LICHTENFELS

Auf zwei Rädern in die Freiheit und gesund zurück

Tipps für einen Start in eine sichere Motorradsaison gibt die Polizei. Foto: Honda

Bereits im März lockten die ersten Sonnenstrahlen und die trockene Witterung einige Motorräder zurück auf Oberfrankens Straßen. Spätestens im April wird der offizielle Saisonstart eingeläutet. Leider verlor auch in diesem Jahr bereits ein Biker sein Leben. Damit möglichst alle Zweiradfahrer nach ihrer Tour wieder gesund von ihrer Maschine absteigen, gibt die Polizei nützliche Tipps und Hinweise.

Dass der Traum auf zwei Rädern ein schönes, aber auch ein gefährliches Hobby ist, beweist der Blick in die oberfränkische Unfallstatistik des vergangenen Jahres. Erfreulich ist hier, dass die Verkehrsunfälle mit motorisierten Zweirädern um neun Prozent auf 552 zurückgegangen sind. Acht der daran beteiligten Zweiradfahrer kehrten jedoch nicht mehr von ihrer Tour zurück, weil sie tödlich verunglückt waren.

Weitere 490 erlitten bei Unfällen mit ihren Maschinen zum Teil erhebliche Verletzungen. Somit war fast jeder dritte Verkehrstote auf zwei Rädern unterwegs, mehr als jeder siebte verletzte Verkehrsteilnehmer war motorisierter Zweiradfahrer. Um diese bedrückenden Zahlen weiter zu senken, setzt die oberfränkische Polizei auf Aufklärung, aber auch auf Kontrollen.

Ihr wichtigster Tipp: Starten Sie vorsichtig und mit Bedacht in Ihre ersten Kilometer des Jahres 2022. Gönnen Sie sich die Zeit, sich wieder an ihr Bike zu gewöhnen. Statistisch gesehen ereignen sich viele der schweren Unfälle während der ersten 500 gefahrenen Kilometer.

Wer eine längere Pause hinter sich hat oder als Neueinsteiger auf der Sitzbank Platz nimmt, ist gut beraten, ein Motorradsicherheitstraining zu absolvieren. Die Kurse sind häufig kostenlos und bringen über den Winter „eingerostete“ Zweiradfahrer wieder in Schwung. Informationen zu Trainings in der Nähe gibt's beispielsweise beim ADAC, der Verkehrswacht oder den örtlichen Fahrschulen.

Kontrollen und Präsenz für ein sicheres Miteinander

Das oberste Ziel der oberfränkischen Polizei ist die Sicherheit auf den Straßen, damit alle wieder gesund nach Hause kommen. Da die „Unfallursache Nummer eins“ nach wie vor zu schnelles Fahren ist, wird die Polizei auch in der diesjährigen Saison neben flächendeckenden Geschwindigkeitsmessungen, insbesondere an Unfallschwer- und -gefahrenpunkten, die Einhaltung der Limits kontrollieren und Temposünder zur Rechenschaft ziehen.

Da für ein sicheres und friedvolles Miteinander auf den oberfränkischen Straßen die gegenseitige Rücksichtnahme ein wesentlicher Faktor ist, ergänzen Schwerpunkteinsätze und lokale Präventionsaktionen die Überwachungsmaßnahmen. Die Motorradsternfahrt musste zwar auch im Jahr 2022 aufgrund der Pandemie auf das nächste Jahr verschoben werden, die Polizei Oberfranken wird aber dennoch mit kleineren Events präsent sein, um das Bewusstsein für gegensätzliche Interessen auf allen Seiten zu schärfen.

Mit Aufklärung gegen rücksichtsloses Fahren

Brüllende Auspuffanlagen, aufheulende Motoren oder rücksichtslose Fahrweisen führen besonders in beliebten Ausflugsregionen immer wieder zu Beschwerden und Konflikten, deren Konsequenzen letztlich alle tragen müssen. Die Polizei setzt daher auf Verständnis und Aufklärung, im Falle einzelner Unbelehrbarer aber im gleichen Atemzug auf konsequente Verfolgung. Wann und wo die einzelnen Informationsangebote und Veranstaltungen stattfinden, wird noch rechtzeitig bekannt geben.

Letztlich liegt es an jedem Einzelnen, die Gefahren und Risiken im Miteinander des Straßenverkehrs zu minimieren und Lärmbelästigungen zu vermeiden. Im Vertrauen auf diese Umsicht und das jeweilige Verantwortungsbewusstsein wünscht das Polizeipräsidium Oberfranken allen Bikern einen gelungenen Saisonstart und allzeit eine unfallfreie und sichere Fahrt.

Mensch und Maschine fit für die Saison machen

Die fahrbaren Untersätze schlummerten in der Winterpause zumeist wenig beachtet in ihrem Winterquartier. Vor dem ersten Start gilt es daher, die wichtigsten Punkte zu checken, um auf einem sicheren Gefährt die Frühlingssonne zu genießen:

Bereifung: Haben die Pneus noch genug Profil, um auch bei einem unerwarteten Regenschauer noch genügend Haftung auf der Straße zu vermitteln? Mindestens 1,6 Millimeter sind am Motorrad übrigens gesetzlich vorgeschrieben. Sind die Reifen noch „frisch“? Mit den Jahren verliert der Gummi an Geschmeidigkeit und Haftvermögen. Überalterte Reifen sollten daher unabhängig von ihrer Profiltiefe ausgetauscht werden. Gleiches gilt bei sichtbaren Beschädigungen oder Rissen im Gummi. Zu guter Letzt muss der Luftdruck stimmen. Während der Standzeit in den kalten Monaten hat sich dieser meist verringert, ein Blick in die Bedienungsanleitung verrät den richtigen Wert. Hier führt kein Weg am geeichten Füllgerät vorbei. Der bloße Blick auf den Reifen kann erheblich täuschen und so zu gefährlichem Fahrverhalten führen.

Bremsen: Sind die Bremsbeläge noch dick genug? Sind alle Leitungen und Schläuche intakt und dicht? Wie steht es um die Bremsflüssigkeit selbst? Nicht nur ein zu geringer Füllstand, auch überalterte Bremsflüssigkeit kann zu einem spontanen Totalausfall der Bremse führen. Setzen Sie hier ein besonderes Augenmerk, ihre Bremse kann und muss im Ernstfall ihr Leben retten.

Beleuchtung: Leuchtet alles, was leuchten muss? Gerade Motorräder werden aufgrund ihrer schmalen Silhouette häufig übersehen, was immer wieder zu schweren Kollisionen führt. Scheinwerfer, Schluss- und Bremslicht sorgen für Sichtbarkeit und damit für Sicherheit. Sie müssen funktionieren und sauber sein. Auch lohnt ein Blick auf die seitlichen und hinteren Reflektoren. Sie sind beim unbeleuchteten Motorrad die einzige Chance, bei Dunkelheit gesehen zu werden.

Bekleidung: Ist die Maschine fit, geht es zum Fahrer selbst. In welchem Zustand ist die Schutzkleidung? Wie alt ist der Helm? Während das Tragen eines geeigneten Schutzhelms gesetzlich vorgeschrieben ist, kann es zur Motorradkombi mit Protektoren nur eine eindringliche Empfehlung geben. Tragen Sie auch auf kurzen Strecken immer Ihre vollständige Schutzkleidung! Eine Jeans oder eine dünne Jacke schützen beim Sturz – auch aus geringen Geschwindigkeiten – nicht. Im Übrigen erhöhen reflektierende Elemente an der Kleidung des Fahrers selbst die Chance, rechtzeitig gesehen zu werden, erheblich. Nutzen Sie diese Möglichkeit und verschaffen Sie sich einen optischen Vorteil im Straßenbild.

Der Fahrer: Der letzte kritische Blick sollte dem Menschen auf der Maschine selbst gelten. Bin ich fit genug, um aufs Motorrad zu steigen? Fühle ich mich in der Handhabung meines Fahrzeugs ausreichend sicher?

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