LICHTENFELS

Regiomed: Covid-19-Infizierte sollen gurgeln

Bei einer Telefonkonferenz informierte der Regiomed-Klinikverbund auch an diesem Mittwoch wieder über den aktuellen Verlauf und die Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie getroffen werden. Zudem stellte der Experte für Krankenhaushygiene, Prof. Klaus-Dieter Zastrow, eine im Klinikverbund etablierte Methode vor, mit der es anscheinend gelingt, den Verlauf der Krankheit bei Covid-19-Infizierten abzumildern.

Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke stellte eingangs fest, dass sowohl die seitens der Regierung als auch die vom Klinikverbund zur Eindämmung der Pandemie getroffenen Maßnahmen Wirkung zeigen: „Es ist uns gelungen, die Kurve flach zu halten, aber wir sind weit weg von einer Entwarnung.“ Es gelte dringend, die Schutzmaßnahmen weiter einzuhalten, „denn wir haben großen Respekt vor einem Rückschlag“. Er nannte dabei vor allem die Gefahr einzelner „Brandherde“, wie zum Beispiel Senioreneinrichtungen innerhalb derer und von denen aus sich das Virus rasend schnell ausbreiten könne. „Die Situation kann sich sehr schnell wieder ändern. Wir müssen weiterhin vorbereitet sein und bleiben“, mahnte er. Als Beweis für die Wirksamkeit der bei Regiomed umgesetzten Schutzmaßnahmen führte er an, dass es bisher keinen einzigen Corona-Infizierten in den neun Senioreneinrichtungen des Klinikverbunds gebe. Er lobte die gute Resonanz hinsichtlich der Schutzmaßnahmen bei den Bewohnern sowie deren Angehörigen und ebenso beim Personal.

„Nur“ das Personal fehlt noch für das Hilfskrankenhaus

Der Geschäftsführer des Lichtenfelser Klinikums, Robert Wieland, teilte mit, dass die Planungen, den Altbau des Klinikums im Bedarfsfall als Hilfskrankenhaus zu reaktivieren, abgeschlossen sind und dessen organisatorische und technische Betriebsbereitschaft gesichert sei. Er räumte allerdings ein, dass es hinsichtlich des Personalbedarfs noch keinen finale Lösung gebe. Weiter stellte er fest, dass die Corona-Schwerpunktpraxen im Landkreis sehr gut angenommen würden. Mit ihnen sei eine gute Infrastruktur geschaffen worden, um die niedergelassenen Ärzte zu entlasten.

Weiter berichtete der Leiter des Regiomed-Hygiene-Instituts, Prof. Klaus-Dieter Zastrow, über eine von ihm und dem Klinikverbund bereits seit Ende Februar empfohlene Methode, mit der auf Covid-19 positiv getestete Personen laut bisherigen Erfahrungen den Verlauf der Krankheit mildern können. Demnach könne eine viruzide Mundspülung die Anzahl der Viren in Mundhöhle und Rachenraum verringern. Zastrow erläuterte hierzu, dass viele infizierte Personen lange keine oder nur sehr wenige Symptome zeigen und dann – bei schweren Verläufen – sehr plötzlich sehr krank würden. Die Lunge werde dann angegriffen, die Patienten bekämen starke Atemprobleme und müssten teilweise auf der Intensivstation behandelt und oft sogar beatmet werden.

„Das Coronavirus siedelt sich erst einmal in der Mundhöhle und im Rachenraum an und beginnt sich dort zu vermehren. Ist dann eine bestimmte, kritische Konzentration erreicht, rast es schlagartig in die Lunge. Das ist wie ein Kanonenschlag. Das Coronavirus befällt massiv die Lunge“, erklärt Zastrow. Sein Ansatz sei es daher, bereits vorher zu handeln. „Zwar werden wir im Mund niemals absolute Keimfreiheit erlangen können. Mit einer Mundspülung, die auch gegen Viren wirkt, inaktivieren wir aber bei jeder Anwendung eine große Menge. So erreichen die Erreger bestenfalls nie diese kritische Konzentration, die den massiven Befall der Lunge hervorrufen kann.“

Diesen Ansatz verfolge man schon länger bei Regiomed. Im Hygieneplan werde daher empfohlen, dass Patienten, die die Kliniken mit dem Verdacht auf eine Infektion aufsuchen, weil sie Symptome haben und zum Beispiel Kontakt zu einer infizierten Person hatten, noch vor Ort mit einer viruziden Mundspülung gurgeln sollten. „So verringern wir die Ansteckungsgefahr für Mitarbeiter oder andere Patienten“, sagte Zastrow. Geeignet seien dafür lang bewährte Mittel, die zum Beispiel den Wirkstoff Povidon-Iod oder Octenidin enthalten.

„Wir haben den Patienten mit einem positiven Test auf das Coronavirus empfohlen, auch zuhause für rund acht Tage diese Mundspülungen anzuwenden“, berichtet Zastrow. „Nach zirka sieben bis zehn Tagen beginnt der Körper dann auch, Antikörper gegen das Corona-Virus zu bilden, und hält es dadurch selbst in Schach.“ Natürlich sei das keine Studie, betonte Zastrow. Man habe aber einige dieser Patienten abtelefoniert und nach ihren Erfahrungen befragt. „Viele dieser Personen sind unserem Rat gefolgt. Keiner von ihnen hat einen schweren Verlauf von Covid-19 entwickelt. Das finde ich sehr erfreulich“, sagt der Experte. Von einer vorsorglichen und dauerhaften Anwendung der Mundspülungen rät Zastrow aber ab. „Auf die Idee des prophylaktischen Gurgelns kann man natürlich kommen. Ich möchte aber zu bedenken geben, dass uns das Corona-Virus sicher noch Monate oder gar Jahre begleiten wird. Es ist daher sicher nicht ratsam, dauerhaft mit diesen viruziden Mundspülungen zu gurgeln, denn eine gesunde Mundflora ist generell ein wichtiger Aspekt für die Gesundheit, und diese würde dadurch beeinträchtigt werden.“