LICHTENFELS

Auf den Spuren der Baumeisterfamilie Dientzenhofer

Auf den Spuren der Baumeisterfamilie Dientzenhofer
Das Abteigebäude des ehemaligen Klosters Banz, das seit 1978 im Besitz der Hanns-Seidel-Stiftung ist, wurde von Leonhard Dientzenhofer erbaut. Foto: Alfred Thieret

Die Online-Vorträge des Geschichtsvereins „Colloquium Historicum Wirsbergense“ (CHW) erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. So konnte Bezirksheimatpfleger und CHW-Vorsitzende Professor Dr. Günter Dippold bei der Einführung zu dem äußerst interessanten Online-Vortrag des Kunsthistorikers Robert Schäfer aus Hirschaid-Sassanfahrt über die Baumeisterfamilie Dientzenhofer mit 149 zugeschalteten Personen eine Rekordteilnehmerzahl vermelden.

Der Referent ging zunächst auf die Herkunft der Baumeisterfamilie ein, ehe er sich mit den einzelnen Mitgliedern beschäftigte. Die Dientzenhofer waren seit Anfang des 17. Jahrhunderts in dem kleinen Weiler Gundelsberg bei Brannenburg im heutigen Landkreis Rosenheim ansässig.

Aus der Ehe von Georg Dientzenhofer, dem Stammvater der Dientzenhofer-Dynastie, von dem es allerdings keinen Hinweis auf eine Bautätigkeit gibt, mit seiner Frau Barbara gingen neben zwei Töchtern sechs Söhne hervor, von denen fünf als Baumeister im süddeutschen Barock und darüber hinaus in Schlesien und Böhmen ihre Spuren hinterließen. Mit etwa 250 Bauten über einen Zeitraum von einem halben Jahrhundert bewiesen sie eine enorme Schaffenskraft.

Hoher Symbolgehalt in der Architektur

Als bedeutendstes Bauwerk von Georg Dientzenhofer (1643-1689), dem Ältesten der fünf Brüder, stellte Robert Schäfer die als Kappl bekannte Dreifaltigkeitskirche von Waldsassen heraus. Bemerkenswert ist der hohe Symbolgehalt der Architektur. Die göttliche Dreifaltigkeit kommt in allen Bauteilen durch die Zahl drei zum Ausdruck. Der Grundriss fußt auf einem gleichseitigen Dreieck innerhalb eines Kreises. Der Gedanke der Dreieinigkeit wird im Außenbereich durch die drei Türme und die drei Dachreiter mit Zwiebelhauben versinnbildlicht. Im Inneren der Kirche kommt die Trinität durch die drei Rotunden zum Ausdruck, die wiederum durch jeweils drei Altäre sowie je drei in den Ecken des Grundrisses stehende Säulen definiert werden.

Unvollendete Bauten in der Region übernommen

Über Wolfgang Dientzenhofer (1648-1706) ist relativ wenig bekannt. Er kam nach dem Tod seines älteren Bruders Georg nach Amberg, wo er dessen unvollendete Bauten in der Region übernahm. Außerdem baute er einige kleinere Klosterkirchen im Amberger Umland wie etwa in Speinshart, Ensdorf oder Michelfeld. Auch die Klosterkirche Sankt Bonifatius von Weißenohe bei Gräfenberg im Landkreis Forchheim entstand ab 1692 nach Plänen von Wolfgang Dientzenhofer, die erst 1707, also ein Jahr nach dessen Tod am Bonifatiustag (5. Juni) eingeweiht wurde.

Da sich der Referent hinsichtlich der Dientzenhofer Bauten vornehmlich auf die Region Franken konzentrierte, ging er auf Christoph Dientzenhofer (1655-1722) nicht weiter ein, der in Prag und Böhmen erfolgreich wirkte. Von dessen fünf Kindern wurde Sohn Kilian Ignaz ebenfalls ein bekannter Baumeister.

Als die in Franken sicherlich bekanntesten der fünf Brüder stellte Robert Schäfer mit Leonhard und Johann die beiden jüngsten Vertreter der ersten Dientzenhofer-Generation besonders heraus. Leonhard Dientzenhofer (1660-1707) war seit 1687 in Bamberg tätig und machte sich schnell einen Namen als begabter Baumeister. Er wird von Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn zum Bamberger Hofbaumeister ernannt und schafft in dieser Funktion eine Reihe bedeutender Barockbauwerke in und um Bamberg, darunter den Bau der Jesuitenkirche (heute Sankt Martin) in Bamberg, den Neubau der Abteigebäude in Ebrach ab 1687 und den Bau der Neuen Residenz in Bamberg (1697-1703) sowie den Monumentalbau der Abtei von Kloster Banz.

Das Kloster war im Dreißigjährigen Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, sodass Leonhard Dientzenhofer ab 1695 mit den Planungen für den Wiederaufbau betraut wurde. Von 1698 bis 1704 entstand der erste Bautrakt des Abteigebäudes, der dann noch nach Osten erweitert wurde. Da Leonhard bereits 1707 im Alter von 47 Jahren starb, vollendete sein jüngerer Bruder Johann Dientzenhofer (1663-1726) die Bauarbeiten, folgte ihm als Hofbaumeister nach und wurde mit dem Neubau der Abteikirche beauftragt, den ursprünglich Leonhard ausführen sollte.

Mit aufwändigem Figurenschmuck

Die in den Jahren von 1710 bis 1719 errichtete Klosterkirche Sankt Dionysius und Sankt Petrus überragt das Maintal weithin sichtbar mit seiner markanten Doppelturmfassade mit vorgewölbtem Mittelteil, zu deren Portal eine breite Freitreppe führt. Eindrucksvoll auch der aufwändige Figurenschmuck von Balthasar Esterbauer.

Genauer ging der Kunsthistoriker auf den Innenraum des Gotteshauses ein. Die Wandpfeilerkirche besticht durch ihre üppige Ausstattung und die vielen Altäre, wodurch die Architektur, die auch im Innenraum beeindruckend ist, oftmals etwas ins Hintertreffen gerät.

Bemerkenswert ist die geometrische Raumgestaltung im Stil des italienischen Architekten Guarino Guarini, dessen Bauwerke Johann Dientzenhofer bei einer Studienreise im Jahr 1699 nach Italien kennenlernen durfte. Während zwei große Ovale den Grundriss prägen, bestimmen drei Ovale das Gewölbe. Die sich daraus ergebenden Überschneidungen führen zu der einzigartigen plastischen Wirkung des Raumes.

Der Bau der Fuldaer Hochstiftskirche

Zu den größeren Aufträgen von Johann Dientzenhofer gehörten auch der Bau der Fuldaer Hochstiftskirche (1704-1712), die ab 1752 zum Dom erhoben wurde, und die Errichtung von Schloss Weißenstein bei Pommersfelden (1711-1718). Trotz seines umfangreichen Lebenswerks war Johann Dientzenhofer nicht sehr geschäftstüchtig, sodass nach seinem Tod seine Witwe nicht gut versorgt war. Das Baugeschäft wurde von seinem Sohn Justus Heinrich Dientzenhofer (1702-1744) weitergeführt. Dieser folgte seinem Vater auf die Stelle des Bamberger Hofbaumeisters nach, war aber faktisch lediglich die Nummer drei in der Bamberger Baumeister-Hierarchie. Ganz vorne stand zunächst Maximilian von Welsch und nach dessen Tod Balthasar Neumann, der aber Johann Jakob Michael Küchel noch den Vorrang vor Justus Heinrich Dientzenhofer gab.

Der Referent ging kurz auf das Rathaus von Lichtenfels, einem Wahrzeichen der Korbstadt, ein, das Justus Heinrich Dientzenhofer von 1742-1743 errichtete. Der den Marktplatz dominant einnehmende Walmdachbau mit zwei Geschossen wird durch zwei Wappenkartuschen, nämlich dem Wappen der Stadt und dem Wappen des Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn als eigentlicher Bauherr geprägt. Deshalb fiel das Gebäude nach der Säkularisation an das Königreich Bayern und ging erst später in das Eigentum der Stadt über.

Auf den Spuren der Baumeisterfamilie Dientzenhofer
Der Kunsthistoriker Robert Schäfer berichtete in einem Online-Vortrag über die Baumeisterfamilie Dientzenhofer. Foto: red

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