LICHTENFELS

Auswanderung: Als Kinderarzt in den Anden arbeiten

Auswanderung: Als Kinderarzt in den Anden arbeiten
Dr. Simon Then und seine Frau Fruzsina begeben sich in die peruanischen Anden, um im Hospital Diospi Suyana bei der medizinischen Versorgung der armen indigenen Bevölkerung mitzuwirken, während die Kinder Agnes, Luise und Susanne die dem Krankenhaus angegliederte Schule besuchen ... Foto: red

Dr. Simon Then arbeitete bis Ende März als Kinderarzt am Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Lichtenfels. In dieser Zeit wurde er mit einem Erlebnis konfrontiert, dass sein Leben und das seiner Familie veränderte. Bald wird der in der bayerischen Rhön geborene Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in einem Krankenhaus für die Mission in Peru arbeiten.

Der Arzt wollte eigentlich schon früher in die Mission gehen. Nach dem Studium war es sein Wunsch, als Missionsarzt in das Missionskrankenhaus Diospi Suyana nach Curahuasi in Peru zu gehen. Als christlich geprägter Mensch habe ihn schon von Jugend an der Gedanke nicht losgelassen, einmal eine Missionstätigkeit zu ergreifen, um in Entwicklungsgebieten armen und hilfsbedürftigen Menschen beizustehen, wie er dieser Redaktion erzählt.

Ehefrau Fruzsina unterstützt die Pläne ihres Mannes voll und ganz

Seine Frau Fruzsina, die er bereits kurz nach dem Abitur bei der Absolvierung eines Freiwilligen Sozialen Jahres in Spanien kennengelernt hatte, habe die gleiche Gesinnung. Diese habe sich noch verstärkt, als beide über einen Vortrag von Dr. Klaus John, dem Gründer und Leiter des Hospitals Diospi Suyana, nähere Einzelheiten über die dortige Missionsarbeit erfuhren.

Sein Wunsch, in die Mission zu gehen, sei zunächst gescheitert. Es gab auf seine Bewerbung hin keine Zusage aus Bolivien. So habe er seinen Facharzt gemacht. Dazu kam er zu Regiomed nach Lichtenfels. Die Familie mit den drei Kindern Luise (12 Jahre), Agnes (9 Jahre) und Susanne (6 Jahre) wohnte in Kronach.

Einschneidendes Erlebnis während der Zeit in Lichtenfels

Im Verlauf der Facharztausbildung und der anschließenden Anstellung als Facharzt bei Regiomed in Lichtenfels rückten die Missionspläne etwas in den Hintergrund. Ein einschneidendes Erlebnis führte dann zu einer Veränderung: der plötzliche Tod des aus Schney stammenden und zu seinem Bekanntenkreis gehörenden Missionars Gerhard Stamm 2019.

Stamm wollte während seiner über 30-jährigen Tätigkeit in Papua Neuguinea den Bewohnern nicht nur die Botschaft Gottes überbringen, sondern er half zusammen mit seiner Frau, eine gelernte Krankenschwester, vor Ort mit, wenn Hilfe nötig war.

Der Tad Stamms ließ die Perupläne des Mediziners plötzlich wieder lebendig werden. Leben müsse mehr sein als Karriere und die eigenen vier Wände, darin waren sich die Thens einig. Der erneuten Anfrage bei Dr. Klaus John in Curahuasi war dann auch Erfolg beschieden.

In Cusco steht auf 3400 Metern Höhe zunächst ein Spanisch-Kurs bevor

Die Freude darüber sei riesengroß, sagt Then. Seither bereite sich die ganze Familie auf die Ausreise vor. Simon und Fruzsina Then frischen ihre Spanisch-Kenntnisse auf und beschäftigen sich mit der Kultur, Geschichte und Geografie Perus und auch die drei Mädchen lernen etwas Spanisch und informieren sich über das Land.

Die Thens wollen zunächst einen Spanischkurs in Cusco absolovieren, auf 3416 Meter Höhe im Zentrum des peruanischen Andenhochlands. Ende Juni werden die Thens in der südperuanischen Andenstadt Curahuasi erwartet, die auf rund 2600 Meter Höhe liegt.

Simon Then wird dann in dem Hospital Diospi Suyana – zu deutsch „Vertrauen auf Gott“ – zunächst für drei Jahre als Kinderarzt arbeiten, während seine Frau Fruzsina, eine diplomierte Betriebswirtin, in der Verwaltung und Kinderbetreuung tätig sein wird.

Auswanderung: Als Kinderarzt in den Anden arbeiten
Das Missionshospital Diospi Suyana befindet auf 2650 Meter Höhe im Hochland der südperuanischen Anden. Foto: red

Die Anstellung erfolgt über die Vereinigte Deutsche Missionshilfe (VDM). Die drei Kinder des Ehepaares werden in der missionseigenen Schule zusammen mit den einheimischen und den anderen Missionarskindern zur Schule gehen.

Das gesamte Projekt in Curahuasi kam auf Initiative des deutschen Ärzteehepaares Dr. Klaus John und Dr. Martina John ganz auf Spendenbasis zustande, das schon 1991 von den ärmlichen Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung bei einer Studienreise nach Peru sehr berührt wurde.

Dem 2007 errichteten Klinikum folgten noch später das Kinderhaus und die Schule sowie ein Medienzentrum mit eigenem Fernsehkanal und einem Radioprogramm. Die gleiche Intention wie das Ehepaar John hat das Ehepaar Then.

Er wolle dazu beitragen, der indigenen Bevölkerung der Region die notwendige medizinische Betreuung im Rahmen einer ambulanten oder stationären Behandlung angedeihen lassen. Diese Bevölkerung besteht überwiegend aus Quechua-Indianern, den Nachfahren der Inkas. Den Kindern dort gelte sein besonderes Augenmerk.

Auch die Aufklärung der Patienten über Themen der Gesundheitsvorsorge stehe im Vordergrund. Then weiß um die meist bittere Armut dieser Nachfahren der Inkas, die überwiegend in einfachen Lehmhütten leben. Mangelnde Bildung und soziale Ausgrenzung und durch die sich daraus ergebende Perspektivlosigkeit würden oft zu Gewalt und Alkoholismus führen. Darunter hätten gerade die Kinder zu leiden. Diese seien auch von Unterernährung und Krankheiten, die unter anderem auf fehlende Hygiene zurückzuführen seien, betroffen.

Auch viele schwerkranke Menschen kämen in das Hospital. Das Krankenhaus habe einen guten Ruf, so dass die Quechuas oft weite Wege in Kauf nehmen würden, um Hilfe zu erhalten. Es würden alle Patienten behandelt, auch wenn sie nur einen kleinen Teil der Behandlungskosten bezahlen können. Der Rest werde durch Spenden gedeckt.

Christliches Helfen und Heilen ist ein Leitmotiv des Mediziners

Then versteht sich bei dem, was jetzt auf ihn zukommt, auch als Missionar. „Was mich motiviert, ist die Liebe Gottes in Jesus Christus. Durch das christliche Helfen und Heilen sollen die Menschen Gottes Liebe erfahren“, betont er.

Diese Einstellung habe er von seinen Eltern erfahren, die von einer tiefen Frömmigkeit geprägt gewesen seien. Der gelebte Glaube sei ihm und seiner Frau wichtig. Entsprechend der Devise „Geben ist seliger als nehmen“ stellt er fest: „Wenn man anderen helfen kann, ist man selber auch der Beschenkte“.

Die Thens freuen sich auf ihre bevorstehende Aufgabe im Hospital Diospi Suyana im Süden von Peru. Sie müssen allerdings länger warten als gedacht: Wegen der Corona-Pandemie ist der bereits fest gebuchte Flug von der Fluggesellschaft zunächst annulliert worden.

Das Projekt Diospi Suyana in Peru

Das in der Andenstadt Curahuashi in der südperuanischen Region Apurimac gelegene Missionshospital Diospi Suyana ist ein modernes Krankenhaus mit einem hohen Qualitätsstandard und wurde vornehmlich für die arme Bevölkerung der Quechua-Indianer der peruanischen Anden geschaffen.

Das Hospital hat eine Kapazität von 100 Betten und ist unter anderem mit einer großen Ambulanz, zwei Intensivstationen, einem modernen Labor, sechs Operationssälen sowie einer Röntgenabteilung mit Computertomographie ausgestattet und beinhaltet noch eine Zahn- und Augenklinik.

Die Diospi-Suyana-Schule umfasst neun Gebäude mit 27 Klassenräumen sowie eine Bibliothek, eine Mensa und eine Sporthalle. Auch ein Kindergarten ist vorhanden. Etwa 220 peruanische Angestellte sind in den Bereichen Hospital und Schule beschäftigt, womit Diospi Suyana ein wichtiger Arbeitgeber in der Region ist.

Die Missionare beziehen von Diospi Suyana keine Gehälter, sondern werden von internationalen Förderkreisen finanziert. Diospi Suyana ist zudem als gemeinnützige Einrichtung in Peru, Deutschland und den USA anerkannt. (thi)

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