitag kam der Fall des Mannes aus dem Kulmbacher Raum vor Gericht.

Da saß kein Mann, der wirkte, als sei ihm egal, was Staatsanwalt Mario Geyer ihm anlastete. Zugegeben, insgesamt fünf Mal nahm er in Lichtenfels und auch in Rödental Spendenboxen an sich, aber das eher aus mangelnder Impulskontrolle. „Ich bin mir der Konsequenzen nicht bewusst“, erklärte der 34-Jährige mit den auffälligen Tattoos. Was er damit meinte, konkretisierte er so: „Ich gehe da hin und denke mir: Pfff – es ist aus Affekt.“ Dies ergab 27 Euro Spendenboxinhalt hier, 100 Euro dort, 40 Euro hier, 50 Euro dort und so weiter. Insgesamt sackte der Täter rund 210 Euro ein, einmal auch unter Zuhilfenahme eines Nagelknipsers, mittels dessen er eine Sicherungskette durchknipste.

„Ich habe eine bipolare Störung und war nicht medikamentiert.“
Der Angeklagte

Doch auffällig war, wie wenig ihm die Kameras bedeuteten und wie wenig er sich vor ihnen zu hüten schien. „Ich habe eine bipolare Störung und war nicht medikamentiert“, gab er zu seinem Tun preis. Darunter zu leiden hatten im übertragenen Sinne ebenso portugiesische Straßenhunde wie Kinder in Not.

Doch gab es neben mangelnder Impulskontrolle auch eine Grund für die Taten? Danach erkundigte sich Richterin Daniela Jensch, und was sie als Antwort erhielt, war ein Bündel an Erklärungen. „Ich hatte mit der Familie Probleme, mit meiner Steuerung – es hat alles mit reingespielt.“

Mehrere tausend Euro Schulden sind auch ein Grund

Dass es allerdings auch einen durchaus konkreten finanziellen Hintergrund gegeben haben könnte, darauf verwies Geyer. Denn der Angeklagte hatte auch mehrere tausend Euro Schulden. Und wenn er schon steuerlos war, so war er das doch zumeist im Zusammenhang mit Vermögensdelikten. Auch das durfte sich der Mittdreißiger von Geyer anhören. Hierzu bemerkte er, dass er sich aus gewissen Kreisen gelöst habe. Mehr noch: „Ich arbeite jetzt zehn Stunden am Tag.“

Von so etwas wie einem Beschönigen oder Bestreiten seiner Taten war der Angeklagte weit entfernt. Von vornherein signalisierte er Richterin Daniela Jensch und Staatsanwalt Geyer, dass an den ermittelten Vorwürfen genug dran ist. „Ja, ich gebe es ja zu“, so der im Bauhauptgewerbe tätige Mann, der überhaupt ruhig und verständig wirkte. Ein diesen Fall behandelnder Polizist sollte während der Verhandlung die Vermutung äußern, dass der Angeklagte auch für einen ähnlichen Vorfall in Himmelkron verantwortlich sei.

Neun Monate Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von 1500 Euro

Wie es sich für ihn anfühlt, derlei Dinge zu tun, beschrieb der Mann so: „Als ob man jemand anderer ist.“ Eingedenk seiner fünf Vorstrafen plädierte Geyer trotz der bipolaren Störung für eine Freiheitsstrafe. Diese könne zwar zur Bewährung ausgesetzt werden, aber eine solche Strafe sollte es auch darum sein, weil es zum wiederholten Mal zu einem Vermögensdelikt kam. Neun Monate Haft zur Bewährung und bei Zahlung von „einem Monatsnetto“, suchte Geyer zu erwirken. Dabei konkretisierte er die Geldstrafe auf 1500 Euro.

Exakt dieses Urteil sprach auch Richterin Jensch aus. Drei Jahre lang wird der Verurteilte unter Bewährung stehen, und ein Jahr lang hat er Kontakt mit einem Bewährungshelfer zu halten.

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