LICHTENFELS

Auf der Probefahrt das Auto demoliert

Maskenverweigerer droht eine saftige Rechnung

Dass die junge Frau so viel auf dem Kerbholz haben soll, hätte manch unbedarfter Prozessbeobachter so nicht gedacht. Mit großen Augen und wie von stillem Wesen saß sie am Dienstag im Gericht vor Richter Matthias Huber. Doch der Mann, der ermittelnd gegen sie vorging, war Staatsanwalt Georg Schneider und auf dessen Schreibtisch landeten Anzeigen, die er zu einer Anklage formen sollte: Betrug, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und Leistungserschleichung.

Der Kernpunkt des Geschehens war ein Vorfall vom 15. März 2019. An diesem Tag gegen 15.50 Uhr täuschte die heute 28-jährige Frau einem Verkäufer in einem Autohaus unter Zuhilfenahme getrickster Führerscheinpapiere vor, dass sie ernstlich beabsichtige, einen Wagen der Mittelklasse zu kaufen. Sie bat darum, eine Probefahrt unternehmen zu dürfen und für die Dauer von einer Stunde wurde ihr diese bewilligt. Doch als die Frau nach zwei Stunden immer noch nicht von der Probefahrt zurück war, da verständigte das Autohaus die Polizei.

Tatsächlich kam einer Streife auch das gesuchte Fahrzeug unter und es kam zu einer Verkehrskontrolle. Doch ab hier hatten Staatsanwalt Schneider und die Angeklagte unterschiedliche Versionen des Geschehens. Laut Schneider habe die einstige Lichtenfelserin, die nun im Coburgischen wohnt, eine Fahrerflucht unternommen und sei dabei auf einen Trinkwassereinspeiseschacht aufgefahren. Die Angeklagte hielt dem entgegen, dass sie dem Polizeibeamten bedeutet habe, das Auto schnellstmöglich ins Autohaus zurückfahren zu wollen, offenbar bittend, die Verkehrskontrolle zeitlich etwas hintanzustellen.

Ausgestiegen und wie vom Erdboden verschluckt

Der Polizeibeamte, dem sie das damals gesagt habe, schien die Angelegenheit noch ganz gut in Erinnerung zu haben. „Ich sprach sie an, dass wir eine Kontrolle durchführen wollen (…) und bin davon ausgegangen, dass sie den Motor abschaltet. Sie war zunächst kooperativ. Ich war überrascht, als sie dann Gas gegeben hat. Beim Rückwärtsfahren ist sie richtig angefahren, so dermaßen, dass es das Heck hochgehoben hat. Dann ist die Fahrerin ausgestiegen und weggerannt. Sie war dann wie vom Erdboden verschluckt.“

Auch der Automobilkaufmann, welcher damals der jungen Frau den Wagen zur Probefahrt überließ, wurde in den Zeugenstand gerufen. Seiner Erinnerung nach betrug die Schadenshöhe am Auto 6000 bis 7000 Euro. Ansonsten hatte er keine weiteren Angaben zu machen, denn soweit stand ja doch alles fest. Blieb noch der Polizeibeamte, der es mit der Frau wegen Leistungserschleichung zu tun bekam. Zwischen Dezember 2019 und Mai 2020 sind ihm acht Fälle bekannt geworden, in denen die 28-Jährige ohne Fahrkarte Bahn fuhr und sich unter anderem in Toiletten versteckte, um keinen Fahrpreis entrichten zu müssen.

Was man zu diesem Zeitpunkt des Verfahrens nicht erwartet hätte, war, dass die junge Frau, die einstmals dem Verwaltungsdienst nahe gestanden zu haben schien, schon mehrmals mit dem Gesetz in Berührung kam. Das Erschleichen von Leistungen tauchte in ihrem Bundeszentralregister schon mal auf, so auch der Tatbestand einer Bedrohung und der Besitz einer verbotenen Waffe. Für Staatsanwalt Schneider sollten die nachgewiesenen Tatbestände jedenfalls mit elf Monaten Freiheitsstrafe zur Bewährung geahndet werden, wobei die Bewährungszeit drei Jahre zu betragen habe.

Auch eine 800 Euro hohe Geldauflage solle ausgesprochen werden. In seinem Urteil berücksichtigte Huber diese Forderungen nahezu sämtlich und zeigte sich ähnlich streng wie der Staatsanwalt. Zwar verurteilte er die Endzwanzigerin zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung, aber diese Bewährungszeit wird nicht nur auf drei Jahre ausgedehnt sein, sondern für 24 Monate auch von einem Bewährungshelfer begleitet. Überdies wird die Verurteilte auch die 800 Euro Geldauflage zu berappen haben.

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