LICHTENFELS/COBURG

Lichtenfelser Hilfskrankenhaus wäre in vier Tagen bereit

Den Altbau des Klinikums Lichtenfels (hinten) hat Regiomed für die Einrichtung als Hilfskrankenhaus im Falle einer Welle von Corona-Erkrankungen vorbereitet. Organisiert würde der Betrieb vom Neubau (vorne) aus.Archiv- Foto: Sascha Ott

„Angesichts weiterer Verdachtsfälle von Erkrankungen mit Covid-19 ist die Lage weiterhin ernst, doch in dieser Größenordnung der Patientenzahlen gut zu beherrschen“, sagte Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke. Durch die Verschiebung nicht dringender Operationen sei es gelungen, 550 Betten in den Einrichtungen des Klinikverbunds freizuhalten. Damit sei Regiomed gut auf eine mögliche Welle von Erkrankungen vorbereitet, erklärte er bei einer telefonischen Pressekonferenz am Dienstag. Sollte das nicht ausreichen, könnte im Altbau des Lichtenfelser Klinikums innerhalb von vier Tagen eine Hilfsklinik mit 100 Betten eingerichtet werden.

„Ich fühle mich in einer Klinik sicherer vor Ansteckung als im Supermarkt, da wir sehr auf Hygiene achten und das für uns Alltagspraxis ist.“
Professor Stefan Piltz, Ärztlicher Direktor Regiomed

„Das ist eine reine Vorsorge-Maßnahme, falls das Regiomed-Gebiet von einer Welle von Erkrankungen überrollt wird“, betonte Geschäftsführer Robert Wieland, der auch das Lichtenfelser Klinikum leitet. Zurzeit seien nur 55 Prozent der Betten belegt. Das Versorgungskonzept sieht vor, dass zuerst die vorhandenen Kapazitäten der Einrichtung schrittweise ausgebaut werden, wie in Lichtenfels bereits geschehen. Reiche die Zahl der Betten nicht aus, werden die Patienten über das Verbundgebiet verteilt. Erst wenn auch das nicht mehr ausreiche, werde das Hilfskrankenhaus im Altbau des Lichtenfelser Klinikums eröffnet. Vorgesehen ist die Einrichtung von fünf Stationen mit Zwei-Bett-Zimmern über die fünf Stockwerke des Gebäudes verteilt, damit nicht nur Covid-19-Patienten, die maximal eine Atemunterstützung, aber keine Beatmung benötigen, sondern auch nicht infizierte, dort behandelt werden können. Koordiniert werde der Betrieb vom Neubau des Klinikums aus, wo die schweren Covid-19-Fälle behandelt werden, erläuterte Wieland.

Um den seit eineinhalb Jahren leer stehenden Altbau für den Betrieb herzurichten, wurden die Wasserleitungen überprüft, die Aufzüge gewartet, um Krankenbetten transportieren zu können, und Telefonleitungen zum Neubau verlegt. Lediglich bei der Atemunterstützung werde man auf Sauerstoffflaschen zurückgreifen müssen. Voraussetzung für den Betrieb ist allerdings, dass zusätzliches Personal gefunden wird. Rund 80 bis 100 Pflegekräfte können nicht vom Klinikums–Neubau abgezogen werden, doch Alexander Schmidtke äußerte sich zuversichtlich, diese über den landesweiten Personalpool (1700 Pflegekräfte) zu rekrutieren.

Eine gute Nachricht hatte der ärztliche Direktor, Professor Stefan Piltz: Der Schutz der Mitarbeiter sowohl durch Hygiene (Mundschutz für alle und Desinfektion) als auch durch psychologischen Beistand scheint zu funktionieren. Der Krankenstand in allen Regiomed-Einrichtungen sei trotz der Pandemie nicht höher als üblich, teilweise sogar niedriger. Dass die Sicherheitsvorkehrungen geifen, zeige ein Fall aus dem Krankenhaus in Neustadt bei Coburg, wo eine Patienten wegen Rückenschmerzen eingeliefert wurde, bei der später Covid-19 diagnostiziert wurde. Die Tests aller 40 Mitarbeiter, die mit ihr in Kontakt waren, verliefen negativ.

Grundsätzlich sei das Infektionsrisiko für Mitarbeiter im Gesundheitswesen nicht höher als in der gesamten Bevölkerung: Gemessen an insgesamt 2,1 Millionen Ärzten und Pflegekräften bundesweit liege die Zahl der Infizierten mit 2300 bei knapp 0,1 Prozent. „Ich fühle mich in einer Klinik sicherer vor Ansteckung als im Supermarkt, da wir sehr auf Hygiene achten und das für uns Alltagspraxis ist“, betonte Piltz.

Arztbesuche bei Beschwerden nicht aus Sorge vor Corona aufschieben

Daher appellierte er an die Bürger, bei gesundheitlichen Beschwerden nicht aus Sorge vor einer Infektion den Arzt- oder Krankenhausbesuch aufzuschieben. Schlimmstes Beispiel sei der Fall eines Manns, der in einer Arztpraxis wegen eines Herzanfalls zusammenbrach, nachdem er trotz tagelanger Schmerzen keine Hilfe in Anspruch genommen hatte.

Sorge bereitet Hauptgeschäftsführer Schmidtke die Weigerung einiger Senioreneinrichtungen, ihre Bewohner nach einer Behandlung im Krankenhaus wegen Bedenken vor einer Infektion wieder aufzunehmen. Damit sie nicht ohne Notwendigkeit bis zum Ende der von den Einrichtungen geforderten 14-tägigen Quarantäne in den Kliniken bleiben müssen, soll im Medical-Park Bad Rodach eine Quarantänestation für die Senioren geschaffen werden.

Übertragung der Ostergottesdienste und Videokonferenzen mit Familien

Damit die Patienten trotz des Besucherstopps die Osterfeiertage nicht ohne Kontakt mit ihren Angehörigen verbringen müssen, bietet Regiomed die Möglichkeit zu Videokonferenzen. Außerdem werden die Ostergottesdienste aus den Hauskapellen in die Patientenzimmer übertragen (in Lichtenfels: täglich um 18 Uhr sowie am Ostersonntag und Ostermontag um 8.30 Uhr).

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