LICHTENFELS

Landreis Lichtenfels: Händler zwischen Hoffen und Bangen

Nicht wegen des Halteverbots, sondern wegen der Corona-Pandemie geht am Lichtenfelser Kaufhaus Weka zurzeit nichts. Offen ist, ob das Kaufhaus wie die kleineren Geschäfte am 27. April wieder öffnen darf. Foto: Gerhard Herrmann

Erleichtert reagieren die Lichtenfelser Einzelhändler auf die Ankündigung, dass nach vierwöchiger Ladenschließung wegen der Corona-Pandemie die Bestimmungen gelockert werden sollen: Ab nächster Woche dürfen Gärtnereien und Baumärkte und ab 27. April auch andere Geschäfte bis zu 800 Quadratmetern unter Beachtung von Sicherheitsauflagen wieder öffnen. Trotz des Verständnisses für das Abweichen Bayerns von der bundesweiten Regelung gibt es auch Kritik. Vor allem Kaufhäuser und das Gastgewerbe stöhnen unter dem anhaltenden Lockdown.

Krisensitzung herrschte am Donnerstag nach der Pressekonferenz von Ministerpräsident Markus Söder in der Weka-Zentrale in Kronach. „Die Situation ist völlig unklar“, kritisiert Gechäftsführer Jochen Friedrich. Da die Kaufhäuser in Lichtenfels und Kronach seit 18. März geschlossen sind, hatten Geschäftsführung und Mitarbeiter ihre Hoffnungen auf eine Öffnung ab 20. April gesetzt. Doch die 800-Quadratmeter-Grenze droht die Planung zunichte zu machen, weil die Kaufhäuser größer sind. Jetzt überlege die Geschäftsführung, ob es möglich ist, nur Teilbereiche zu öffnen. Doch die zuständigen Behörden hätten dazu am Donnerstag keine Aussagen machen können, so Friedrich.

Online-Shop als zusätzliche Einnahmequelle

Erleichtert ist dagegen Jutta Glätzer, Inhaberin des Schuhhauses Hofmann und Vorstandsmitglied der Werbegemeinschaft Treffpunkt, dass die Zeit des Wartens vorbei ist. „Ich hätte mich gefreut, wenn wir schon am Montag hätten öffnen können, aber ich habe Verständnis dafür, dass der Freistaat auf Nummer sicher gehen will“, sagt sie. Schlimmer wäre eine zu frühe Lockerung der Einschränkungen, der dann eine weiterer Lockdown folgen könnte.

Das Schuhhaus Hofmann darf am 27. April wieder öffnen. Foto: Gerhard Herrmann

Der Verlust durch vier Wochen Schließung treffe ihr Schuhgeschäft hart und sei noch nicht zu beziffern. Zum Teil sei es gelungen, ihn durch einen eigenen Online-Shop abzufangen, aber das stehe in keinem Verhältnis zum Ladenverkauf. Wenigstens habe der Online-Verkauf es ermöglicht, für die beiden halbtags beschäftigten Mitarbeiter auf Kurzarbeit zu verzichten. Mut gemacht haben ihr die Solidaritätsaktionen der Stadt und des City-Managments.

Bereits seit 18. März ist das Kaufhaus Weka geschlossen. Foto: Gerhard Herrmann

„Dass die Geschäfte in Bayern eine Woche später als im restlichen Bundesgebiet öffnen dürfen ist nicht ideal, aber immerhin haben wir jetzt eine Perspektive“, sagt Frank Mirsberger, Inhaber des Modehauses Felicissimo in Bad Staffelstein und Vorsitzender der Adam-Riese-Unternehmergemeinschaft. Andere Branchen wie das Gastgewerbe seien weit schlimmer betroffen, da nicht absehbar sei, wann wieder Einnahmen erzielt werden können. Und während dessen laufen die Kosten weiter.

Für seine 13 Mitarbeiter hat Mirsberger Kurzarbeit angemeldet. Und die Zwangsschließung hat er genutzt, um den seit einem Jahr geplanten Online-Shop von Felicissimo startklar zu machen. Die Resonanz sei ermutigend. Doch den Umsatzrückgang im März, der in der Modebranche der stärkste Monat ist, könne er so nicht ausgleichen. „Ich hoffe, dass die Kunden in acht Tagen trotz der Ausgangsbeschränkungen kommen und die heimischen Händler unterstützen, damit sie eine Zukunft haben“, betont Mirsberger. Die Wirtschaft brauche dieses regionale Denken, denn umgekehrt profitiere die Region durch die von ihnen geschaffenen Arbeitsplätze und die an die Kommunen gezahlte Gewerbesteuer. „Während C+A in der Pandemie Aufträge in Bangladesch kündigt und Adidas keine Miete zahlt, leisten wir bei den Produzenten unserer Kollektionen in Italien 100 Prozent Vorkasse“, betont er. Werde dieses Bewusstsein, in der Region zu kaufen, gestärkt, hätte die Pandemie immerhin eine positive Nebenwirkung.

„Dass die Geschäfte in Bayern eine Woche später als im restlichen Bundesgebiet öffnen dürfen ist nicht ideal, aber immerhin haben wir jetzt eine Perspektive im Gegensatz zu anderen Branchen.“
Frank Mirsberger, Adam-Riese-Unternehmergemeinschaft

„Für uns ist es bitter, dass wir noch eine Woche länger warten müssen, aber ich hoffe, wir werden die Einbußen verkraften, wenn die Kunden anschließend wieder einkaufen“, sagt Sabine Gückel von Gückel Top Mode in Altenkunstadt. „Uns fehlen die verkaufsstärksten Monate und die Absage von Festen schlägt sich in geringeren Verkäufen nieder“, gibt sie zu bedenken. Ihre vier Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, sie und ihr Mann halten den Kontakt zu den Stammkunden. Wenig optimistisch stimmten Nachrichten aus Österreich, wo die Läden wieder geöffnet wurden: „Weil die Gastronomie noch geschlossen ist, fehlt vielen das Einkaufserlebnis.“

Gähnende Leere und geschlossene Geschäfte bestimmen das Bild in der Lichtenfelser Fußgängerzone während der Pandemie. Foto: Gerhard Herrmann

„Im Zweifel für die Sicherheit“, sagt sich Dirk Rosenbauer, Inhaber von Electronik Partner Rosenbauer in Michelau. Sein Umsatz habe während der Schließung zwar gelitten, doch dank des Online-Shops und weil das Unernehmen als Handwerksbetrieb auch Montagen vornimmt, musste er die sieben Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit schicken. Für Hygiene-Auflagen sei die Firma gut gerüstet, da die Mitarbeiter bereits jetzt bei Lieferungen und Montagen Schutzhandschuhe und Masken tragen, so dass genug Schutzmasken auch für Kunden im Geschäft vorrätig seien.

Besonders hart getroffen hat es die Unternehmerfamilie Kreier: Im Korbstand-Hotel „Krone“ sind von 67 Zimmern nur acht belegt, das Ristorante „Rossini“ liefert zwar Speisen nach Hause, doch die schwankende Nachfrage gleiche die fehlenden Umsätze nicht annähernd aus, berichtet Seniorchefin Karin Kreier. Ganz gestrichen sind die Flossfahrten, Busgäste bleiben aus und die Bewirtschaftung im Stadtschloss ist nicht möglich. „Es ist ein Riesenproblem da nicht absehbar ist, wann wir wieder öffnen dürfen“, erklärt sie. Neben dem lukrativen Oster-Geschäft fallen auch Veranstaltungen wie das Ragnarök-Festival, das Samba-Festival, die Lieder auf Banz und das Schützenfest aus, die für ausgebuchte Betten sorgten.

Von 67 Hotelbetten sind acht belegt und der Lieferservice bringt wenig ein

Leer ist der Parkplatz vor dem Hotel „Krone“ und dem Ristorante „Rossini“ wegen der Pandemie. Foto: Stefan Lommatzsch

Für die 45 Mitarbeiter wurde 90 Prozent Kurzarbeit angemeldet, wenn es so weiter gehe, werden es wohl 100 Prozent und die Gesellschafter-Familie müsse das Geschäft vorübergehend allein führen. „Ich bin enttäuscht, dass die mittelständischen Betriebe und Dienstleister allein gelassen werden, während den Großen schnell geholfen wird“, beklagt sie. So sei von der Soforthilfe von 30 000 Euro erst die Hälfte ausbezahlt worden und ein Kredit helfe ihrem Unternehmen nicht, da anschließend ja nicht das doppelte konsumiert werde. Daher wären jetzt wenigstens schnelle Regelungen für eine schrittweise Öffnung der Gastronomie erforderlich, fordert Karin Kreier.

Gespenstische Leere herrscht in Zeiten der Corona-Pandemie und geschlossener Geschäfte auf dem Lichtenfelser Marktplatz. Foto: Gerhard Herrmann

Schlagworte