LICHTENFELS

Auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen

Gewalt gegen Frauen
Der 25. November ist der Internationale Tag „Nein! Zu Gewalt an Frauen“.Symbolfoto: dpa/Maurizio Gambarini Foto: Maurizio Gambarini (dpa)

Es ist wieder November, Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag und Totensonntag. Das ist bekannt und viele Menschen, Christeninnen und Christen sowie andere begehen diese Tage mit Friedhofsbesuchen, mit Gedenken und mit Besinnung. Der 25. November als Internationaler Tag „Nein! Zu Gewalt an Frauen“ ist da sehr wahrscheinlich weniger im Blick, obwohl es die Themen häusliche Gewalt und Femizid immer mal wieder in die Nachrichten schaffen, auch deswegen, weil die Pandemie diese gesellschaftlichen Probleme verschlimmert hat. Es gibt also Grund genug dort genau hinzuschauen.

Immer noch leben wir in einer patriarchalen Gesellschaft. Immer noch sind Männer die Norm und Frauen diejenigen, die sich ihren Regeln anzupassen haben. Wir leben im 3. Jahrtausend, am Anfang dieses 21. Jahrhunderts hieß es: Dieses werde das Jahrhundert der Frauen! Frauen emanzipieren sich, Feministinnen kämpfen für die Rechte von Frauen. Menschenrechte sind Frauenrechte und Frauenrechte sind Menschenrechte.

Die Regierungen vieler Länder unterschrieben in den vergangenen Jahren die „Istanbul Konvention“, sie ist „ein Übereinkommen des EU-Rats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt“, das 2011 geschlossen wurde. Es ging groß durch die Medien, dass der türkische Präsident Erdogan in diesem Jahr wieder aus dieser Konvention ausgetreten ist, obwohl es gerade in seinem Land 2019 474 Femizide gegeben hat, also geschlechtsspezifische Morde an Frauen, nur weil sie Frauen sind! Die Gesetze zum Schutz der Frauen in seinem Land genügen, wie Herr Erdogan findet.

Frauen gingen auf die Straße und jetzt, wenige Monate später, hört man darüber nichts mehr. Auch Polen drohte schon 2020 mit einem Austritt aus der Konvention. Politikerinnen und Politiker sind aber der Meinung: „Ein Europa ohne Frauenrechte und effektiven Schutz von Frauen vor Gewalt ist im 21. Jahrhundert nicht mehr verhandelbar.“

Die Istanbul Konvention kann, wenn sie in den verschiedenen Ländern in nationales Recht umgesetzt wird, Leben retten. Denn in Europa erleidet jede dritte Frau ab ihrem 15. Lebensjahr ein- oder mehrmals körperliche oder sexuelle Gewalt. In Deutschland versucht jeden Tag ein Partner oder ehemaliger Partner seine Frau umzubringen. Jeden zweiten oder dritten Tag gelingt ein solcher Mord! Mehrere osteuropäische Länder versuchen aber, die Ratifizierung der Istanbul Konvention zu blockieren.

Jedes Jahr um den Internationalen Frauentag, den 8. März herum, hört und liest man überall in den Medien die Klagen über häusliche Gewalt, über die Diskriminierung von Frauen, über die gläserne Decke, die es verhindert, dass Frauen in Spitzenpositionen kommen.

Maria Hollering-Hamers kämpft seit Jahrzehnten für Frauenrechte. Nun gibt die langjährige Leiterin das Ende des Aktionsb... Foto: Esther Schadt

Politikerinnen und Politiker beteuern, dass sich das ändern muss, sie kündigen Maßnahmen an … und wenige Tage später ist das Thema wieder von der Agenda verschwunden. So auch beim 25. November. Hass- und Hetze nehmen zu, auch explizit der Frauenhass, und dies vor allem im Internet, wo man dies auch völlig anonym anbringen kann.

33 Jahre lang hat das Aktionsbündnis „Lichtenfelser Frauengruppen“, dessen Leiterin die Autorin dieser Zeilen war, immer wieder am Internationalen Frauentag auf dieses und andere Frauenthemen mit Veranstaltungen und Zeitungsberichten aufmerksam gemacht.

Die Initiatorinnen und ihre Mitstreiterinnen sind mit dieser Bewusstwerdungsarbeit selber alt geworden und haben die Arbeit des Aktionsbündnisses, die während der Pandemie auch lahmgelegt war, nun offiziell beendet. Es wurden leider keine jungen Frauen gefunden, für die diese Themen so wichtig wären, dass sie die Aktivitäten weiterführen wollen.

Es wäre sehr schön, wenn man sagen könnte: Das ist okay, die Probleme sind gelöst, die Gleichwertigkeit und Gleichwürdigkeit von Männern und Frauen ist erreicht, Gleichberechtigung ist die neue Normalität in unserem Land und in den westlichen Gesellschaften. Natürlich besteht die Hoffnung, dass das Engagement irgendwann wieder aufgegriffen wird, wenn jüngere Frauen selber schmerzlich merken, dass diese Eckpunkte noch lange nicht erreicht sind.Das Aktionsbündnis „Lichtenfelser Frauengruppen“ hat sich in den 33 Jahren immer mit der Arbeit der Frauenhäuser in Bamberg und Coburg und mit dem Konradshof in Vierzehnheiligen verbunden gefühlt und das wenige Geld, das bei den Veranstaltungen erwirtschaftet wurde, an diese Häuser gespendet. So beschlossen die Aktionsfrauen als ihre letzte „gute Tat“, das restliche Geld auf dem Sparbuch diesen drei Institutionen zukommen zu lassen und damit ihr Engagement zu beenden.

 

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